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Im Land der Regenbogenschlange




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Corina Bomann wurde 1974 in Parchim geboren. Schon in jungen Jahren begann sie mit dem Schreiben und machte es im Jahr 2002 zum Beruf. Da sie eine große Leidenschaft für Geschichte hat, schreibt sie vorrangig historische Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt und arbeitet in einem kleinen Dorf in Norddeutschland.

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Im Land der Regenbogenschlange


VON CORINA BOMANN

Australien - der rote Kontinent. Noch immer geht eine große Faszination von diesem Land auf der anderen Seite der Welt aus. Denken wir an Australien, sehen wir endlose Landschaften roten Sandes vor uns. Wir haben flirrende Hitze, Kängurus, Eukalyptus und Koala-Bären im Sinn. Wir hören von Buschfeuern und lernen die neu erwachte Kultur der Aborigines kennen. Reisen auf diesen Kontinent sind dank moderner Verkehrsflugzeuge keine allzu große Strapaze mehr. Jeder, der einmal dort war, ist fasziniert von dem Land und seinen Bewohnern.

Doch das war nicht immer so.

Australien, im Jahre 1770 von James Cook entdeckt zur britischen Kolonie erklärt, wurde aufgrund der großen Wüstenflächen zunächst für ein nutzloses Ödland gehalten und zur Strafkolonie gemacht. Nach Australien verschifft zu werden kam für manche Sträflinge der Todesstrafe gleich, denn die Passage war unsicher, und wenn die Schiffe doch ihr Ziel erreichten, erwartete sie giftige Tiere (in Australien gibt es die giftigsten Schlangen der Welt), sengendes Klima und Krankheiten durch Mangelernährung, weil sie nicht wussten, welche Gewächse essbar waren und welche nicht.

Doch nach einer Weile strömten Forscher und Siedler in das Land. Sie entdeckten nach und nach Flora und Fauna und stießen auf ansässige Eingeborene, die Aborigines, von denen es unzählige Stämme gab. Auseinandersetzungen, die meist auf Missverständnissen beruhten, blieben nicht aus.

Beispielsweise gibt es in der Kommunikation der Aborigines das Prinzip: „Stell keine Fragen!" Fragen werden noch heute als unangenehm empfunden, sie drängen den Gefragten in die Ecke. Besser ist es, gegenüber einem Aborigine eine Vermutung über einen Sachverhalt auszudrücken und dann zu hören, was der Gesprächspartner zu sagen hat.

Das hat bei den ersten Siedlern gewiss zu einigen Verwirrungen und falschen Urteilen geführt.

Während die Aborigines keinen Landbesitz kannten und den gesamten Boden als ihre Heimat ansahen, die Heimat, die von der Regenbogenschlange geschaffen worden war, steckten die Einwanderer ihre Territorien genauestens ab und sahen jedes Eindringen der Eingeborenen als Aggression an, woraus sehr viel Leid für die Aborigines erwuchs.

Seit 1820 wanderten Menschen, die zunächst vorrangig aus England stammten, in die ehemalige Strafkolonie aus. Das Versprechen von Land und einer neuen Existenz lockte sie. Zuhause herrschte Hunger, Armut und Landmangel, „Terra australis" versprach ihnen Reichtum und Glück. Oftmals endete dieser Traum jedoch in einem feuchten Grab auf See, denn der Ozean vor Australien war von Stürmen geplagt. Segelschiffe konnten das Unwetter nur mit sehr viel Glück und Können der Mannschaft überstehen.

Mit den neuen Dampfschiffen erlangten die Reisenden etwas mehr Komfort, dennoch dauerte die Überfahrt lang und verlangte der Mannschaft und den Passagieren oftmals alles ab. Den neuen Luxus an Bord konnten sich dabei nur wenige leisten. Die Fahrkarten waren sehr teuer, selbst für das Zwischendeck. Die meisten Passagiere verkauften all ihr Hab und Gut und stürzten sich in Schulden, um sich den Traum von einem neuen Leben zu erfüllen. Mit dem wenigen Gepäck, das sie noch besaßen, mussten sie oft wochenlang in den Wartehallen ausharren, bis sie endlich an Bord gehen konnten.

Während einige wenige Auswanderer rasch zu Geld und einer Behausung kamen, erwartete die meisten ein beschwerlicher Weg. Es war leicht, Land zu erwerben, denn die Regierungen förderten die Ansiedlung. Den Boden allerdings fruchtbar zu machen, war besonders in Australien schwierig, denn die Wetterverhältnisse unterschieden sich gravierend von denen in Europa. Wo dort Sommer ist, herrscht in Australien Winter. Buschbrände, die in Australien häufiger in der Trockenzeit auftreten und wichtig für das ökologische Gleichgewicht sind, bedrohten die Farmen und vernichteten oftmals mühsam aufgebaute Existenzen.

Während einige Auswanderer das erste Jahr auf dem neuen Kontinent nicht erlebten, wurden andere in Missionen verschiedener christlicher Glaubensrichtungen aufgefangen. In Zelten untergebracht und mit Nahrung und Kleidung versorgt, konnten sie sich auf die Suche nach Arbeit machen. Allerdings blieben auch Krankheiten nicht aus. Der Typhus trat besonders in Städten recht häufig auf, weil die hygienischen Bedingungen zuweilen sehr mangelhaft waren.

