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Interview mit Andreas Winkelmann

 

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Andreas Winkelmann, geboren im Dezember 1968, entdeckte schon in jungen Jahren seine Leidenschaft für unheimliche Geschichten. Als Berufener hielt er es in keinem Job lange aus, war unter anderem Soldat, Sportlehrer und Taxifahrer, blieb jedoch nur dem Schreiben treu. »Der menschliche Verstand erschafft die Hölle auf Erden, und dort kenne ich mich aus«, beschreibt er seine Faszination für das Genre des Bösen. Er lebt heute mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldesrand nahe Bremen.

 

 

 

Buechertitel.de: „Blinder Instinkt“ ist Ihr vierter Thriller. Das Buch erschien Mitte Januar und ist bis heute bereits 79 Tage in der Bestseller-Liste von Amazon vertreten. Sah es bei Ihren anderen Büchern ähnlich aus?

Andreas Winkelmann: Nein. Das erste Buch, „Der Gesang des Scherenschleifers“ erschien noch in einem ganz kleinen Verlag und war auf keiner Liste zu finden – und auch in fast keinen Buchladen. Das änderte sich aber mit „Tief im Wald und unter der Erde“ und „Hänschen Klein“, die beide den Erfolg jeweils steigern konnten.

Buechertitel.de: Geben Sie uns doch bitte einen kleinen Einblick, worum es in dem Buch geht?

Andreas Winkelmann: Es geht um Verantwortung und was passiert, wenn man ihr nicht gerecht werden kann. Ein junger Mann ist gezwungen, auf seine kleine, blinde Schwester aufzupassen, doch sie verschwindet spurlos. Zehn Jahre später erfährt er zufällig von einem ganz ähnlichen Fall und beschließt, der Sache auf eigene Faust nachzugehen. Dabei betritt er die Welt eines absonderlichen Psychopathen. Eine Welt, die unsere Vorstellungskraft sprengt.

Buechertitel.de: Seit wann schreiben Sie?

Andreas Winkelmann: Schon als Schüler habe ich eigene Geschichten verfasst, teilweise in meine Mathematikhefte, wenn der Unterricht mal wieder langweilig war. Mathe war nie mein Lieblingsfach. Ich habe dann im Laufe der Jahre verschiedene Berufe ausgeübt, habe zwischendurch das Schreiben auch mal aus den Augen verloren, aber nie ganz aufgegeben. Vor der ersten Veröffentlichung standen aber gut zehn Jahre regelmäßiges Schreiben im stillen Kämmerlein.

Buechertitel.de: Alex Dengler bezeichnet Sie als ein Wunderkind der deutschen Psychothriller-Literatur. Sind Sie ein Wunderkind?

Andreas Winkelmann: Nein, bin ich nicht, zumindest empfinde ich es nicht so. Wie bei den meisten anderen Autoren auch, die scheinbar über Nacht berühmt werden, stecken viele Jahre harte Arbeit dahinter, kein Wunder. Ich habe eine Leidenschaft, das Schreiben, habe viel Disziplin und wohl auch Talent, und der Rest ist tatsächlich Arbeit, Arbeit, Arbeit. Aber sie macht Spaß! Eine schönere kann ich mir nicht vorstellen.

Buechertitel.de: Wie entstehen Ihre Ideen zu den Büchern?

Andreas Winkelmann: Oft aus kurzen Eindrücken in meinem Alltag. Nehmen wir zum Beispiel Blinder Instinkt. Ich fuhr durch eine Ortschaft und beobachtete am Straßenrand ein Pärchen. Ein junger Mann, etwa fünfzehn Jahre alt, ging vor einem vielleicht sieben Jahre alten Mädchen. Das Mädchen hatte ihre Hand auf seiner Schulter und ließ sich von dem Jungen führen. Für mich sah es so aus, als sei sie blind. Ich dachte: Was für eine Verantwortung, und stellte mir gleich die Frage, was wohl passieren würde, wenn dieser junge Mann seiner Verantwortung nicht gerecht werden würde. Das war die Grundidee. Mehr brauchte es nicht, um mich an den Schreibtisch zu fesseln.

Buechertitel.de: Haben Sie bestimmte Zeiten, in den Sie schreiben?

