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Es geht um Identität

 

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Roger Aeschbacher

Roger Aeschbacher wurde 1961 in Basel geboren. Er ist promovierter Zellbiologe und diplomierter Bildender Künstler. Er schrieb das Fachbuch „Maximale Innovation" sowie ein Kinderbuch und einen Band mit Erzählungen. „Kommt Schnee" ist der erste Band aus der Reihe von Basel-Krimis mit Kommissar Andreas Baumer. Erschienen ist er im Prolibris Verlag.

 

 

 

 

„Es geht um Identität"

VON ROGER AESCHBACHER

Warum sagt einer Nein, wo Tausend andere Ja schreien. Warum zeigt einer Zivilcourage, wo alle anderen sich wegducken? Warum lacht einer, wo alle anderen weinen? Solcher Art sind die Fragen, auf die ich in meinen Krimis eine Antwort suche.

Der Krimi als Untersuchung von Identität

Im ersten Fall meines Kommissars Andreas Baumer aus Basel geht es - natürlich - um einen Mord, mehrere sogar. Diese Morde klärt der Basler Kommissar Baumer zusammen mit seinen Freunden auf. Letztlich geht es in meinen Geschichten aber darum, wie Identität geformt und gebildet wird. Das Wesen eines Menschen interessiert mich, weil es erahnen lässt, welche bedeutenden Lebenserfahrungen eine Person gemacht hat und wie diese gedeutet und verinnerlicht wurden. Die Identität ist für eine Person dabei sowohl Gerüst, als auch Gefängnis.

Identität ist ein dynamischer Prozess

Jeder Mensch ist ja von Geburt an einzigartig. Es gibt keine zwei Menschen mit absolut identischem Erbgut. Das ist gleichsam nur die Hardware. Durch Ereignisse im Leben werden wir geprägt. Bestimmte Ereignisse können aber von zwei Menschen - Brüdern etwa - völlig unterschiedlich interpretiert und gewertet werden. Dadurch - das hat die neurobiologische Forschung gezeigt - verdrahten sich die Neuronen im Gehirn tatsächlich neu. Wo der eine gierig wird, wird der andere gütig. Eine schlimme persönliche Demütigung macht den einen zum Mörder, den anderen zum Mönch. Müssen wir den Mörder daher verstehen, ihn gar laufen lassen?

Glaubhafte Figuren dank sorgfältig entwickelter Biografien

Die beiden Hauptfiguren meiner Serie an Basel-Krimis sind zum Beispiel beide ähnlicher Herkunft. Sie kommen aus dem Handwerkermilieu. Beide haben die Militärrekrutenschule besucht und gemeinsam Polizeidienst verrichtet, leben im gleichen Basel. Trotzdem sind sie völlig unterschiedlich aufgestellt. Kommissar Baumer ist geknickt und depressiv, sein Freund Wachtmeister Heinzmann hingegen ewig positiv eingestellt. Ihre Identität spiegelt wieder, wie sie Erfahrungen verinnerlicht haben. Zugleich führt ihre jetzige Haltung auch dazu, dass sie neue Ereignisse unterschiedlich wahrnehmen und bewerten werden. Ihre Identität ist eben auch Gefängnis und determiniert neue Erkenntnisse. Bei zwei anderen Figuren in meinen Krimis ist die Ausgangslage hingegen genau umgekehrt. Der Tessiner Gerichtsmediziner Dr. Regazzoni ist promoviert, steht gesellschaftlich auf hoher Stufe. Der Revolverblatt-Journalist Rolf Danner aus Zürich ist in Basel (wo die Krimihandlung spielt) hingegen beinahe ein Unberührbarer. Die unterschiedliche soziale Stufe zeigt sich zum Beispiel in entsprechend verschiedener Ausdrucksweise. Dennoch gibt es grosse Parallelen in den Charakteren dieser zwei Figuren. Beide leiden daran, dass sie jeden Tag von Neuem um jeden Splitter Aufmerksamkeit kämpfen müssen. Dadurch sind beide misstrauisch den Mitmenschen gegenüber geworden. Zugleich können Sie unglaubliche Zivilcourage entwickeln. Sie ergreifen - ohne Rücksicht auf eigene Verluste - jede Chance, um gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Die kohärente Handlungsweise, mit der sie im Verlauf des Krimis ihre Rolle ausfüllen, macht sie glaubwürdig.

