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Die Faszination Hildegard von Bingen oder wie aus einer Biografie ein Nonnenkrimi entstand




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Heike Koschyk wurde 1967 in New York geboren. Bevor sie sich ganz ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin widmete, leitete sie erfolgreich eine Textilagentur und arbeitete als Heilpraktikerin in ihrer eigenen Praxis.

2008 wurde Heike Koschyk mit dem Agatha-Christie-Krimipreis ausgezeichnet. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Mehr Informationen zur Autorin unter www.heike-koschyk.de

Website zum Buch: www.pergamentum-das-buch.de


Die Faszination Hildegard von Bingen oder wie aus einer Biografie ein Nonnenkrimi entstand


VON HEIKE KOSCHYK

Kürzlich las ich auf dieser Website die Überlegung einer Kollegin, ob Bücher sich manchmal ihre Schriftsteller aussuchen.

Ja, ich bin der Meinung, das tun sie, denn anders kann ich mir den Sog nicht erklären, der sich während der Arbeit an einem Thema entwickelte, das ich zuvor eher nüchtern am Rande beobachtet hatte: Hildegard von Bingen.

Als mein Agent mich fragte, ob ich eine Biografie über Hildegards Leben schreiben wolle, die sich im Spannungsbogen von den auf den Markt befindlichen abheben sollte, dachte ich zunächst, dieses Thema sei bereits von allen Seiten beleuchtet worden: historisch, theologisch, heilkundlich, selbst musikalisch. Dennoch sagte ich spontan zu. Eine seltsame Unruhe ergriff mich, ich empfand den Auftrag als eine Ehre, eine besondere Aufgabe. Und so stürzte ich mich in die Arbeit.

Die Recherchen waren umfangreich, nahezu wöchentlich war ich Gast in der Universitätsbibliothek und nahm stapelweise Schriften mit nach Hause. Sooft es mir möglich war, saß ich vor dem Laptop, auch im Urlaub.

Im Laufe der Arbeit entwickelte ich eine große Bewunderung für diese Nonne, die ich bislang nur in Form ihres Heilwissens wahrgenommen hatte, wie wohl auch die meisten der Leser. Doch wie viel mehr steckte hinter dieser charismatischen Persönlichkeit!

In einer Zeit, in der Frauen zur stillen Innenschau verdammt waren, empfing sie himmlische Visionen und begann, den Menschen den barmherzigen Gott nahe zu bringen, nicht den strafenden, wütenden, zerstörenden.

Hildegard, widerständige Person, Heilige, ohne je heilig gesprochen worden zu sein. Die gegen den satten Klerus predigte, sich mahnend in politische Ränke einmischte und zu mehr Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper und der Umwelt aufforderte.

Diese Frau zeigte Facetten, die mich berührten, obwohl unsere Leben unterschiedlicher nicht sein konnten. Und doch fühlte ich mich in ihrem Gedankengut zuhause. Ich erkannte, dass es jene Denkweise war, die mich meine Mutter, eine begeisterte Anhängerin der Hildegardmedizin, schon früh gelehrt hatte.

Irgendwann war die Biografie geschrieben, überarbeitet und abgegeben. Das Thema hätte hier beendet sein können, doch es gab noch etwas, das mich faszinierte: In der Historie gab es Lücken, die von der Wissenschaft naturgemäß recht trocken abgehandelt wurden.

So wird noch heute die Lingua Ignota, die geheime Sprache, als Wortspiel abgetan. Obwohl existierende Schriften auf eine Weiterentwicklung hinweisen. Was war der Sinn hinter dieser Sprache? Warum schrieb eine offensichtlich kluge und weltgewandte Frau ein Glossar, dem selbst ihr engster Sekretär stärkste Bedeutung zumaß? Warum wurde der Versuch einer himmlischen Sprache ebenso unter den Tisch gekehrt, wie die hohe Intelligenz ihrer Begründerin?

Hier weiter zu denken gehört für Historiker ins Reich der Spekulationen. Einer Krimiautorin jedoch liefert es reichlichen Stoff, nachzuhaken. Hinter die Kulissen zu gucken, Anmerkungen zwischen den Zeilen alter Schriften wahrzunehmen.

Die Geschichte zu PERGAMENTUM war schnell entwickelt, das Exposé schrieb sich wie von selbst.

