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Einblicke in die Entstehung von "Blut und Wasser" und den neuen Roman "Übersee"

 


Roland Voggenauer, Jahrgang 1964, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Thum, Kreis Düren.
Nach dem Abitur kam er nach Prien und studierte in München Mathematik und Philosophie.
Danach und seitdem arbeitet er im Hauptberuf als Aktuar und lebt heute zusammen mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern seit mehr als 20 Jahren am Chiemsee.

 

 

 

Einblicke in die Entstehung von "Blut und Wasser" und dem neuen Roman "Übersee"

VON ROLAND VOGGENAUER

Wie man als gebürtiger Eifeler in den Chiemgau kommt, ist sicher nicht unbedingt erklärungsbedürftig, denn obwohl speziell die Nordeifel zu den am meisten unterschätzten Landschaften Deutschlands gehört, ist der Chiemgau sicher einer der schönsten Gegenden Europas - wenn nicht sogar der ganzen Welt.

Wie man aber als Aktuar, also als Versicherungsmathematiker, dazu kommt, Krimis zu schreiben, bedarf schon eher einer Erklärung - obwohl es auch dafür ein paar Vorbilder gibt; eine Antwort habe ich auf diese Frage trotzdem nicht.

Wie ich aber als Rheinländer dazu komme, meine Krimis streckenweise auf Bayerisch zu schreiben, das wiederum ist mir selbst ziemlich klar: Alles andere ginge nicht.

Die Idee zu meinem ersten Chiemgaukrimi „Blut und Wasser", hat mich irgendwann förmlich angesprungen und nicht mehr losgelassen. Den Kern der Geschichte habe ich zunächst nur im Kopf entwickelt, und zwar so weit, bis die Handlung so komplex war, dass ich anfangen musste, sie aufzuschreiben - damals in erster Linie, um sie nicht zu vergessen und eine gewisse logische Ordnung hinein zu bringen.

Und das ging besser und schneller und leichter, als ich es erwartet hätte. Die Sache nahm ihren Lauf.

Die erste Fassung lies ich im engsten Familien- und Freundeskreis zirkulieren, und die Reaktionen ermunterten mich, weiter daran zu feilen. Schließlich hatte ich eine Fassung, die ich einigen Verlagen anbieten konnte.

Ich machte die typischen Anfängerfehler - und ich hatte wahrscheinlich auch das typische Anfängerglück. Jedenfalls: Irgend jemandem gefiel die Geschichte, und der gab mir den entscheidenden Tipp. Und dann ging alles sehr schnell. Nach einigem Hin-und-Her waren wir „durch".

Worum es in „Blut und Wasser" geht, ist schnell gesagt:

1869 wird die schwangere Anna Wimmer am Ufer des Langbürgner Sees Opfer eines Verbrechens.

 

Mehr als ein Jahrhundert vergeht, ehe Matthias Staudacher durch einen Zufall im Morast des Sees auf ihre mumifizierte Leiche stößt. Der Fund ist eine Sensation, und in den regionalen Medien macht die Zeitungsmeldung über eine Moorleiche die Runde. Aufgrund alter Gerichtsakten gelingt es den zuständigen Beamten recht schnell, die Identität der Toten zu bestimmen. Angetrieben von seiner Frau Sylvia beginnt Matthias Staudacher mit seinen intensiven Nachforschungen.


Erst widerwillig, dann mit zunehmendem Interesse durchforstet er alte Gerichts- und Kirchenakten und rekonstruiert das Leben der Anna Wimmer und den an ihr begangenen Mord. Staudacher bezweifelt das damalige Gerichtsurteil und vermutet einen ganz anderen Täter.

Als er erkennt, dass die Wahrheit eng mit seiner eigenen Familie verknüpft ist, entwickelt sich ein tragischer Konflikt.

Die Reaktionen auf das kleine Buch kamen schnell und waren insgesamt sehr positiv.

Neben dem Interesse einer Produktionsfirma, die mittlerweile auch die Filmrechte gekauft hat, gab es in vielen Print- und Onlinemedien eine Reihe von Besprechungen. Nicht alle gut, aber die meisten schon. Diese hier von Birgit Erwin, erschienen auf literature.de am 14.8.2007 hat mir besonders gefallen:

"Der Fund einer Moorleiche in Bayern zieht natürlich sofort die Aufmerksamkeit der Presse auf sich, erst recht, als sich herausstellt, dass es sich um einen rund hundert Jahre zurückliegenden Mord handelt. Dass die Tat allerdings auch auf die Gegenwart Auswirkungen hat, wird dem „glücklichen Finder" der Leiche bald erschreckend deutlich vor Augen geführt.

Eigentlich sollte es ein weiteres zärtliches Rendez-vous zwischen der jungen Anna und ihrem Liebhaber werden. Doch als sie ihm eröffnet, dass sie zum zweiten Mal von ihm schwanger sei und ihrem Mann nicht auch dieses Kind unterschieben werde, sieht der unter Druck Gesetzte keine andere Möglichkeit, als die Verbindung zu Anna zu kappen - mit einem Beil. Dann versenkt er die Leiche im See, wo sie die nächsten 130 Jahre liegen wird.

