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Interview mit Dagmar Trodler

 

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Dagmar Trodler

Jahrgang '65, stammt aus dem rheinischen Düren. Nach dem Abitur lernte sie den Beruf der Krankenschwester und hat in verschiedensten Fachdisziplinen gearbeitet. Parallel dazu studierte sie Geschichte und Skandinavistik in Saarbrücken, Köln und Aachen. Während des Studiums hat sie mit dem Schreiben begonnen,  inzwischen ist Schreiben „ihr Ding“, ihr absoluter Traumjob, für den sie alles riskiert. „Die Waldgräfin“ erschien 2000, die daraus folgende Trilogie hat viele Menschen begeistert. Inzwischen sind sieben Bücher auf dem Markt, darunter auch eine kleine leise Geschichte aus Island, „Der letzte lange Sommer“, der vor allem in Island viele Freunde gefunden hat. Buch Nr. 8 wird 2012 erscheinen, und ihr Kopf ist jetzt schon voller neuer Ideen.

Nebenher schreibt sie Fachartikel für Pferdemagazine im Print- und Online-Bereich, hat ein schwedisches Buch ins Deutsche übersetzt und übersetzt für ein isländisches Nachrichtenmagazin.

Zur Zeit arbeitet sie an einem neuen Romanprojekt, welches 2012 erscheinen wird.

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Ablenkung - oder warum man freiwillig in die Einöde geht

VON DAGMAR TRODLER

Meine ersten Reisen nach Island vor 15 Jahren sind im Angesicht von Ödnis und Einsamkeit eher von Furcht geprägt gewesen als von Begeisterung, und ein echter „Islandfan“ bin ich nie gewesen. Nach sieben verregneten, grauen Tagen kann einen die Insel tatsächlich anknurren wie ein böser Hund, den niemand gefüttert hat, und der sich anschickt, unvorsichtige Besucher anzufallen.

Trotzdem bietet selbst der siebente Regentag irgendeinen zauberhaften Anblick und sei es nur ein Fetzen blauer Himmel.

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 Das Leben auf dieser Insel ist weit von dem entfernt, was man aus Deutschland gewohnt ist. Ohne Familie läuft in Island nichts, wohnt man als Ausländer auf dem Land alleine und ohne Verbindung zu einer einheimischen Familie, kann die vermeintlich Gleichgültigkeit der Menschen hier durchaus zum Problem werden. „There is no pity“, - es gibt kein Mitleid - charakterisierte eine isländische Krankenschwester diese Haltung.

Das Leben als Ausländerin hat mich einiges an Demut gelehrt, und auch viel Reflektion über unser Verhalten Ausländern gegenüber in Deutschland.  Manches kann man wirklich nur beurteilen, wenn man es selbst erlebt hat.

Sprachlich lebt man in einer Art interkulturellem Ausnahmezustand. Ich verständige mich auf englisch, immer häufiger auch auf isländisch. Ich lese englisch und isländisch. Für mein Buch bin ich im Garten meiner eigenen Sprache unterwegs – anfangs war diese Kombination sehr anstrengend, inzwischen bereichert sie auf geheimnisvolle Weise mein Schreiben. Vielleicht weil man lernt, sich innerhalb der Sprachenflut auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die harte Schule, mit sich selbst zu leben und die Einsamkeit lieben zu lernen, schafft Bilder im Kopf des Dichters. Die Einsamkeit wird begleitet von einer schnörkellosen Klarheit der Landschaft – auch das schafft Bilder, weil nichts mehr ablenkt. Das kann tatsächlich süchtig machen.

Bilder sind die Seele des Schreibens, ohne Bilder ist jede Geschichte nur halb so stark. Selbst die Sprache meiner Fotografie hat sich gewandelt, hat an Ausdruck gewonnen.

Vielleicht bin ich deshalb auf genau dieser harten Insel gelandet, verbringe einen großen Teil meines Jahres mitten im Nichts, welches flankiert wird von kahlen Bergen, die sich einfach so aus dem flachen Boden erheben und an wolkenlosen Tagen Tennis spielen mit dem Licht.

Nichts verstellt den Blick. Man kann endlos weit schauen, an schönen Tagen erlaubt die Fernsicht einen Blick bis fast ins Inselinnere, wo schneebedeckte Berge in der Sonne glänzen.

Nichts verstellt den Blick. Gehöfte und Stallungen ducken sich stumm in die Landschaft, damit das unberechenbare Wetter oder die ständige Bedrohung durch Vulkanausbrüche sie verschont. Die angepflanzten Bäume wirken wie Fremdkörper, die Künstlichkeit ihrer Anpflanzung und ihres schmalen, hohen Wuchses hat etwas schräges, unwirkliches. Ich vermisse keine Bäume.

Nichts verstellt den Blick auf das Licht. Das Licht ist meditativ, so weit oben im Norden bringt es durch die Neigung der Erdkugel vor allem im Winterhalbjahr Farben hervor, die man in südlichen Breiten so nie erleben würde: ein magischer Pinsel scheint an sonnigen Tagen alles mit Gold bestrichen zu haben und erweckt die eigentlich schlafende Natur mitten im Winter zum Leben.

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Die Kargheit der Umwelt schult den Blick für kleine Wunder. Man nimmt sie vom Spaziergang mit an den Schreibtisch und übersetzt sie mühelos in Worte. Das Bilderkonzert im Kopf wird deutlicher, weil die Umgebung leiser ist.

Die Stille hier hat etwas klösterliches, meditatives – vielleicht weil man an kaum einem anderen bewohnten Platz in Europa soviel Demut vor Gottes Schöpfung und vor der Gewalt der Natur empfinden kann.

Auch die Stille macht süchtig, und Zivilisationslärm wird zunehmend zur Belästigung. Die Stille vermag es, das Gedankenkarussell anzuhalten und Bilder in die richtigen Worte zu fassen.

Der richtige Platz zum Schreiben – mitten im Nichts.

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Veröffentlichung:

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Die Stunde der Seherin
Verlag: Blanvalet Verlag
ISBN-10: 3764502894
ISBN-13: 978-3764502898
416 Seiten
19,99 Euro*
* Preis zum Zeitpunkt des Beitrages


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Schottland im 11. Jh.: Durch schicksalhafte Umstände verschlägt es die Schwestern Margaret und Christina an den Hof des schottischen Königs Malcolm. Während die schöne Margaret sogleich das Interesse des Königs auf sich zieht, fühlt sich die jüngere Christina allein gelassen und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Doch als die vergötterte große Schwester einem Fluch zum Opfer fällt, der auf einem geheimnisvollen Stundenbuch liegt, kommt wieder Leben in Christina. Um der Schwester zu helfen, nimmt sie das Buch an sich und verlässt die Burg. Gemeinsam mit dem jungen Mönch Niall begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise bis zum Ursprung des Fluches. Doch um das Leben Margarets retten zu können, muss Christina eine schwere Entscheidung treffen und ein großes Opfer bringen …
Farbenprächtig, fesselnd, dramatisch – eine abenteuerliche Reise zweier ungleicher Schwestern!

 

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