Die Sprache sollte mittelalterlich sein, den Leser in jene dichte und faszinierende Welt hüllen, die eine ganz eigene Sprachmelodie hervorbrachte. Und dennoch lesbar, nicht zu überfrachtet. Mit diesen Gedanken machte ich mich ans Werk.

Von einem eigentümlichen Motor getrieben schrieb ich die ersten fünfzig Seiten und schickte sie an meinen Agenten. Seine euphorische Reaktion war prompt, ebenso die der von ihm angeschriebenen Verlage, die ausnahmslos sofortiges Interesse bekundeten. Einer von ihnen bot mir die größte Chance und Herausforderung, die man als Schriftsteller bekommen kann: Hardcover!

Bestärkt schrieb ich weiter, ließ mich von dem Thema treiben; füllte all die Lücken, die mich während des Schreibens der Biografie beschäftigt hatten. Bis auf eine, die ich mir für einen späteren Zeitpunkt aufheben möchte.

Immer wieder suchte ich die Universitätsbibliothek auf, denn das Buch sollte historisch korrekt sein und eine Verschwörungstheorie aufstellen, die nicht so einfach von der Hand zu weisen ist.

Nun ist das Mauskript abgegeben, Buchtrailer und Website fertig gestellt. Ich lehne mich zurück und warte ab, was kommt. Was werden die Leser sagen, was die Kritiker? Ab dem 27. August werde ich es erfahren, denn dann ist das Buch im Handel erhältlich.


Veröffentlichung:

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Das Pergamentum
Verlag: Rütten & Loening
ISBN-10: 3352007721
ISBN-13: 978-3352007729
420 Seiten
19,95 Euro

Trailer zum Buch

Das Buch bestellen bei:
amazon.de
weltbild.de


Klappentext

An einem stürmischen Abend im Jahr 1188 klopft ein Mönch an die Pforte des Nonnenkloster Eibingen. Seine Haare sind schneeweiß, Augenbrauen und Wimpern fehlen, das Gesicht ist fratzenhaft verzerrt.

Die Nonnen glauben, der Antichrist sei gekommen. Doch es ist Bruder Adalbert vom Kloster Zwiefalten, früher gern gesehener Gast bei der seligen Hildegard von Bingen. Am nächsten Morgen liegt der Mönch tot im Skriptorium, in der Hand ein rätselhaftes Pergament. Kurz darauf stirbt eine Nonne und ein Brand entfacht das Dach der Klosterkirche.

Im Auftrag der erzbischöflichen Kanzlei soll die Adelige Elysa die mysteriösen Vorfälle als zukünftige Novizin aufklären. Einziger Hinweis ist das Pergament, auf dem Worte in der Geheimsprache Hildegards verborgen sind. Bald ahnt Elysa, dass es nicht nur um einen Kampf zwischen Gut und Böse geht, sondern um das Überleben der gesamten christlichen Welt. Doch es bleiben ihr nur vier Tage, die Botschaft der Prophetin zu entschlüsseln und den teuflischen Feind zu enttarnen ...

Leseprobe

Prolog

Oktober im Jahr des Herrn 1188

Und plötzlich wurden alle Elemente und Geschöpfe von einem schrecklichen Beben erschüttert. Feuer, Luft und Wasser brachen hervor und brachten die Erde in Aufruhr.

Es war kurz vor Beginn der Komplets, als Otilie von Hagenau ein zaghaftes Klopfen an der Klosterpforte vernahm. Zunächst dachte sie, es sei der heftige Wind gewesen, der das Geräusch umherwirbelnder Gegenstände an ihr Ohr trug, aber als das Pochen erneut erklang, erhob sie sich von ihrem Platz im Torhaus, nahm die Fackel vom Halter und schob den Riegel beiseite.

Später dachte sie, es wäre besser gewesen, das Klopfen zu überhören, vielleicht wäre dann auch das Böse vor den Toren geblieben. In diesem Augenblick aber, da sie noch nicht wusste, was sie in der Dämmerung der anbrechenden Nacht erwartete, machte sie sich daran, die schwere Pforte zu öffnen.