Mit den zahlreichen Einwanderern, die vorwiegend aus Irland und Schottland stammten, kamen auch einheimische Bräuche ins Land, die sich an die natürlichen Gegebenheiten anpassen mussten. Weihnachten und Neujahr wurden traditionell mit Black Bun und Mince Pie gefeiert - und das in größter Hitze, denn im Dezember ist in Australien Sommer. Ostern fand im australischen Herbst statt.

Die mitgebrachten Bräuche und der Glaube der Weißen kollidierten allerdings immer wieder mit der Kultur der Aborigines, die keinen Gott verehrte, sondern Naturgeister, allen voran die mystische Regenbogenschlange, die in ihren Augen die Welt erschaffen hatte. Die Fülle der Geschichten, die unter den Aborigines von Generation zu Generation weitergegeben wurde, ist endlos. Es gibt Mythen über die Entstehung der Menschen aus tierischen Ahnen (die von ihren Abkömmlingen nicht gejagt werden durften), Geschichten über Gestaltwandler und ruhelosen Geistern. In neuerer Zeit wurde durch Bruce Chatwin der Begriff „Songlines" (zu Deutsch Traumpfade) geprägt. Aufzeichnungen führten die Aborigines nicht, bestenfalls hinterließen sie Zeichnungen auf Felsen. Die meisten ihrer Kunstwerke waren jedoch flüchtig, weil im Sand gezeichnet.

Die eingewanderten Engländer, denen als Kinder des 18. und 19. Jahrhunderts der Sklavenhandel nicht unbekannt war, sahen die Aborigines und ihre Kultur aus Unkenntnis und Intoleranz als minderwertig an. Teilweise kam es zu blutigen Massakern, um Stämme aus Gebieten, die für Weiße interessant waren, zu verdrängen. Ganze Stämme wurden ausgerottet, ihre Namen und Kultur für immer vom Erdboden getilgt. Die wenigen Mutigen, die sich dieser Ungerechtigkeit entgegenstellten, brachten sich mit dem Versuch, die Aborigines zu schützen, selbst in Gefahr.

Obwohl die Aborigines Mitte des 19. Jahrhunderts englische Staatsbürger wurden und die gleichen Rechte innehaben sollten, wurden sie dennoch immer wieder zwangsumgesiedelt, getötet und ihrer Kinder beraubt, die zu weißen Familien gegeben wurden, um umerzogen zu werden.

Erst in der heutigen Zeit hat man eingesehen, dass dieses Vorgehen falsch war.

2008 hat sich der australische Premierminister Kevin Rudd am sogenannten „Sorry Day" für das Stehlen der Kinder entschuldigt.

Obwohl großer Schaden am kulturellen Erbe der Aborigines entstand, schafften es die Rassisten nicht, die kulturellen Schätze der Aborigines gänzlich auszulöschen. Die Geschichten über die Ahnengeister und die Regenbogenschlange werden sich noch immer erzählt, die Höhlenmalereien, die vom Alltag der Aborigines berichten, sind immer noch gehalten und werden mittlerweile als Kulturgüter geschützt. Die Aborigines leben mittlerweile nicht mehr als Nomaden, aber sie erhalten nach und nach die Chance, ihre Kultur und ihren Glauben zu pflegen und dem nachzukommen, was sie als göttlichen Auftrag ansehen: Das Land zu bewahren und zu hüten.

All diese faszinierenden Fakten zu einem Buch aufzubereiten, war für mich eine interessante Herausforderung. Angesichts der vielschichtigen Kultur der Aborigines und der vielen Stämme konnte ich leider nur die wichtigsten Fakten für mein Jugendbuch aufgreifen. Aber dennoch hoffe ich, dass ich damit den Lesern den Anstoß gebe, sich für dieses Land und seine Geschichte zu begeistern.

Corina Bomann, 2009

Ein weiterer Artikel von Corina Bomann - Wie wird man Spionin?



Veröffentlichungen:


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Der Pfad der roten Träume
Verlag: Carl Ueberreuter Verlag
ISBN-10: 3800054981
ISBN-13: 978-3800054985
320 Seiten
12,95 Euro

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:

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Australien - für die englischen Mädchen Lucy und Anne bedeutet es im 19. Jahrhundert den Traum von einem neuen Leben. Als Anne schon kurz nach ihrer Ankunft in Perth stirbt, ist Lucy ganz alleine. Doch dann lernt sie einen Farmer und seinen Sohn kennen und gerät in ein Abenteuer zwischen Viehbaronen, Aborigines und der ganz großen Liebe.




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Die Spionin
Verlag: Droemer
ISBN-10: 3426638460
ISBN-13: 978-3426638460
659 Seiten
8,95 Euro

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:

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London, 1585: Als man die Diebin Alyson in den Tower bringt, scheint ihr Schicksal besiegelt. Doch Francis Walsingham macht ihr ein unglaubliches Angebot ...
Alyson soll der Königin als Spionin dienen! Doch die Ausbildung ist hart, nicht nur, weil Walsingham jeden Fehler unnachgiebig straft. Eine Spionin darf niemandem vertrauen – und es ist ihr verboten, sich zu verlieben … Ihr abenteuerliches Leben führt Alyson in Hafenbordelle, aber auch in die Gemächer Elisabeth I.; sie sieht den Kopf Maria Stuarts fallen und muss ihr Leben riskieren. Doch das alles dient nur dazu, sie auf die größte Herausforderung vorzubereiten: In Spanien muss sie eine Möglichkeit finden, das Auslaufen jener Armada zu verhindern, die England erobern und London in Schutt und Asche legen will – die Stadt, in der auch ein ganz besonderer Mann lebt, den sie seit langem heimlich begehrt.



















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