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Die neue Front

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Die neue Front
Max Hilbert Böhm, Arthur Moeller van den Bruck, Heinrich von Gleichen
Verlag: Uwe Berg-Verlag
ISBN-10: 3922119360
ISBN-13: 978-3922119364
423 Seiten
24,00 Euro



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Rezension von Daniel Bigalke



"Es ist die Selbstlosigkeit eines konservativen Menschen, daß er an der Heiligkeit einer Sache haftet, die nicht mit ihm stirbt." - "Der Liberalismus ist die Freiheit, keine Gesinnung zu haben, und gleichwohl zu behaupten, daß dies eben Gesinnung sei." Die vorliegende Schrift erlaubt einen tiefen Einblick in die Geisteswelt der kulturell, mental und politisch und philosophisch geprägten Konservativen, die nach 1918 in eine säkulare Krise gerieten. Ihre in dem Band optimal gebündelten Texte können als Versuche gedeutet werden, Antworten auf die drängenden Probleme der damaligen Situation des politischen Umbruchs und der genuin deutschen Neuorientierung zu finden. Es handelt sich um Band 3 der Schwarzen Reihe, welche die Schriften der Jungkonservativen wieder als Quellenwerke herausgibt. Dies ist der Nachdruck der Ausgabe des Verlages Paetel von 1922 und gleichsam ein erstes Sammelwerk der Jungkonservativen um den Kern der berühmten Motzstraße in Berlin, in welcher sich neben den Herausgebern auch die Autoren Martin Spahn, Wilhelm Stapel oder August Winnig trafen und debattierten.

Die Jungkonservativen, sie stehen unter der Führerschaft Arthur Moeller van den Brucks. Sie stellen sich gegen das lineare Weltbild, womit das revolutionäre Element zurücktritt. Das Bild einer gegliederten Gestalt ist bestimmend. Deutlich tritt in den Texten der subsidiäre Aspekt, das genossenschaftliche Prinzip der Selbsthilfe vor allem staatlichen Zentrismus hervor: "Deutschland ist wehrlos und führerlos und zerfleischt sich in dunkler Verzweiflung selber." - heißt es in einem enthaltenen Essay von Georg Escherich über "Selbsthilfe und Staat". Escherich ruft in der Verzweiflung über politische Verhältnisse zur Selbsthilfe des Deutschen auf, die ein Widerstandsrecht gegen den bürokratisch organisierten Gegenwartsstaat und eine Gegenbewegung überhaupt gegen Situationen ist, in denen politisches Chaos und Entscheidungslosigkeit herrscht. Die geschichtliche Form wird von den Jungkonservativen im Reich gesehen - das mittelalterliche Reich unter der Achtung der gewachsenen Volkstümer. Wer die Gleichheit des Menschen auf das Diesseits übertrage, sündige wider die Natur, die Wirklichkeit und Gott. Was dem Liberalismus gegen eine solche erdgebundene Haltung nur übrig bleibt, ist wohl der gewohnte kultivierte moralische Skrupel, der pfleglich seine Lichterketten anzündet und sich ins Paradies träumt.

Es ist bei den Jungkonservativen also eine aufrichtige christliche und politisch-realistische Prägung vorhanden. Juristische Gedanken werden pragmatisch betont, etwa in dem Text Heinz Brauweilers "Rückkehr zum deutschen Recht", der es als staatsbürgerliche Pflicht einfordert, daß die Treue beherzigt werde und in die Verfassung im Sinne einer neuen politischen Verantwortungsfreudigkeit Eingang finde. Liegt bei den Völkischen Denkern der Schwerpunkt eher auf der Einheitlichkeit vor aller Gliederung, so liegt es bei den Nationalrevolutionären auf der Einheitlichkeit, die sich nach Auflösung aller Gliederung wieder herstellt. Die Einheit, welche den Jungkonservativen vorschwebt ist anders: Sie umfasst eine gegliederte Vielfältigkeit, welche eine juristische Durchgliederung verlangt. Sie stehen mit der Weimarer Republik nicht in unversöhnlichem Gegensatz. Max Hildebert Böhm schreibt etwa in seinem Text "Körperschaftliche Bindung", daß der Korporativismus das körperschaftliche Urerlebnis, auf dem alle Gemeinschaft baut, in den Mittelpunkt stelle. Korporativismus sei Bindung an die schöpferische Vergangenheit durch Mittlertum des Bodens, gegliederte Neuformierung des Gemeinwesens.

Die Reihe der Beispiele der vielfach aktuellen Gedankenwelt jungkonservativen Denkens vor etwa 90 Jahren ließe sich fortsetzen. Gleichwohl sind die erörterten Themen von derart zentraler Bedeutung für jede politische Theorie der Gegenwart, daß sich schon jetzt die Frage beantworten läßt, ob die 'Konservative Revolution' als eine eigenständige Richtung im politischen Denken des 20. Jahrhunderts angesehen werden kann. Sie kann es! - Vor allem im Hinblick auf ihre fruchtbaren Argumente gegen den politischen Liberalismus und den Parlamentarismus, die als politische Konfigurationen heute kaum noch kritische Menschen heranbilden können, kann sie es maßgeblich. Die Konservativen und hier die Jungkonservativen stehen für denkende Personen. Sie stehen im Gegensatz zu heute solchen Personen, die nur die Schriften der ideologisch voreingenommenen "Bundeszentralen für politische Bildung" lesen und damit keine autonome Gedankenwelt vertreten. In den "Bundeszentralen" wird hingegen herrschaftsaffirmative Ideologie und damit keine freie Wissenschaft von Beginn an als "Bildung" verkauft. Sie spottet sogar noch über das politische Bildungs-Gebaren in der DDR, obwohl diese auch nur im eigenen marxistisch-leninistischen Gedankengebäude publizistische Herrschaftsabsicherung betrieb. Geschichtlich hat sich nichts verändert. Die selbsternannte "Bildungspolitik" eines politischen Systems bleibt immer nur systemimmanent, damals wie heute!

Anders dagegen die Konservativen der Weimarer Republik: Die jungkonservativen Autoren der 'Konservativen Revolution' im vorliegenden Buch bieten frische Abwechslung mit eigener Reflexionshöhe und eigenständiger Lehre, gleichrangig dem Liberalismus oder Sozialismus und dazu status-quo-transzendierend! Zudem überzeugt die philosophische Grundweltsicht: Die Schau des Menschen als eines von unbewußten Kräften bewegten Wesens, die pessimistische Auffassung von der Unveränderlichkeit der menschlichen Natur, die statische Geschichtsauffassung und das Streben nach einem Menschen als Träger der klassischen antibürgerlichen Tugenden des Heroismus, der stets wachen Energie, des Sinnes für Pflicht und Opfer.

Das vorliegende Buch - ein Grundkompendium für Selbstdenker!

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