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Arib – Begegnung mit der mittelalterlichen Lifestyle-Queen

 

Foto© Nomi Baumgartl

Agnes Imhof, geboren 1973 in München, studierte Philosophie, Islam- und Religionswissenschaften und spricht unter anderem Arabisch und Persisch. Die Islamexpertin ist in klassisschem Gesang ausgebildet und liebt den Schwertkampf. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt sie am Ammersee. Im Piper Verlag erschien zuletzt ihr Roman »Das Buch des Smaragds«.

 


Arib - Begegnung mit der mittelalterlichen Lifestyle-Queen


VON AGNES IMHOF

Es war wie Magie. Sie war einfach da: „Die Königin der Seidenstraße". Mittelalterliche Lifestyle-Queen, gefeierte Sängerin und Hure der Mächtigen. Eigentlich hatte ich für einen anderen Roman recherchiert. Ich suchte historische Kochrezepte, da stieß ich in einer alten arabischen Chronik auf sie: Arib. Das A, mit einem weichen Kehllaut sinnlich verhaucht, das sanft betonte i ... In diesem Namen hörte, spürte, schmeckte ich alles: Die schweren Düfte nach Zimt und Opium, den Tiergeruch, die monotonen Rufe der Karawanentreiber. Die Glöckchen am Geschirr der Saumtiere, das Klirren blutiger Schwerter. Die kostbaren Seidenstoffe, die parfümgeschwängerte, feuchte Luft der Hammams ... Plötzlich wurde ein Roman daraus. Es war wie ein Rausch.


Eine Reise in die barbarische Vergangenheit Deutschlands
Aribs Geschichte ist die einer gnadenlosen Rache. Und einer leidenschaftlichen Liebe. Ich näherte mich ihr über den Mann, den sie liebt: Wolfram, einen Franken aus dem Reich Karls des Großen. Eine Gesandtschaft Harun ar-Raschids, des Kalifen aus 1001 Nacht, verändert sein Leben. Das Frankenreich war damals keine sehr einladende Weltgegend: Ein paar halb zugewachsene Römerstraßen, ansonsten kaum mehr als Karrenspuren, welche die wenigen Dörfer in den Wäldern verbanden. Den Gesandten des Kalifen muss die Kaiserpfalz von Aachen wie eine bessere Bauernkate erschienen sein. Für sie waren unsere Vorfahren vermutlich Barbaren: riesengroße Kerle, in Tierfelle und einfache Leinentuniken mit Goldborte gekleidet. Blondes Haar und furchteinflößend helle blaue Augen - Wilde eben. Aber genau dieses Barbarische an Wolfram macht seine Faszination für Arib aus. Deshalb wird sie für diesen einen Mann alles aufs Spiel setzen.


In der Bagdader Schickeria
Gegen das Frankenreich war der Orient eine High-Tech-Zivilisation, mit gepflegten Straßen, mit öffentlichen Bädern und Bibliotheken, mit technischen Apparaten und natürlich mit prunkvollen Palästen aus Stein. Es gab Dresscodes, angesagte Parfüms - und angesagte Sängerinnen. Die Schickeria lebte in Palästen mit Glasmosaiken und goldbeschlagenen Möbeln, hüllte sich in Seide, duftete nach Rosenessenzen und Ambra. Lustknaben und Sklavinnen wurden für unvorstellbare Preise eingekauft, und den Wein mischte man mit Substanzen, gegen die Ecstasy harmlos ist!
Arib war die Königin dieser Bagdader Schickeria. Sie bestimmte die Mode, das Essen, die Musik. So berühmt wie heute Madonna war sie der Inbegriff der verruchten Sängerin: Verführerisch, klug, sinnlich - und ohne Respekt vor den Männern, die sie um den Verstand brachte. Ihre Lieder, ihre Gunst und mitunter ihre bloße Anwesenheit ließ sie sich mit Geschenken belohnen, die ihre Gönner ruinierten. Ihre Kochkunst war fast so berühmt wie ihre Fertigkeiten auf der Bühne und im Bett. Arib brach alle Tabus. Sie starb hochgeehrt im Alter von rund 90 Jahren und konnte sich rühmen, mit acht Kalifen geschlafen zu haben!


Liebesbisse zum Nachkochen
Die Sängerinnen durften, was anderen Frauen verboten war: Trinken, Spielen, in Gesellschaft von Männern auftreten, freizügige Kleider tragen ... Da ging es zu wie in „Sex and the City", und manchmal war es schwer zu sagen, was deftiger war: Aribs Lieder oder ihre erotischen Kochrezepte! Für alle, die das herausfinden wollen, gibt es die Rezepte aus dem Buch im Anhang noch einmal zum Nachkochen: vom der phallisch-klebrigsüßen Verführung des „Liebesbisses", bis hin zu „Kalifenbissen" (dem High-Society-Döner der Bagdader Schickeria). Alles original aus den arabischen Kochbüchern des Mittelalters. Das subtile Spiel mit dem erotischen Symbolgehalt der Zutaten fand ich besonders pikant. Und ich begriff, warum man die Ausbildung der Sängerinnen ein einziges Liebesspiel nannte! Ob es wirkt? Ausprobieren! Für alle Fälle gibt es noch den Knigge der Bagdader Schickeria dazu - denn nach der Lektüre sieht man so manch harmloses Obst plötzlich mit ganz anderen Augen!


