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Der Streit um die deutsche Nachkriegsdemokratie






Der Streit um die deutsche Nachkriegsdemokratie
Daniel Bigalke
Verlag: VDM Verlag Dr. Müller; Auflage: 1 (9. Oktober 2007)
ISBN-10: 3836431262
ISBN-13: 978-3836431262
168 Seiten
59,00 Euro



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Die deutsche Nachkriegsdemokratie war ein Erfolgsmodell. In den letzten Jahren und insbesondere im Hinblick auf die gesamtdeutsche Situation seit 1990 haben sich die Funktionalität derselben sowie das Integrationspotential der Parteien merklich verschlechtert. Der Diplom-Politologe Daniel Bigalke betrachtet die Demokratie deshalb als dynamischen Gestaltungsauftrag. In nahezu 300 Schriften, Quellen und Manuskripten studierte er die Entwicklung der deutschen Demokratietheorie sowie die politologischen Denkmuster ihrer Initiatoren vor und nach dem Schicksalsjahr 1945. Über die gewonnen Erkenntnisse entwickelt er für die Deutschen ein neues historisch begründetes politisches Profil. Grundlagen der Untersuchung sind dabei die älteren Traditionsbestände der deutschen Geistesgeschichte, die erstmalig zum Gegenstand einer ideologisch unvoreingenommenen Erörterung gemacht werden. Zu Wort kommen Kritiker und Befürworter der bundesdeutschen Demokratie, Vertreter und Verneiner des traditionellen deutschen Staatsdenkens. Das Buch richtet sich an Wissenschaftler und an politisch Interessierte jeglicher Coleur, die über den bisher üblichen Horizont politischen Denkens hinausblicken.

Rezension von Johannes Heinrichs

Daniel Bigalke steht für eine junge Generation von Politologen, die sich von den Denkhemmungen einer importierten Nachkriegsdemokratie befreien und das Demokratieträchtige in der eigenen deutschen Denktradition suchen. Allgemein wird nicht zugegeben, dass Demokratie noch ein sehr junges Produkt der westlichen Geistesgeschichte ist und dass wir die Pflicht zur denkenden Weiterentwicklung haben, sollen wir diese Errungenschaft nicht in geistlosem Triumphalismus verkommen lassen. Für Deutschland stellt sich die Frage, ob Demokratie ein fremder Import bleiben muss, mit einem Grundgesetz, das noch immer keine frei vom Volk akzeptierte Verfassung ist, allerdings einmal werden kann (Art. 146 GG). Der deutsche Sonderweg war sicher nicht überall zukunftsträchtig und fortschrittlich - das so Etikettierte stellte teilweise gerade eine Verfälschung der tieferen denkerischen Impulse in Richtung Selbstregierung des Volkes dar, die seit 1848 von den Herrschenden unterdrückt wurden. Daniel Bigalke erinnert mit Recht besonders an Fichte und Hölderlin. Doch auch Hegels Staatstheorie gilt ihm im Kern keineswegs als reaktionär, wie sein Schüler, der radikale Demokrat Marx, gut wusste. Hegel und der ganze deutsche Idealismus leben -ihrem zukunftsträchtigen Kern nach - in gegenwärtiger "Reflexions-Systemtheorie der Gesellschaft" fort. Es ist das Verdienst von Bigalkes Buch, innerhalb der politologischen Diskussion an bereitliegende, neue demokratietheoretische Modelle zu erinnern, die gerade unverwechselbar aus der deutschen Denktradition hervorgegangen sind. Die Erinnerung an "zweihundert Jahre deusches Staatsdenken" schließt also nicht allein die Erinnerung an manche leider vergessenen demokratietheoretischen Strömungen der Weimarer Republik ein, sondern vor allem an eine heute wieder vitale, "typisch deutsche" und darin gerade universal bedeutsame, reflexionstheoretische Traditionslinie. Sie ist insofern "Erinnerung an die Zukunft": Ringen um die Zukunft einer Demokratie, welche die praktische Selbstreflexion (und daher Selbstregierung) des Volkes meint. Die manchmal nostalgischen Anklänge in Bigalkes Buch zielen also auf solche Revolution "von Grund aus": aus den gedanklichen Grundlagen. Ganz außergewöhnlich in der gegenwärtigen politologischen Landschaft! Die vielversprechende, kenntnisreiche Leistung einer angehenden publizistischen Begabung, die sich auch sonst schon bemerkbar macht.


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