Identität gibt Halt

Die vier Hauptfiguren bilden ein sehr heterogenes Team, das oft auch miteinander streitet. Dennoch übernimmt jeder einzelne von ihnen echte Verantwortung und zeigt unglaublichen Mut. Ein Mut, den sie aus ihrer einzigartigen Persönlichkeit schöpfen können. Die Identität ist eben auch ein stabiles Gerüst, das einer Person Halt gibt und ihr hilft, richtige Entscheidungen zu treffen - auch wenn sie gegen jede Mode stehen. Für das „Personal" seiner Krimis arbeitet der Autor jede Persönlichkeit exakt aus und lässt es konsequent in seiner Geschichte handeln. Mit präzise ausformulierten Handlungsweisen einer Romanfigur werden die Umrisse der Identität nachvollziehbar. Dadurch entsteht so etwas wie ein Muster einer Person. Die Leserschaft kann die eigene Identität an diesen „Modellen" messen und überprüfen, wie sie selbst in Extremsituationen reagieren würde.

Menschliche Facetten des Bösen

Dass diese Modellierung von Figuren im Gewand eines Krimis daherkommt, ist schnell zu erklären. Ein Krimi macht immer eine unglaublich grosse Bühne auf. Am einen Ende steht ein Mörder, quasi der ur-böse Mensch schlechthin. Am anderen Ende steht ein Kommissar, ein guter Mensch, der den Mord aufklärt. Ein Kitschkrimi würde nun den Wettstreit dieser zwei Personen zeigen, und nur diesen allein. Schwarz gegen Weiß. Mich hingegen interessieren all die unendlich vielen Grautöne dazwischen, also die Dynamik der Figuren: „Warum ist aus einem scheinbar anständigen Mensch ein Mörder geworden?" „Welche Eigenschaften des Mörders können wir im Kommissar ebenfalls entdecken?"

Auktorialer Erzählstil dient der Analyse

Der Krimi erlaubt also die Auslotung der Frage, warum ein Mensch das ist, was er ist, und wie er sich dennoch verändern kann. Fast naturgegeben verwende ich daher in meinen Krimis eine Mischung aus personalem und auktorialem Erzählstil. Was erlebt der Kommissar, wie sieht er die Welt mit seinen Augen, durch seine Brille? Dazu dient der personale Erzählstil. Der auktoriale Stil - der allwissende Erzähler - ist dann die Strategie, um diese Sicht der Welt an einer Welt zu spiegeln, wie sie der Erzähler wahrnimmt und bewertet. So kann ich ausgehend von einem Individuum die Welt persönlich betrachten und zugleich allgemein analysieren. Oder, um in Bildern zu reden: Ich werfe einen Stein in den See, sehe wie die Spritzer hochgehen. Dann beobachte ich, wie die Wellen sich ausbreiten und ans ferne Ufer anschlagen.

Roger Aeschbacher

 

Veröffentlichung:

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Kommt Schnee
Roger Aeschbacher
Verlag: Prolibris Verlag Rolf Wagner
ISBN-10: 3935263716
ISBN-13: 978-3935263719
232 Seiten
12,00 Euro

Bestellen: (Leseprobe)

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Klappentext:

Amoklauf am Bahnhof Basel SBB.

Mit einem Samuraischwert wird ein Mann getötet. Der Täter verschanzt sich mit einer Geisel, einem jungen Mädchen, im Bahnhofsbistro. Kommissar Baumer ist sofort am Tatort und versucht, die gefährliche Situation zu entschärfen. Doch es gibt einen weiteren Toten. Baumer glaubt nicht an einen willkürlichen Gewaltausbruch mit zufälligen Opfern. Gegen alle Widerstände macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter den Bistromorden. Hilfe bekommt er von Wachtmeister Heinzmann, Gerichtsmediziner Regazzoni und Zeitungsreporter Danner - ein außergewöhnliches Team.

 

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