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Der Wilde Osten - Die Entwicklung des südrussischen Kosakentums bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts

 

 

 

 

 

 

Katerina Timm, Jahrgang 1952, studierte in Marburg Psychologie. Seit dreißig Jahren ist sie als Psychotherapeutin tätig. Sie lebt mit ihrem Mann im Südwesten Deutschlands.
„Die Kosakenbraut“ ist ihr erster Roman. Weitere historische Romane sind in Vorbereitung.

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Der wilde Osten



- Die Entwicklung des südrussischen Kosakentums bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts -

VON KATARINA TIMM

Als ich nach einem Handlungsumfeld für meinen ersten historischen Roman suchte, kamen mir recht bald die Kosaken in den Sinn.


Zunächst gab es im heutigen Südrussland nur Trapper und Fallensteller, die sich entlang der Flussläufe bewegten und im Sommer in Erdlöchern und Höhlen hausten. Ende des 15. Jahrhunderts wurden diese Männer erstmals als Kosaken bezeichnet. (Das Wort stammt aus dem Tatarischen und bedeutet Wachtposten.) Erst allmählich wurden Gemeinschaftshütten errichtet, schließlich befestigte Stellungen (Gorodki, Singular: Gorodok), von tiefen Gräben und einem doppelten, mit Erde gefüllten Palisadenzaun umgeben.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verloren die russischen Bauern das Recht, ihre Dörfer zu verlassen. Der Pachtzins stieg, die Steuern wurden erbarmungslos eingetrieben. Immer mehr Bauernsöhne flüchteten in die Wildnis, bis schließlich drei Viertel des Ackerlandes verwilderten. Das freie Kosakentum wurde zu einer Massenbewegung, mehrere unabhängige Gemeinden entstanden.

Da die tatarischen Nomadenstämme im Gegensatz zu den Kosaken die offene Steppe bevorzugten, kam es zunächst kaum zu Zusammenstößen. Für sie bildeten ihre Viehherden die einzige Existenzgrundlage. Im Winter bedeckte jedoch hoher Schnee das Gras, im Sommer wurde es häufig durch Steppenbrände vernichtet. Immer wieder verhungerten ganze Herden. Oft sahen die Tataren ihre einzige Überlebensmöglichkeit darin, kosakische Siedlungen anzugreifen oder sogar bis in den Einflussbereich Moskaus vorzudringen.

Durch solche Überfälle bedrohte Siedlungen wurden mitunter mehrfach verlegt. Der Anbau von Getreide war unter diesen Bedingungen unmöglich. Es gab aber auch noch andere Gründe, warum der Ackerbau bei den Kosaken verpönt war, später sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten. Zum einen bildete er eine unwillkommene Erinnerung an die Fesseln der Leibeigenschaft, der die bäuerlichen Vorfahren entronnen waren. Solange die Gegend als unsicher und bedroht galt, besaßen die Kosaken als Hüter der Grenze zudem Privilegien, die darin bestanden, ohne Beschränkungen jagen und fischen, Salz sieden und Erze schmelzen zu können, ohne Steuern zahlen zu müssen. Nicht zu Unrecht fürchtete man, der zaristischen Zentralgewalt untergeordnet zu werden, sobald der Süden befriedet war.

So lebten die Kosaken von der Jagd, vom Fischfang - und vom Raub. In den Grenzstädten tauschten sie Fisch, Honig, Wachs, Felle und Wildpferde gegen alles, was sie zum Leben benötigten.

Lange träumten die Kosaken von einem eigenen, von Moskau unabhängigen Reich. Ihre Eigenständigkeit wurde dadurch betont, dass die Beziehungen des Zarenreiches zu den Kosakenstämmen vom Moskauer Außenministerium wahrgenommen wurden. Doch sie waren vom Wohlwollen des Moskowiter Reiches abhängig, immer wieder mussten sie Getreide, Blei und Pulver erbitten.

inerseits begrüßten es die russischen Zaren, dass die Kosaken die Südgrenze Russlands gegen tatarische und osmanische Angriffe verteidigten. Führten ihre Raubzüge jedoch zu politischen Spannungen in den Beziehungen zu dem mächtigen osmanischen Reich, wurden sie häufig zu Gesetzlosen erklärt, gegen die Todesurteile verhängt werden konnten. (Dies spiegelt sich auch in dem Kosakenlied wider, das im Roman erwähnt wird.)

Wie es häufig vorkommt bei Gruppen, die ein unbesiedeltes Gebiet erobern, wurde auch bei den Kosaken mit neuen Lebens- und Gesellschaftsformen experimentiert. Zu Beginn jeder Jagdsaison versammelte man sich im Kreis, um denjenigen zum Ataman (= Anführer, auch dies ein tatarischer Begriff) zu wählen, dessen Erfahrung und Furchtlosigkeit die meiste Beute versprach. Es gab mönchische Gemeinschaften wie die Saporoger Kosaken. Die meisten Kosaken jedoch raubten Frauen von den umliegenden Stämmen und hielten sie als Sklavinnen. Erst als mehr Sicherheit in den Siedlungsgebieten herrschte, brachten Neuankömmlinge ihre Frauen mit. Von ihnen wurde erwartet, dass sie ebenso wie die Männer imstande waren, ihren Gorodok mit der Waffe gegen Angriffe zu verteidigen. Auch bei der Eroberung und Verteidigung der Festung Asow, die in meinem Roman beschrieben wird, waren Kosakenfrauen beteiligt.

Mich hat es gereizt, mir vorzustellen, was hätte geschehen können, wenn eine Gruppe von Kosaken schon zu Beginn der Besiedlung russische Frauen mit sich gebracht, und wenn ein charismatischer Führer beschlossen hätte, die demokratische Institution des Kreises abzuschaffen und stattdessen ein kleines Fürstenreich zu etablieren.

So entstanden „meine“ Jarostnye, unter ihrem Ataman Rurik Semjonowitsch Lankow.



Veröffentlichung:

Die Kosakenbraut
Katerina Timm
Verlag: Marion von Schröder
ISBN-10: 3547711363
ISBN-13: 978-3547711363
432 Seiten
16,90 Euro



Klappentext:

In der Welt der Jarostnye sind Frauen mächtig: Die Kosakinnen kämpfen an der Seite der Männer, ihre Stimme zählt. Die junge Elja ist die Tochter des Atamans, der über das Volk herrscht. Er hat sie zu seiner Nachfolgerin ausersehen. Doch Elja leidet unter seiner Grausamkeit, bricht mit ihm und flieht an die Schwarzmeerküste. Dort findet sie Frieden, bis die Nachricht, ihr Vater liege im Sterben, sie zurück in die Heimat führt. Der junge Kosak Andrej begleitet sie, und auf der langen Reise durch die Steppe kommen die beiden sich näher. Gleichzeitig beginnt Elja zu begreifen, dass sie über eine ungeahnte Macht verfügt: Wie ihre tote Mutter besitzt sie die Gabe, Träume zu lesen und zu beeinflussen. Als sie den Verrat ihres Geliebten entdeckt und es zum Machtkampf mit ihrem Vater kommt, findet Elja zu einem anderen, wirklich unabhängigen Leben. Mit großem historischem Wissen und einer packenden Liebesgeschichte erweckt Katerina Timm das Kosakenreich des 17. Jahrhunderts zu farbenprächtigem Leben.


Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Verlages Marion von Schröder
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