Zu Besuch in einer verborgenen Welt
Das Eintauchen in Aribs Welt gehört zu den schönsten Reisen meines Lebens. Besonders stark spürte ich ihre Sinnlichkeit, als ich zur Recherche nach Syrien fuhr. Ich genieße es, dass ich in der arabischen Welt auch an Orte gelangen kann, die Männern immer nur aus zweiter Hand zugänglich sind:
In Damaskus hatte ich einen wunderschönen Nachmittag im Hammam. Ein uraltes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, schwarzweiß gemusterte Pfeiler, jahrhundertealtes Mauerwerk. Und mitten darin die Frauen, von denen keiner spricht. An den Wandhaken hängen ihre schwarzen Schleier. Daneben: knallenge Jeans und Stiefel mit Zehn-Zentimeter-Absätzen, am besten zum Schnüren! In Unterwäsche und Minihemdchen sitzt man beim Kaffee. Sofort schob mir jemand die kupferne Schnabelkanne herüber, und ich fühlte mich wie zu Hause. Übrigens: Die Behandlung dort war nicht annähernd so rabiat wie ich es im Roman beschrieben habe!
Für mich ist es wichtig, die Welt, über die ich schreibe, mit allen Sinnen selbst zu erleben. Bei einer Wasserpfeife kann ich stundenlang den Verkehr auf den Straßen beobachten, zum Beispiel in meinem Lieblingscafé gleich hinter der Omajjadenmoschee.


Jägerin verlorener Schätze
Die arabischen Chroniken über Arib habe ich im Original gelesen. Ich kam mir dabei vor wie eine Jägerin verlorener Schätze. Es war ein Abenteuer, und nicht nur, weil ich nicht wusste, was ich finden würde. Manchmal war es mir fast unheimlich, wie vertraut Arib mir war. Oft habe ich mir etwas über sie ausgedacht, was ich dann später in den Chroniken bestätigt fand: Ich wollte zum Beispiel, dass sie eine wilde Vergangenheit hat, reitet wie ein Junge - und fand dann heraus, dass sie das tatsächlich konnte! Eine ganz andere Herausforderung lag in den Charakteren: Viele Romanfiguren wie Harun ar-Raschid sind uns ja aus der Märchensammlung von 1001 Nacht bekannt. Nun musste ich aus Märchenfiguren Menschen machen. Dabei lernte ich sie plötzlich von einer völlig neuen Seite kennen. Der historische Harun war ganz anders als der aus 1001 Nacht: grausam, verschwenderisch und paranoid.
Trotzdem fühlte ich mich sofort in dieser grausamen, schönen Welt daheim. „Die Königin der Seidenstraße" schrieb sich wie von selbst. Ihre Geschichte? Das ist sie:


Die Königin der Seidenstraße
Mit ihrem Gesang bringt sie Kalifen und Heilige um den Verstand. Ihre Lieder peitschen die Sinne auf, ihre Respektlosigkeit steigert das Verlangen ihrer Zuhörer ins Unerträgliche - eine ebenso verführerische wie gefährliche Gabe. In einer Welt, in der Ruhm den Männern vorbehalten ist, wird sie zur Göttin von Bagdad: Arib, die berühmteste Kurtisane am Hofe Harun ar-Raschids.
Doch die Frau mit der Stimme eines Engels und dem Mundwerk einer Hure hat eine abenteuerliche Vergangenheit, von der keiner ihrer Liebhaber etwas ahnt: Vor Jahren entkam sie allein dem blutigen Massaker, bei dem ihre ganze Familie ausgelöscht wurde. Arib floh vor den Häschern des Kalifen durch die Salzsteppen Khorasans über die uralten Wege der Seidenstraße: Wege voller Staub unter unbarmherziger Sonne, umgeben von Huren und Händlern, von Seide, Tee und Gewürzduft. Als Junge verkleidet reiste sie mit Karawanen, traf auf Pilger und Nomadenstämme. Bis sie sich in einen faszinierenden Fremden aus dem fernen Frankenreich verliebte und damit alles aufs Spiel setzte.
Jahre später, auf dem Höhepunkt ihrer Macht, holt diese Vergangenheit sie ein. Und plötzlich muss sich Arib entscheiden: zwischen der leidenschaftlich ersehnten Rache am Mörder ihrer Familie - und der großen, einzigen Liebe ihres Lebens.


Eine Begegnung mit Folgen
Die Begegnung mit Arib hatte übrigens Folgen. Wie sie liebe auch ich es, meine Leserinnen und Leser mit Musik und raffinierter Küche zu verwöhnen. Da die aphrodisierende Wirkung der Gerichte aber nicht absehbar ist, lese ich vorsichtshalber immer VOR der Eröffnung des Buffets ...

 


Veröffentlichung:

Die Königin der Seidenstrasse
Verlag: Piper
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492051170
ISBN-13: 978-3492051170
444 Seiten
19,90 Euro



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Klappentext:

Mit ihrem Gesang bringt sie Kalifen und Heilige um den Verstand. In einer Welt, in der Ruhm den Männern vorbehalten ist, wird sie zur Göttin des Bagdader Hofs - Arib, vor mehr als tausend Jahren die berühmteste Kurtisane des Orients. Doch bevor die verführende Sängerin auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt, liegt eine gefahrvolle Flucht vor ihr, über die uralten Wege der Seidenstraße bisin den prunkvollen Palast Hrun ar-Raschids. In Bagdad muss Arib sich entscheiden: zwischen dem leidenschaftlichen Wusch, endlich Rache an dem Mörder ihrer Familie zu nehmen - und der großen einzigen Liebe ihres Lebens.

 

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