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"Das Spektrum des Grashalms"



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"Philipp Hager, 1982 in Scheibbs, Niederösterreich, geboren. 2000 Abschluss eines Oberstufengymnasiums und Studium der Geschichte und Völkerkunde in Wien. Abbruch nach dem ersten Semester. Anschließend etliche Gelegenheitsjobs, Herausgabe eines Musikmagazins, langjährig als Reporter und Kolumnist für ein führendes deutsches Kampfsportmagazin tätig. Derzeit als Schriftsteller in Wien lebend."

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"Das Spektrum des Grashalms"

VON PHILIPP HAGER

Ich schrieb, schrieb und schrieb. Ich war arbeitslos und abgemagert, hatte keine Krankenversicherung und trank mehr, als gut für mich war, aber ich schrieb drei Stunden, ausnahmslos jeden Tag. Das war die Konstante in meinem Leben, die Achse, um die es kreiselte. Nach zwei Jahren und Dutzenden Kurzgeschichten und Gedichten glaubte ich meine Waffen ausreichend geschärft, um einen Roman in Angriff zu nehmen.
In jener Zeit war ich geradezu besessen von Henry Miller und seinem „Wendekreis des Krebses". Diese ungezügelte Kraft, diese Vulkanausbrüche, Kernschmelzen, diese unerreichte Unmittelbarkeit. Ich las ihn wieder und wieder und versuchte zu begreifen, wie er es gemacht hatte. Wie hatte er so ein Buch schreiben können?
Unter meinen forschenden Blicken entschlüsselten sich bald Teile des Werkes, und ich begriff unter anderem, dass diese farbenprächtige Lebensnähe nur erreicht werden kann, wenn man autobiographisch schreibt. Fiktion ist Lüge. Insofern, als man nie sicher sein kann, dass die Affekte und Reaktionen der Charaktere tatsächlich genau so und nicht anders sind.

Ich war sechzehn, als ich im Beifahrersitz eines Wagens steckte und mich verkrampft festhielt. Wir fuhren 120km/h, eine kurvige Bergstraße hinab, die diese Geschwindigkeit keinem Wagen erlaubte. In einer scharfen Rechtskurve brach die Kiste schließlich aus, und wir drehten uns ein, vier- oder fünfmal, und obwohl links eine Felswand und rechts ein Bachbett war, kamen wir unbeschädigt mitten auf der Straße zu Stehen. Ein verdammtes Glück. Und jetzt kommt's: Ich begann lauthals und hysterisch zu lachen. Ich klopfte dem Fahrer, der kreidebleich dasaß, auf die Schulter, hämmerte mir mit der flachen Hand auf den Oberschenkel und lachte mich kaputt.
Wenn ich die Geschichte erfunden hätte, hätte ich den Charakter in diesem Unfall schweigen lassen, oder weinen, oder erstarren, oder ich hätte die Legende wiederholt, dass sein ganzes Leben noch einmal vor seinen Augen abläuft - aber ich wäre nie, niemals auf die Idee gekommen, dass er sich kaputt lacht. Das meine ich damit, wenn ich sage, Fiktion ist Lüge.

Gut - also würde ich autobiographisch und wahrheitsgetreu schreiben. Ich glaubte genug Stoff angesammelt zu haben. Dann aber beging ich eine Fehleinschätzung, die sich maßgeblich auf die Form meines Romans auswirken sollte - Ich nahm an, Henry Miller hätte die Unmittelbarkeit erreicht, indem er einfach den Hahn aufschraubte und lossprudelte. Ohne Bedenken, ohne Abwägung, ohne sich kritisch Einhalt zu gebieten. Wenn man rückhaltlos ehrlich war, so glaubte ich damals, würde alles, was man zu sagen hatte, schließlich zusammenpassen, auch, wenn man es ungeordnet und chaotisch vorbrachte. Das war insofern eine Fehleinschätzung, als der „Wendekreis des Krebses" in seiner ursprünglichen Fassung dreimal so lang war, und erst im Laufe jahrelangen hartnäckigen Überarbeitens und Schleifens seine endgültige Form erlangt hatte.
Aber das wusste ich nicht, als ich mich eines Tages schließlich vor den Laptop setzte. Ich hatte keine Inhaltsangabe, keine Skizze, keine großartigen Pläne. Nur mein Leben, und die Theorie, dass sich alles in Form fügen würde, wenn ich mich bloß gehen ließ.
Ich drehte den Hahn auf. Und das Erstaunliche war, dass es funktionierte. Innerhalb von drei Monaten hatte ich 88.000 Worte geschrieben (etwa 320 Romanseiten), und trotz aller Spontaneität und Planlosigkeit lag eine geschlossene Handlung vor mir - Eine Geschichte voll Sehnsucht, Ekstase, Wirklichkeit, Ausgelassenheit, Poesie; eine Geschichte voll Leben.




Veröffentlichung:




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Spektrum des Grashalms

Verlag: Arovell
ISBN-10: 3902547561
ISBN-13: 978-3902547569
176 Seiten
12,90 Euro





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Klappentext:

"So wurde es mir nach einiger Zeit zur zwanghaften Angewohnheit, in sie zu dringen, sobald ich nach Hause kam. Auch wenn ich versuchte, mich dagegen zu wehren, mir vornahm, es diesmal nicht zu tun, das zügellose Eigenleben meiner Psyche, das durch Vernunft nicht mehr zu bändigen war, ließ mir keine Wahl. Versuchte ich, diese Impulse zu unterdrücken, steigerten sie ihre Intensität, bis ich machtlos gegen sie war, bis sie die Bastionen meines Widerstands überfluteten und hinfortrissen."


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