Ein alter Mann stand vor ihr, regungslos. Seine Kleidung entsprach der eines Benediktinermönches, abgerissen zwar, aber, soweit im Licht der Fackel zu erkennen, nicht besudelt, obgleich ihm ein eigentümlicher Geruch anhing. Unter der weit ins Gesicht gezogenen wollenen Kukulle blitzte schlohweißes Haar hervor und wehte im immer stärker werdenden Wind.

„Was kann ich für Euch tun, ehrwürdiger Bruder?", fragte Otilie, doch sie erhielt keine Antwort.

Warum verbirgt er sein Gesicht? dachte sie und starrte in die Schwärze der Kapuze. Besaß er die Male der Aussätzigen? Einer plötzlichen Eingebung nach hätte sie die Pforte lieber wieder geschlossen. Aber es entsprach nicht der erforderlichen Gastfreundschaft. Fremde sollten aufgenommen werden wie Christus, und man erwies ihnen die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben.

Ich muss ihn melden, beschloss Otilie, die Priorin selbst wird sich des Mönches annehmen und dann über seinen Verbleib entscheiden.

„Wie heißt Ihr?"

Der Mönch gab kehlige Laute von sich, kurz und fremd. Otilie glaubte, die Worte Korzinthio zu verstehen und Diuveliz. Dann verstummte der Alte.

Pilger aus dem Norden sprachen ähnlich, ja, eines der Worte klang wie Düwel - Teufel.

Otilie hielt die Fackel in die Dunkelheit, um das Gesicht des Mannes zu erkennen, und noch im selben Moment schien es ihr, als fahre der Schreck wie Eisenstangen durch ihre Glieder, und sie erstarrte.

Unter der Kukulle erblickte sie eine Fratze, eine Kreatur des Teufels. Der Ausdruck war schmerzhaft verzerrt, die blasse, durchscheinende Haut straff über spitze Wangenknochen gespannt. Die Augen des Mönches lagen tief in ihren Höhlen, nackt, ohne Wimpern und Brauen. Sie waren blassblau, ja, fast milchig, und flatterten unruhig, unfähig, einen festen Punkt zu fixieren.

„Jesu Domine noster!" Hastig zeichnete Otilie mit der rechten Hand das Kreuz. Und während sie noch nachsann, was zu tun war, schob sich der Alte mit einer überraschenden Schnelligkeit an ihr vorbei in den Klosterhof und hielt dann inne, als müsse er sich orientieren.

„Wartet! Ihr dürft nicht ohne Zustimmung passieren", rief sie aus und hielt ihn am Arm. Der Arm war dürr, wie der Zweig eines morschen Baumes. Otilie zuckte zurück, aus Angst, er könne zerbrechen.

Der Mönch ignorierte ihre Aufforderung. Er starrte zur Klosterkirche und beobachtete die Nonnen, die von allen Seiten herbeiströmten, um in der Kirche das Komplet zu beginnen. Plötzlich kam Bewegung in ihn. Mit schnellem, gleichwohl stolperndem Gang bewegte er sich in Richtung des Westportals.

„Halt, wartet Bruder!"

Einige der Nonnen erstarrten, verfolgten den Mönch mit ängstlichen Blicken, als er auf das Kirchenportal zustürzte. Der Wind zerrte an seiner Kapuze, blähte sie unwillkürlich auf, die weißen Haare umflatterten den Saum. Dann, als er fast das Portal der Abteikirche erreicht hatte, rutschte die Kapuze ihm vom Kopf. Die Nonnen in seiner Nähe schrien bei seinem Anblick auf, eine von ihnen sank zu Boden.

„Der Teufel!", rief die Nonne und bekreuzigte ihre Brust. „Der Antichrist ist gekommen, um uns alle zu holen."

„Das ist nicht der Antichrist, du dummes Ding, das ist Adalbert vom Kloster Zwiefalten!", erwiderte Schwester Margarete, eine der älteren Nonnen. Sie sah dem Alten in das entstellte Gesicht. „Ja, das ist Adalbert", murmelte sie. „Bei Gott, was ist ihm zugestoßen!"

Behutsam nahm sie den Mönch am Arm. Er folgte ihr ohne jeden Widerstand. Margarete führte ihn nicht in den Gästetrakt, sondern am Kreuzgang vorbei in die Krankenstube, die direkt unter dem Dormitorium lag.

 





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