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Faszination Avignon

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Daniel Holbe wurde 1976 im hessischen Friedberg geboren. Neben seiner sozialpädagogischen Tätigkeit studierte er in Frankfurt am Main Sozialarbeit.

Mit dem belletristischen Schreiben begann er im Herbst 2006 und im April 2009 schließlich erschien mit dem kirchenhistorischen Thriller "Die Petrusmünze" sein Debüt bei Rütten & Loening. In diesem Buch vereint er sowohl sein privates geschichtliches Interesse als auch seine Liebe zu Südfrankreich. Die Grundideen für sein erstes Buch trug er schon über viele Jahre hinweg mit sich.

Daniel Holbe lebt mit seiner Frau auf einer Hofreite im mittelhessischen Wetteraukreis.

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Faszination Avignon - Auf den Spuren französischen Päpste

VON DANIEL HOLBE


Mit Avignon des 14. Jahrhunderts verbindet man die große Kirchenspaltung, die grausamen Kreuzzüge sowie die blutigen Templerprozesse. Und immer wieder taucht König Philipp IV. „le Bel“ („der Schöne“) als düsterer Drahtzieher auf. Doch es wäre ein großer Fehler, 70 Jahre Papsttum unter sieben verschiedenen Päpsten lediglich auf eine Art Marionettendasein im Dienste des französischen Königshauses zu reduzieren. Ebenso fragwürdig sind so manche Konziliarsbeschlüsse zur „Umtopfung“ der Kurie zurück nach Rom. Hier sollte man nämlich die durchaus weltlichen Interessen römischer Adels- und Handelsfamilien auch nicht einfach ignorieren.

Über (zu) viele Legislaturperioden hinweg hatte das höchste geistliche Amt seine Macht eigennützig überdehnt und sich dem ursprünglichen Zweck vollkommen entfremdet. Wäre die Zeit nicht reif gewesen für einen drastischen Wechsel, hätten es die Begleitumstände in den europäischen Machtstrukturen nicht ermöglicht, so wäre der Umzug nach Avignon nicht ohne weiteres möglich gewesen. Sicher profitierte der erste der sieben Päpste von der Gunst des französischen Königs, doch im Laufe der Jahre kamen und gingen noch sechs weitere Päpste, allesamt gelehrte und zum Teil hoch angesehene Männer – sowohl bei den Kardinälen als auch beim Volk.

Ohne die kirchenrechtlich äußerst fragwürdige Machtübernahme des Heiligen Stuhls durch den gewissenlosen Juristen Urban VI. hätte die Avignoner Linie noch einige weitere beeindruckende Päpste hervorbringen können. So jedoch wurden die Gegenspieler Urbans zu Gegenpäpsten und damit unfreiwillig zu Gestalten, welche im Laufe der Jahrhunderte kaum mehr als Hohn und Verachtung hinterließen. Selbst die Franzosen, welche sich heute durchaus mit kulturellen und historischen Vermächtnissen schmücken dürfen, die in Europa ihresgleichen suchen, urteilen ohne große Wertschätzung über jene Epoche vor 700 Jahren.

Genau hier setze ich in meinem Buch an.

Bei einem Aufenthalt in der Camargue im September 2006 nutzte ich die Zeit für ausführliche Recherchen in und um die beeindruckende Residenz der Päpste. Von Stallung über Gefängnis, von Kaserne über Waffendepot – das Gemäuer hat die Jahrhunderte überstanden, ohne seinen Anmut einzubüßen. Heute ist es zum großen Teil renoviert, wobei es noch zahlreiche Brüche und bauliche Sünden zu restaurieren gibt.