Andreas Winkelmann: Mittlerweile hat es sich so eingependelt, dass ich morgens drei Stunden arbeite und dann abends ungefähr noch mal so lange. Das sind die ruhigsten Zeiten im Haus. Es gibt aber auch Tage, da lässt die Geschichte mich überhaupt nicht los, andererseits auch solche, an denen nichts läuft. Darauf muss man Rücksicht nehmen, da Schreiben ein lebendiger Prozess ist, der sich nicht immer in strikte Zeiten pressen lässt.

Buechertitel.de: Fast jeder Autor fürchtet Schreibblockaden. Sie auch?

Andreas Winkelmann: Ich habe beim Schreiben des einen Buches oft schon die Idee fürs nächste, insofern musste ich mir darüber noch keine Gedanken machen. Aber es gibt natürlich Zeiträume, in denen man am Text und an sich selbst zweifelt und alles hinwerfen will. Das sind dann die dunklen, weniger spaßigen Seiten des Jobs. Aber mit langen Spaziergängen mit meinem Hund, oder einem nächtlichen Besuch auf dem Friedhof, komme ich da drüber hinweg.

Buechertitel.de: Gibt es Vorbilder?

Andreas Winkelmann: Reinhold Messner. Das klingt merkwürdig, ich weiß, der schreibt ja schließlich keine Thriller. Aber es hat in Messners Leben Situationen gegeben, in denen er fast schon unmenschliche Disziplin hervorgebracht hat, nicht aufgegeben hat, an sich geglaubt hat und sich durch nichts und niemanden hat beirren lassen. Ganz ähnliche Eigenschaften braucht man als Schriftsteller.

Buechertitel.de: Arbeiten Sie bereits an einem neuen Projekt?

Andreas Winkelmann: Immer. Wenn ein Buch fertig ist, lege ich eine kurze Pause ein, aber schon bald beginnt die neue Idee unter den Fingernägeln zu brennen. Dann ist es Zeit, die Tastatur qualmen zu lassen. Und das nächste Buch „Bleicher Tod“ erscheint ja schon im November 2011.

Buechertitel.de: Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Sie ein Outdoor-Freak sind. Vor 4000er machen Sie sich keine Bange. Sind Sie schon einmal in eine Gefahrensituation gekommen?

Andreas Winkelmann: Im letzten Herbst habe ich zur Fuß die Alpen überquert, von Oberstdorf in Bayern bis nach Bozen in Italien. Zehn Tage hat es gedauert, und dabei überschreitet man Passhöhen bis über 3000 Meter. Nachdem es nachts geschneit hatte, war die Felswand am nächsten Morgen vereist, und eigentlich hätte ich nicht aufsteigen dürfen, habe es aber trotzdem getan. Und bin prompt und zum ersten Mal abgestürzt. Mein riesiger Rucksack hat mich glücklicherweise in einer Felsspalte eingeklemmt, so dass der Sturz abgefangen wurde. Danach zitterten mit ganz schön die Knie. Die Tour war aber trotzdem atemberaubend und einzigartig.

Buechertitel.de: Ich bedanke mich recht herzlich für dieses Interview.

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de.


 

Veröffentlichung:

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Blinder Instinkt
Andreas Winkelmann
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-10: 3442473381
ISBN-13: 978-3442473380
416 Seiten
8,99 Euro

Preis zum Zeitpunkt des Interviews

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:

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oder hier:

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Brutale Morde im Schatten des Doms
Köln 1248. Gerhard von Rile hat soeben seinen Dienst als Dombaumeister angetreten, als ein verheerender Brand den alten Dom vorzeitig vernichtet. Doch damit nicht genug, sein Neffe Gerwich wird Zeuge eines Mordes, der kein Einzelfall bleibt: Junge Männer aus den verfeindeten Ständen der Händler und Handwerker sterben. Doch kein Richter entscheidet über Schuld oder Unschuld der Verdächtigen, sondern ein Stein, der magische Kräfte haben soll: die Blutsäule. Können die Mönche Albertus Magnus und Thomas von Aquin, denen Gerwich sich angeschlossen hat, die Morde aufklären?
"Finde den Mann, der die Säule von Sankt Gereon beherrscht, und das Töten wird ein Ende haben."

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