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Helene Köppel





Helene Luise Köppel lebt als freie Autorin in Schweinfurt. Zuhause fühlt sie sich seit Jahrzehnten aber auch in Collioure, Südfrankreich, ihrer Wahlheimat, wohin sie sich, wann immer es ihr möglich ist, zurückzieht, um dort zu schreiben oder im Umland - dem pays cathare, für einen neuen Roman zu recherchieren.
Ihre vielfältigen Interessen und ihr soziales Engagement spiegeln sich in ihren Romanen wider.
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Präludium zu einem Roman

VON HELENE KÖPPEL

Als mir vor vier Jahren in einem Antiquariat eine der Schutz- und Denkschriften Voltaires zum „Fall Calas“ in die Hände fiel und ich furchtbar betroffen war, als ich diese Zeilen las, dachte ich lange über Zufälle nach und darüber, ob es stimmt, dass sich bestimmte Themen ihre Schriftsteller aussuchen. Nach Albigenserkreuzzug (Die Ketzerin vom Montségur), Gralsverschwörung (Die Erbin des Grals) und Inquisition (Das Gold von Carcassonne), nun auch noch Hugenottenverfolgung, fanatische Bußbruderschaften, religiöse Intoleranz?
Eigentlich hatte ich einmal etwas „Leichtes, Lockeres“ schreiben wollen, ein Buch, hinter dem kein großes Anliegen stand. Ich legte das kleine graue Heftchen zur Seite.
Doch damit war es nicht abgetan. Wohl wissend, dass aus einem Schneeball eine Lawine werden kann, kaufte ich mir die Werke Voltaires. Es schadet nichts, alles über die Familie Calas und den Mann zu wissen, der sich seinerzeit für eine Wiederaufnahme des Falles eingesetzt hat, sagte ich mir, vielleicht schreib ich die Geschichte später einmal auf. Ja, später.


Voltaire fesselte mich. Er schrieb „leicht und locker“ (dazu zeitlos, amüsant, ironisch, pointiert), bekämpfte in seinen Schriften aber auch „mit der ganzen Kraft seiner Empörung“ (Gier/Paschold) den religiösen Fanatismus. Als ihn jemand fragte, weshalb er sich für den Fall Calas eingesetzt hätte, antwortete er: „Weil sich sonst keiner darum gekümmert hat!“ Sollte ich (ohne mich je mit ihm vergleichen zu wollen) diese Geschichte mit meinen Worten erzählen, dort einsteigen, wo mich die Wut gepackt hatte, wo es weh tat?
Ich entschloss mich dazu. Mit Voltaires Traité sur la tolérance im Reisegepäck fuhr ich nach Collioure, einem der späteren Schauplätze meines Romans, las Voltaires Abhandlung noch einmal in aller Ruhe, im Schein einer kalten Ostersonne, verstand, weshalb man ihn „das Gewissen Frankreichs“ nannte. In der Nacht zuvor, die Karfreitagsprozession von Collioure: Dröhnende Trommelschläge, Büßer mit hohen spitzen Hüten, laute Schreie, versteckte Augen hinter Kapuzenschlitzen… Unheimlich, ja suggestiv war die Stimmung, die über Collioure lag, schrieb ich später.


Eine Recherchereise weiter, auf der Zugfahrt nach Toulouse, war der Plot bereits entwickelt, die Affäre Calas in eine weitgehend fiktive Gegenwartshandlung eingebunden. Auch die Zugfahrt würde im Roman eine Rolle spielen. In La ville rose angekommen – so nennt man die Stadt ihrer roten Backsteinhäuser wegen -, gewährte mir der Konservator des Augustiner-Museums am einzigen Ruhetag der Woche eine Privatführung. Er machte mich auch auf die Symbolsprache des Malers Nicolas Tournier aufmerksam, der zu seiner Zeit für die Büßer gearbeitet hatte. Nicht ahnend, dass ich eines einzigen Fotos wegen meinen Plot noch einmal umschreiben würde, fuhr ich zurück. Bei der Vergrößerung der Aufnahme (Portalwappen der Büßer von Toulouse) entdeckte ich eine geheimnisvolle Inschrift, worauf ich neue Fäden in ein bereits gewebtes vielschichtiges Muster zog, die ihrerseits eine Tempoanpassung erforderlich machten - gewissermaßen von andante zu presto …
Aus der Geschichte eines der rätselhaftesten Kriminalfälle des 18. Jahrhundert entwickelte sich ein Thriller.

Inzwischen liegt „Die Affäre Calas“ „fertig komponiert und aufgeschrieben“ in den Buchhandlungen und der Autorin bleibt nun nichts weiter übrig, als ein spannendes Lesevergnügen zu wünschen, was sie hiermit auch tut!




