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Einladung zur Reise ins Unbekannte








Dr. Frank S. Becker, geboren 1952, studierte Physik und ist heute in einem großen deutschen Industriekonzern für Bildungsfragen zuständig. Sein Interesse an der römischen Kaiserzeit und an der Archäologie ließ ihn zahlreiche Reisen in den Mittelmeerraum und den Nahen Osten unternehmen. Der Autor lebt in München.






Einladung zur Reise ins Unbekannte   12.10.09
        
Wer hat Angst vor der düstersten Epoche Europas?

VON FRANK STEFAN BECKER

Wenn man in Europa eine Zeit nach dem Weltuntergang sucht, so wird man im 7. Jh. fündig. Papst Gregor, ein Zeitzeuge, schrieb damals: „Was in anderen Teilen der Welt geschieht, weiß ich nicht. In diesem Land jedenfalls, in dem wir leben, kündigt sich das Ende der Welt nicht an - es zeigt sich!"

Und in dieser Verfallszeit soll man einen historischen Roman ansiedeln?

Gegenfrage: warum denn nicht?! Nur weil wir das im Schulunterricht überspringen, die Archive nicht vor ausführlichen Dokumenten strotzen und außerhalb Roms und Nordwestspaniens in Europa praktisch keine Bauten errichtet wurden, die bis heute überdauert hätten?

Auch damals gab es Menschen, die liebten, hassten, litten und sich am Leben freuten. Menschen, die als Helden oder Schurken Abenteuer erleben können - und das vor einer Kulisse, die unheimlicher und fremdartiger kaum sein könnte. Aber kann man das denn überhaupt beschreiben? Fehlen uns nicht die geschichtlichen Fakten? Keineswegs, wir wissen nämlich über die „dunklen" Zeiten erheblich mehr, als man gemeinhin glaubt. Nur muss man anders recherchieren, sich die Informationen stückweise zusammen klauben, historische Dokumente mit Ergebnissen der Archäologie kombinieren. So stößt man auf faszinierende Ereignisse wie die erste große Araberbelagerung Konstantinopels 674-78, ein wahrhaft welthistorischer Abwehrkampf der Byzantiner (Rhomäer) und zugleich die erste Schlacht der Geschichte, die durch den Einsatz einer chemischen Waffe entschieden wurde. Dem widmet der Byzantiner Theophanos in seiner Weltchronik nur die wenigen Sätze: „Zu dieser Zeit floh Kallinikos, ein Architekt aus Heliopolis in Syrien, zu den Rhomäern und stellte ein Meerfeuer her, mit dem er die arabischen Schiffe angriff und mit Mann und Maus verbrannte. Und so kehrten die Rhomäer siegreich zurück und erhielten das Meerfeuer".

Ein Mann flieht also aus dem von den Arabern besetzten Syrien in die Kaiserstadt und bringt eine Erfindung mit, die die arabische Flotte vernichtet. Doch warum tat er das? Wurde er belohnt? Wie verlief die Schlacht? All dies bleibt dem Autor als Spielwiese der Phantasie, hier kann man die Vergangenheit wieder auferstehen lassen. Nicht so, wie sie war (denn das werden wir nie genau wissen), aber so, wie sie gewesen sein könnte. Und solche nüchternen, meist nur in wenigen Sätzen überlieferte, aber zugleich hochspannende Fakten gibt es zuhauf aus dieser Zeit. Da gelangen irische Mönchen möglicherweise bis nach Amerika, verstrickt sich der Bischof Emmeram in eine Privatintrige und wird südlich von München ihr grausames Opfer, residiert ein byzantinischer Kaiser nochmals für 12 Tage im gespenstischen Ruinenfeld Roms, um anschließend in Sizilien im Bade erschlagen zu werden. Ein Vorfall, der so viel Eindruck machte, dass er selbst im Vorwort zum Gesetzbuch des langobardischen Königs Rotharis erwähnt wird: „Zu der Zeit zog der Kaiser Konstantinus aus von Konstantinopel und kam nach Kampanien und kehrte zurück nach Sicilien und ward daselbst von seinen Leuten umgebracht." Warum diese Bluttat? Wir können nur spekulieren.
 
Aber auch das Ungeheuer von Loch Ness wird zum ersten Mal in dieser Zeit gesichtet! Unglaublich? Nun, Bischof Adamnan schreibt im 7. Jh. über das Leben des heiligen Columban des Älteren „Ein anderes Mal, als der heilige Mann sich für einige Tage in der Provinz der Pikten aufhielt, musste er den Fluss Ness überqueren. Als er das Ufer erreichte, sah er, wie ein armer Mann durch andere Dorfbewohner bestattet wurde, und die, die ihn begruben, berichteten, dass dieser vor kurzem, als er schwamm, von einem Wasserungeheuer gepackt und zerfleischt worden sei. Einige Männer, die in einem Boot zur Hilfe eilen wollten, kamen zu spät und konnten nur noch seinen armen Körper mit Haken heraus ziehen... Doch das Ungeheuer, dessen Appetit zuvor nicht gestillt, sondern eher gereizt worden war, lauerte in den Tiefen des Flusses. Als es spürte, wie das Wasser über ihm durch Lugnes Schwimmen bewegt wurde, tauchte es zur Oberfläche empor und schoss mit aufgesperrtem Rachen und großem Gebrüll auf den Mann zu, der in der Mitte des Stroms schwamm."