Es war nicht schwer, sich beim Durchschreiten der Gänge vorzustellen, wie es einst hier gewesen sein musste. Avignons Altstadt ist zeitlos. Selbst im Schein von Sonnenschirmen und Leuchtreklame, dem Lärm von Marktständen, Mofas und zahlloser Touristen umgibt einen die Würde der Geschichte. Hinzu kommt das besondere Licht, gerade das des Spätsommers, und die reifen Weinberge und duftende Kräuter und Lavendel. Mir war schon vor der Reise klar, dass es nun soweit sein würde mit meinem Buch – und tatsächlich schrieb ich am Abend des Besuches in Avignon bereits meine ersten zehn Seiten und begann sie mit dem Papst, der vom Balkon seines Palastes über die Stadt blickt und genau die Reize wahrnimmt, die auch mir zuteil wurden.

An einem der folgenden Tage besichtigte ich eine Weinkellerei, in der zu dieser Jahreszeit Hochbetrieb herrschte. Aus allen umliegenden Dörfern kamen kleine Traktoren mit überfüllten, süßlich duftenden Anhängern voller dunkelvioletter Trauben. Auch wenn ich ihren Dialekt kaum verstand, ich fühlte mit ihnen und erkannte an ihren zufriedenen Blicken, dass es ein guter Jahrgang werden würde. Übrigens war eine Woche zuvor ein wüstes Unwetter über die Region hereingebrochen und wahrscheinlich hatten die Bauern ihre Ernte bereits verloren gesehen. Das war um den Tag meiner Anreise gewesen - ich erinnere mich noch an Bilder eines Lokalsenders, der eine vom Orkan umgekippte Landmaschine zeigte.

Ganz in der Nähe, wenn man Avignon verlässt und durch die Weinberge nach Remoulins fährt, gelangt man auf ein weiteres Relikt der Geschichte. Ganze zwei Jahrtausende ist es her, dass die römischen Besatzer von Sklaven ein Aquädukt erbauen ließen. Eine Wasserleitung quer übers Land, deren beachtlichstes Teilstück der Pont du Gard ist, eine Brücke über das Flussbett des Flusses Gardon am Rande der Stadt. Im Schatten dieses Aquäduktes verbrachten meine Eltern einst ihre Hochzeitsreise und im Urlaub 2006 taten meine frisch vermählte Frau und ich es den beiden gleich. Wo, wenn nicht hier, sollte mein Protagonist seinen Besitz haben und die Geschichte ihren Lauf nehmen? Heute, 360 Seiten später, weiß ich, dass die Geschichte schließlich auch ihr Ende an diesem Ort findet. Mehr verrate ich nicht.

Von den Tagen in und um Avignon habe ich rund 400 Aufnahmen mit der Digitalkamera gemacht, damit ich die gesamte Atmosphäre an den heimischen Schreibtisch transportieren konnte. Dies ist mir nur zum Teil gelungen, doch ich habe bereits auf dem Heimweg gespürt, dass diese Erzählung nicht die letzte sein wird, die in dieser Region ihren Anfang nehmen wird.

 

 

Veröffentlichung:

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Die Petrusmünze
Verlag: Rütten & Loening Berlin GmbH
ISBN-10: 3352007667
ISBN-13: 978-3352007668
360 Seiten
14,95 Euro

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Klappentext:

Die deutsche Historikerin Marlene Schönberg erhält einen geheimnisvollen Anruf. Ein Mann erklärt, er besitze Informationen über eine Reliquie, die den Vatikan ins Wanken bringen könne. Als Marlene den Mann besuchen will, steht sie vor dem Gefängnis in Marseille. Robert Garnier wird verdächtigt, seinen Vater vor dem Papstpalast in Avignon getötet zu haben.
Zusammen mit seinem Anwalt beginnt Marlene zu ermitteln: Es geht um eine Münze - die Petrusmünze, an der man den wahren Papst erkennt. Ein erstes, fehlgeschlagenes Attentat auf sie verrät Marlene, dass sie auf der richtigen Spur ist. Und dann taucht ein Fremder auf, der sich als Gesandter des Vatikans ausgibt, und bietet ihr seine Hilfe an.

Von Marseille über Avignon bis nach Rom - die rasante Jagd nach einer verschollenen Reliquie und einer machtvollen Bruderschaft.

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