Als Matthias Staudacher die Leiche durch Zufall aus dem See fischt, wird es sofort zum Regionalsport, den alten Fall wieder aufzurollen. Den Archiven ist zu entnehmen, dass Annas Ehemann für den Mord verurteilt wurde, doch irgendwie reicht Matthias diese Erklärung nicht. Er beginnt eine akribische Recherche, ohne zu merken, dass er seine ohnehin brüchige Ehe mehr und mehr gefährdet. Denn die Leiche ist Matthias' Urahne - und mehr als das...


Der Leser weiß von Anfang an, wer der Mörder ist, und zur Rechenschaft kann man den Täter ebenfalls nicht mehr ziehen, denn er ist tot: Ein ungewöhnlicher Beginn für einen Kriminalfall, und der Leser wird sich die Frage stellen, was auf den kommenden 150 Seiten denn noch folgen kann? Doch die Skepsis ist unberechtigt, denn Autor Roland Voggenauer beweist, dass eine gute Dokumentation genauso interessant und spannend wie ein Spielfilm sein kann.

Dem Leichenfund durch den jungen Matthias folgt eine sorgfältige Aufarbeitung des Falles durch Dokumente in Archiven, alte Zeugenaussagen und Tagebucheinträge. Immer weiter wird der Wissensvorsprung, den der Leser vor den Romanfiguren hat, abgearbeitet. Doch der eigentliche Dreh kommt in dem Augenblick, in dem der Leser erkennt, dass er doch nicht alles über Täter und Opfer weiß. Das ist der Moment, in dem Voggenauer sein Kaninchen aus dem Hut zaubert und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart knüpft.

Sowohl Matthias als auch seine Frau sind auf tragische Weise mit Täter und Opfer verbunden, durch Blut und Familie ebenso wie durch Parallelen in ihrem Denken und Fühlen. Ohne Vorwarnung wird aus dem der halbdokumentarischen Spurensuche ein modernes Drama um Familienehre und Selbstfindung. Auf wenigen Seiten explodiert die Handlung geradezu und kehrt die Lesererwartungen noch einmal ins Gegenteil um. Am Ende steht der Leser, der alles zu wissen glaubte, mit offenem Mund da und ist auch noch eingeladen, letzte Lücken, die das Ende lässt, selbst zu füllen."

Ja, das Ende von „Blut und Wasser" ist offen.

So offen, dass die Frage nach einer Fortsetzung der Geschichte bald von mehreren Seiten an mich herangetragen wurde.

Da ich das aber nicht geplant hatte, mußte ich mir zunächst überlegen, ob und wie das gehen könnte. Ich suchte nach einem Punkt in der Geschichte, den man als Ansatz für ein neue, eigenständige Geschichte weiterentwickeln könnte, und ich denke, ich habe schnell einen solchen Punkt gefunden.

Daraus ergab sich der Plot zu „Übersee":

In den letzten Kriegstagen 1945 kommt es in Prien am Chiemsee zu einem dramatischen Zwischenfall:

Angeführt vom Bachler Hans aus Hittenkirchen, versucht eine Gruppe Einheimischer den Vormarsch der amerikanischen Truppen gewaltsam aufzuhalten - ein Versuch, der für die meisten der Beteiligten tragisch endet.

 

 

Jahrzehnte später:

Durch einen Zufall findet die Priener Anwältin Sylvia Staudacher im New Yorker Einwanderungsmuseum auf Ellis Island in alten Passagierlisten einen Hinweis auf eine gewisse Therese Bachler, die 1866 aus Hittenkirchen nach Amerika ausgewandert war.

Sylvia weiß etwas über diese Frau und sucht nach weiteren Spuren von ihr. Tatsächlich findet sie deren Nachfahren im Hinterland von Philadelphia. Dort stellt sie fest, dass die Bachler Resi auf ihrer Flucht aus der Heimat das Wissen um ein Verbrechen in der Familie begleitet hat.

Parallel dazu nimmt Sylvias Mann Matthias den Faden auf und erforscht zuhause im Chiemgau die Geschichte des Bachlerhofs in Hittenkirchen. Er stößt schnell auf dunkle Vorfälle aus der Zeit des zweiten Weltkrieges.

Und auch deren Spuren führen nach Übersee.

Wie es danach weiter geht, kann ich momentan nicht sagen.

Wieder ist das Ende der Geschichte offen genug, um daran anzuschließen. Diesmal geplant, denn den besagten Ansatzpunkt habe ich eigentlich schon unübersehbar angelegt.

Aber: Wer weiß? Von der Eifel in den Chiemgau ist es ja auch ein langer Weg.

 




Übersee
Verlag: Pendragon
ISBN-10: 3865320902
ISBN-13: 978-3865320902
240 Seiten
9,90 Euro

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