Zahllose Ereignisse gibt es, von denen wir meist nur aus wenigen lapidaren Sätzen der Chroniken wissen, dass sie geschahen - ohne jedoch die Hintergründe und Einzelheiten zu kennen. Also ideale Voraussetzungen, um als Autor seiner Phantasie - in den Grenzen der überlieferten Fakten - Auslauf zu gewähren.

Mich selbst treibt beim Schreiben historischer Romane ganz besonders die Entdeckerfreude an, deshalb leuchte ich gerne in Epochen, die noch nicht von anderen Autoren dicht besetzt sind. Dazu zählt das späte dritte Jahrhundert, in dem meine ersten beiden Bücher spielen („Der Abend des Adlers" und „Der Preis des Purpurs"). Das siebte Jahrhundert ist aber noch viel unerschlossener und mir sind keine Romane bekannt, die in Rom, Arabien und Konstantinopel spielen. Besonders die düstere Kulisse der verfallenen Kaiserstadt, die ohne die Päpste vielleicht ganz verlassen worden wäre, hat mich schon seit Langem fasziniert. Wie mag es in Rom ausgesehen haben, als von einstmals je 100 Einwohnern 98 nicht mehr da waren? Ausgewandert, erschlagen, geflohen oder von der Pest dahin gerafft? Diese Idee ließ mich seit 1985 nicht mehr los und war letztendlich der Auslöser für meinen Roman „Sie kamen bis Konstantinopel".

Doch so spannend diese Kulisse sein mag - auch damals war Rom ein politischer Teil des Geschehens im Mittelmeerraum, in dem gerade die Landkarte neu geschrieben wurde. Innerhalb weniger Jahrzehnte eroberten die islamischen Krieger die östlichen und südlichen Mittelmeerküsten, so dass die heute noch bestehende kulturelle und religiöse Zweiteilung entstand. Und diese frühen Kalifen, ihre Machtkämpfe in Medina (aus denen nach der Ermordung des dritten Kalifen Uthman die heute noch andauerte Spaltung in Sunniten und Schiiten resultierte), die allmähliche Herausbildung einer islamischen Identität - auch das ist ein faszinierender, uns Europäern kaum geläufiger Prozess. Hier haben mich meine diversen Nahostreisen dazu angeregt, die Handlung auch in Städten wie Damaskus spielen zu lassen. Aber jetzt habe ich genug erzählt - mehr findet sich im Buch, hier eine Leseprobe: http://www.zabern.de/pdfs/4081_1.pdf


Ein Interview mit Frank S. Becker auf Buechertitel.de

 
Veröffentlichungen:



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    Sie kamen bis Konstantinopel
    Verlag: Philipp von Zabern
    ISBN-10: 3805340818
    ISBN-13: 978-3805340816
    360 Seiten
    19,90 Euro

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   Mitte des 7. Jahrhunderts stürmen im Osten die islamischen Glaubenskrieger voran, während Europa in
   Barbarei  versinkt. Zu dieser Zeit verlässt Pelagia, eine verwöhnte junge Frau, ihre Heimat auf der Suche
   nach Rang und Reichtum. Sie erlebt Rom als gespenstische Ruinenstadt und trifft auf Sizilien den
   größenwahnsinnigen Kaiser Konstans. Von Piraten nach Damaskus verschleppt, lebt sie am Hofe des Kalifen
   und findet sich zwischen zwei Männern hin- und hergerissen: dem Araber Daud und dem irischen Priester
   Patricius. Als die muslimische Flotte zum Sturm auf Konstantinopel rüstet und sie von einer Erfindung
   erfährt, die den Lauf der Geschichte wenden kann, muss sie eine folgenschwere Entscheidung treffen …



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    Preis des Purpurs
   Verlag: Langen/Müller
   ISBN-10: 3784431089
   ISBN-13: 978-3784431086
   432 Seiten
   19,90 Euro

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   Trier im Jahr 275 n. Chr.: Vom Glanz des römischen Kaiserreichs geblendet, gerät der junge Staatsbeamte
   Flavius immer tiefer in den Sumpf von politischen Ränkespielen und persönlichen Fehden. Um seine Frau
   zu retten, wird er auch noch in den Strudel der grausamen Christenverfolgungen unter Diokletian
   gezogen. Verzweifelt kämpft Flavius für seine Liebe, bis der zukünftige Kaiser Konstantin auf den Plan tritt...


    tl_files/Der Abend des Adlers.jpg
 
   Der Abend des Adlers
   Verlag: Herbig
   ISBN-10: 3784460348
   ISBN-13: 978-3784460345
   448 Seiten
   7,95 Euro
      
   Bestellen bei:
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   Das Römische Reich um 260 nach Christus. Feinde plündern die Grenzprovinzen, Kaiser kämpfen um
   die Macht. Die Sonne des Imperiums scheint zu sinken, als Flavius, ein junger Römer, von dem Gut seines
   Onkels bei Trier aufbricht. Der Wunsch, seine Eltern zu finden, und die Suche nach einem Tempelportal,
   das vor den Barbaren versteckt wurde, reißen ihn in einen Strudel von Ereignissen, die ihn über Rom,
   Palmyra und Babylon bis nach Persien führen.

   Doch als Flavius sich am Ziel glaubt und der Liebe seines Lebens begegnet, stellt ihn das Schicksal
   vor die größte Herausforderung.
    


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