Veröffentlichungen:



Die Affäre Calas

Verlag: Aufbau Tb (2007)
ISBN-10: 3746623707
ISBN-13: 978-3746623702
400 Seiten
10,95 Euro


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Klappentext:

An ihrem 33. Geburtstag erfährt die junge Anwältin Sandrine Feuerbach, daß ihre Tante Charlotte in Toulouse gestorben ist. Sandrine fährt sofort von Nürnberg nach Südfrankreich zur Beerdigung, wo etliche Überraschungen auf sie warten. Nicht genug, daß die Tante ihr zwei Anwesen Frankreich hinterlassen hat, in ihrem Testament offenbart sie das Geheimnis der Herkunft ihrer Familie. Sandrine ist eine echte Calas, und damit wird die grausame "Affäre Calas" des Jahres 1761 zu einem Teil ihrer Familiengeschichte. Damals war der älteste Sohn der Familie unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen. Die mysteriöse Bruderschaft der Weißen Büßer beschuldigte den Vater, seinen Sohn ermordet zu haben, weil er vom protestantischen zum katholischen Glauben konvertieren wollte. Als Sandrine alte Papiere findet und mit Hilfe ihres Jugendfreundes Henri weitere Nachforschungen anstellt, versucht jemand, sie zu ermorden, und Henri verschwindet spurlos. Alle Spuren führen zu zwei noch heute einflußreichen Geheimbruderschaften, die bereits beim Fall Calas nicht vor Mord zurückschreckten.
Ein packender Kriminalfall, der bis zur Hugenottenverfolgung zurückreicht.


„Hors d`œvre" (kleine Leseprobe)

Eine ganze Stunde lang blieb ich im warmen Wasser und überließ mich meinen Gedanken, aus denen ich nur einmal aufschrak, weil ich mir einbildete, etwas an der Tür gehört zu haben. Als ich nach Henri rief, antwortete niemand.
Wenig später hüllte ich mich in eines der weichen Hotelbadetücher und legte mich aufs Bett, um ein wenig zu lesen. Doch ich konnte mich nicht konzentrieren, obwohl der Krimi, den mir Henri bei der Ankunft in Collioure heimlich aufs Kopfkissen gelegt hatte, recht spannend war. Er hieß „Fliehe weit und schnell", und noch heute wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass ich Henri überredet hätte, noch in der gleichen Stunde mit mir dieser Aufforderung Folge zu leisten.
Doch was oder wen wir beeinflussen können, ist für alle Menschen unterschiedlich. Deshalb war es auch so schwer, zu verstehen, was in der Familie Calas passiert war. Wir wussten zu wenig über die Protagonisten. Voltaire schrieb, dass im Languedoc eine teuflische Raserei geherrscht hätte, die einst von der Inquisition im Gefolge von Simon de Montfort - dem Katharerjäger - eingeschleppt worden war. Wer die teuflische Raserei in Toulouse angeheizt hatte, war klar - die Weißen Büßer -, doch wer hatte sie inszeniert? Und warum gebot ihr keiner Einhalt?
Henri hatte mir beim Mittagessen gestanden, dass er vor einem Jahr begonnen hätte, eine Dreyfus-Biographie zu schreiben, aber erst jetzt seien ihm die Parallelen zur Calas-Affäre klargeworden. Der äußerst erfolgreiche Dreyfus war Jude, der angesehene Tuchhändler Calas Hugenotte. In beiden Fällen war es also im Hintergrund um Religion gegangen, hatte jemand dafür gesorgt, dass die Volksseele kochte, und hatte es offensichtliche Verfahrensmängel gegeben. Dreyfus wurde auf die Teufelsinsel verbannt, später erfolgte seine Rehabilitation.
Für Jean Calas war sie zu spät gekommen.
Müde vom Bad und vom Nachdenken, steckte ich den Krimi unter Henris Kopfrolle, stellte den Wecker auf achtzehn Uhr dreißig, und kuschelte mich in die Decke. Ich schlief rasch ein, träumte jedoch völlig wirr - und wie sollte es auch anders sein - von roten Talaren und in die Stirn gerutschten Alongeperücken. Aufgebracht stritt ich mit den Richtern um Gerechtigkeit, während draußen vor den Fenstern des ehrwürdigen Gerichts das alte Toulouse brodelte. Ein höllischer Spuk war entfesselt worden. Ich hörte Wiehern, Peitschenknallen, die Schreie des aufgeputschten Pöbels: „Tod den Hugenotten!" Ich sah den Prior der Weißen Büßer auf ein Gerüst steigen und predigen. Kein Wunder, dass die Gebete und frommen Karfreitags-Gesänge, die aus den Gassen von Collioure in mein Zimmer drangen, sich im Halbtraum in die monotone Litanei der frommen Büßer und das eifernde Gebet des Priors verwandelten - und in den Schrei eines Mannes, dessen Gesicht zu sehen mir verwehrt blieb, so sehr ich mich auch anstrengte: „Tod dem alten Calas!"
Endgültig aufgeschreckt durch den blechernen Lärm mehrerer Lautsprecher, sah ich auf die Uhr. Ich hatte ich gerade einmal zehn Minuten geschlafen.
Ich sprang auf und lief ans Fenster ...



Weitere: (für mehr Informationen bitte Link anklicken)



Die Ketzerin von Montsegur


Die Erbin des Grals


Das Gold von Carcassonne


Die Geheimen Worte. Südfrankreich im Jahre 1299


Die Erbin des Grals

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