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Die Wirklichkeitsmacht der Allgemeinen Deutschen. Glaubensbewegung der Gegenwart




Die Wirklichkeitsmacht der Allgemeinen Deutschen.
Glaubenbsbewegung der Gegenwart

Heinz Bartsch
ISBN: 3-922119-32-8
18,00 EUR




Rezension von Daniel Bigalke

Es gab eine Zeit in Deutschland, da wurde in intellektuellen Kreisen das Provisorische des Weimarer Staates von 1919 als stark empfunden. Ernst Jünger schrieb entsprechend, daß er in den Städten im eigentlichen Sinne des Wortes gar nicht wohnberechtigt sei. In dieser Zeit der Wirren gehört die politisch-philosophische Bewegung der Konservativen Revolution. Sie gehört in eine Zeit der Klärung und des Sich-zurecht-Findens, in der eine neue Ausgangslage entstand, die intellektuell, politisch und philosophisch in Deutschland mit neuem Inhalt gefüllt werden wollte. Diese geistige Bewegung setzt, so schrieb es Armin Mohler in seinem Standardwerk, "zum Sturme an". Er wird aber nicht von ihr, sondern vom rivalisierenden Nationalsozialismus gewonnen. Die bürgerliche Substanz, Träger der Substanz, welche die Weimarer Republik nähren sollte, wird in dieser Zeit aufgerieben. In den Freikorps stellen sich Freiwillige zusammen, halb militärisch, welche teils im Inland die kommunistischen Aufstände bekämpfen, teils auch im Grenzland (Oberschlesien 1921). Sie möchten bedrohte Außenstellungen halten, etwas bewahren, was zu ihnen gehört. Heute erscheinen sie als Verbrecher, was wohl eher nicht auf ein tieferes Verständnis derartiger Bewegungen zurückzuführen ist, als vielmehr auf die simplifizierende Reduzierung ihres Vorgehens im Hinblick auf die Ermordung von Rosa Luxemburg oder Karl Liebknecht.


Armin Mohler beschrieb einst sehr gut, in welche Gruppen die Konservative Revolution zerfällt: Die Jungkonservativen - sie stehen unter der Führerschaft Moeller van den Brucks und Oswald Spenglers. Sie stellen sich gegen das lineare Weltbild. Das revolutionäre Element tritt noch zurück. Es ist hier eine aufrichtige christliche Prägung vorhanden. Sie stehen mit der Weimarer Republik nicht in unversöhnlichem Gegensatz. Die Nationalrevolutionäre, eine weitere Gliederung, wurde getragen von der Frontgeneration. Der jähe Zusammenbruch einer Welt ist das erste Erlebnis dieser Nationalrevolutionäre am Beginn ihres bewußten Lebens. Schließlich gehören die Völkischen zu Mohlers Aufgliederung. Sie rufen unmittelbar die Ursprünge an. Die sich verengernde Reihe von Volk und Stamm wird zur Umschreibung des eigenen Ursprungs benutzt. Es wird erinnert an die organizistischen Lehren des Volkes und Staats als etwas pflanzenhaft Wachsendes. Die autodidaktische Etymologie ist Mittel der Begriffbildung. Rasse gilt als Einheit von Körperlichem und Geistigem. Der Erzvater des Völkischen ist der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn. Seine Turnerbewegung ist die Hochburg des Völkischen. Es kam zur Entdeckung des gesamtdeutschen Nationalgefühls.
Das vorliegende Buch zur "Deutschen Glaubensbewegungen" erschien als Dissertation bei den großen deutschen Soziologen Hans Freyer und Arnold Gehlen, wurde von diesen in Leipzig angenommen und erschien 1938 gedruckt. Die vorliegende Ausgabe erscheint als Nachdruck der Ausgabe von 1938 und macht damit eine bedeutende Schrift wieder zugänglich. Sie ist eindeutig kontextuell der Völkischen Denkrichtung der Konservativen Revolution zuzuordnen und bietet erstmals eine Erfassung und Deutung der Gruppen der Deutschen Glaubensbewegung mit einer mehr als umfangreichen Literaturliste, die zu sichten es sich wirklich lohnt. Mit angehängt wurde das Buch von Manfred Boge "Volk ringt um Gott" (Breslau 1935, 72 S.) - ein Buch über deutschvölkisches Glaubensringen von der Deutschkirche bis zum Tannenbergbund.

Der Faksimiledruck nun beinhaltet als Dissertation umfassende und einmalige Abhandlungen über die Deutschgläubige Gemeinschaft, Germanische Glaubens Gemeinschaft GGG, den Junggermanischen Bund, die Nordische Glaubensgemeinschaft und weitere kleine Gruppen und Grenzgemeinschaften wie die Deutsche Glaubensgemeinschaft, die Glaubensbewegung der Deutsch- Gottgläubigen, die Nationalkirchliche Glaubensbewegung oder die Deutsche Aktion. Damit entsteht ein Bild der weltanschaulich-politischen Institutionen in der Weimarer Zeit und ihrer jeweiligen Bilder, Satzungen und Grundanschauungen. Der Leser kommt unweigerlich zu der Erkenntnis, daß schwere Zeiten zu enormen intellektuellen Anstrengungen führten, die alle das Ziel eines ernst gemeinten Neuanfanges auf politischer aber eben auch religiöser Ebene hatten.

