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Die Liebesprüfung




Die Liebesprüfung
Horst Bosetzky
Verlag: Dtv
ISBN-10: 3423245123
ISBN-13: 978-3423245128
294 Seiten
14,50 Euro



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Rezension von Romy Bigalke

Wer Bücher von Horst Bosetzky kennt und dieses Buch sieht, ohne den Klappentext zu lesen, fragt sich vermutlich, seit wann Bosetzky Liebesromane schreibt. Doch stellt der Leser fest, dass es sich hier nicht ‚nur‘ um einen Liebesroman handelt, sondern um die S-Bahn-Linie 1, die zwischen Oranienburg und Berlin-Wannsee pendelt und damit den Norden und den Süden Berlins verbindet.

Johannes Raschauer und Hannah Finkbeiner mit ihren Kindern Raffael und Raffaela sind die Protagonisten des vorliegenden Romans. Johannes ist studierter Betriebswirt, konservativ, rational und ordentlich. Er stammt aus einer gutbürgerlichen Familie und startete seine Karriere, bis er durch Schwierigkeiten der Firma arbeitslos und zum vollbeschäftigten aber nicht unbedingt zufriedenen Hausmann wurde. Hannah Finkbeiner ist eher chaotisch sowie emotional und stammt aus einer Arbeiterfamilie. Sie studierte Diplom-Sozialpädagogik, macht als Senatorin Karriere und ist Mitglied der Partei der Grünen. Zwei Menschen, wie sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Diese Differenzen spiegeln sich im Alltagsgeschehen, der Erziehung und auch der Lebensplanung wieder. Nach 13 Jahren wilder Ehe und Familienleben scheinen sich die beiden Hauptdarsteller des Buches auseinandergelebt zu haben. Die Frage, ob eine Trennung für alle Beteiligten besser wäre, stellt sich. Hilfe suchen sie bei Freunden, beide Psychologen. Hannah telefoniert viel mit Ulrike und Johannes mit Martin. Letzterer schlägt ihnen einen Test vor - den Perlenschnurtest. Er ist im Grunde ganz einfach. Die S1 ist die Linie, die Johannes und Hannah scheinbar am häufigsten nutzen. Johannes soll in Wannsee einsteigen und Hannah in Oranienburg. Beide steigen jeweils an einer Station aus, ohne voneinander zu wissen, an welchem Bahnhof der andere den Zug verlassen wird. Wählen sie hierzu beide die gleiche Perle, also den gleichen Bahnhof, sollen sie zusammenbleiben. Steigen sie an unterschiedlichen Stationen aus, sollten sie sich trennen. Ulrike und Martin sind dabei die Sekundanten des Paares und begleiten Hannah und Johannes bei der Auswahl des Bahnhofs. Es wird eine Zeit der Reflexion, eine Zeit des sich Gedankenmaches über sich selbst, über den anderen, über Gemeinsamkeiten und Differenzen sowie eine Rückschau auf vergangene Erlebnisse und die Bedeutung dieser für das weitere Leben. Hierzu wird jeder Bahnhof mit dem damit verbundenen Erlebnis benannt. Und zum Schluss muss sich jeder für einen Bahnhof entscheiden, aber es kommt doch alles anders als geplant.

Horst Bosetzky hat es wieder einmal geschafft. Aus einem Liebesroman wird gleichzeitig ein Buch über die Berliner S-Bahn Linie Nummer 1. Bosetzky schreibt zu Beginn eines jeden Bahnhofs immer erst einmal etwas zum geschichtlichen Hintergrund dieser Station bevor er mit den Gedanken und Reflexionen der Protagonisten fortfährt. Berliner Geschichte eben mal anders.


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