Es empfiehlt sich, völlig unvoreingenommen an die Texte zu gehen, d.h. ganz bewußt mit dem Ziel der Wissensmaximierung ohne den Wunsch alles Gelesene selbst annehmen zu müssen und ohne Hemmungen vor dem, was man liest. - Der heutige "freiheitliche" Staat läßt Parteienstreit nur auf der Basis eines gemeinsamen politischen Glaubensbekenntnisses zu, wonach Demokratie ideologiepolitisch gesichert werden müsse. Die Mitte erscheint als ideologisches Konstrukt, das ein "Amen" verdiene und wonach alles außerhalb ihrer, und sei es 90 Jahre her, als demokratiefeindlich angesehen werden müsse. Die Paradoxe Gleichsetzung von Demokratie und Überwindung des deutschen Nationalstaates, dem oft genug "Völkischer Nationalismus" vorgeworfen wird, setzt ein. So wird der Antifaschismus zur Maßnahme der politischen Diskriminierung und Unterdrückung. - Man lasse diese 60 Jahre trainierten antiwissenschaftlichen Reflexe links liegen, lege sie endgültig im nicht brauchbaren pseudo-wissenschaftlichen Rumpelkeller ab und lese einfach das vorliegende Buch, um zu sehen, was wirklich gemeint war, worum es ging und um das Werk aus seiner Zeit heraus zu verstehen, ohne es nachträglich zu werten, denn das ist mehr als banal!

Bemerkenswert am Inhalt ist, daß die während des Dritten Reiches von der NSDAP geförderte antikirchlich-neuheidnische "Deutsche Glaubensbewegung" z.B. in einigen Städten als organisierte Gemeinschaft nicht zum Zuge kam, im Gegensatz zu anderen Großstädten. Die religiös aktiven Nationalsozialisten schlossen sich oftmals entweder den "Deutschen Christen" innerhalb der Evangelischen Kirche an oder traten, falls sie gottgläubig gesinnt waren, lediglich aus der Kirche aus und nahmen an den Veranstaltungen der Deutschen Glaubensbewegung teil, die andernorts stattfanden. Am Ende erkennt man immer wieder nur gewisse Grundauffassungen der Konservativen Revolution. Sie scheint ein Vorgang gewesen zu sein, der die Schau des Menschen als eines von unbewußten Kräften bewegten Wesens betonte. Wichtig ist das Problem der Dekadenz. Es ist der Grund, weshalb ein neuer Mensch oder eine neue, hier "deutsche", Religion geschaffen werden solle - und mit ihr ein Mensch, der Träger der klassischen antibürgerlichen Tugenden des Heroismus, der stets wachen Energie, des Sinnes für Pflicht und Opfer sei. Die beschriebenen Gruppierungen unterschieden oft zwischen "lebensfeindlichen" und "lebensdienlichen" Kräften und gingen davon aus, daß das Leben seinen Sinn in sich selber trage. Der Autor stellt das Denken der Deutschen Glaubensgemeinschaften als Mischung aus Edda, Idealismus, Lebens- und Religionsphilosophie, Pantheismus und Naturphilosophie dar.

Die Deutsche Glaubensbewegung wollte die religiöse Erneuerung des Volkes, die Bindung an Wort und Brauchtum. Sie wollte nach eigener Auskunft niemanden bekehren, es sei denn zu sich selbst mit dem Ziel der Gott-Mensch-Einheit. So nahm sie eine kritische Haltung gegenüber christlicher Suggestion ein. Der Christ meine, notwendig vor Gott erscheinen zu müssen, der Deutsche aber stehe mit seinem Gott in einem persönlichen Bezug. Das Regulativ liegt also im Einzelleben, nicht mehr in Kirche oder Christentum. Jeder Einzelne führe seinen Glaubenskampf, lerne persönlich Verantwortung für sich zu tragen. Daher die Bezeichnung, das man "um Gott ringe", denn die herkömmlichen Konfessionen hätten versagt. Niemand könne erlöst werden, weder durch sein Leben, noch durch den Tod eines anderen. Nur man selbst könne diese Erlösung praktizieren. Und so kommen die Völkischen aus der Deutschen Glaubensbewegung zu dem Schluss, daß ein Leben mit dieser Haltung auch schon im diesseitigen Leben (Immanenz) ein göttliches Jenseits (Transzendenz) verheißen könne:


"Wenn also geadelt dein Tun
Von heiligen Wünschen des Gottes,
ist all dein Wirken im Sein
ein Weilen im Jenseits."

Ein lesenswertes Buch, von dem sich jeder ein eigenes kritisches Bild machen sollte, ohne sich eines aus zweiter Hand bequem diktieren zu lassen, denn dies wäre naiv!


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