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Interview mit Dagmar Trodler




Quelle Foto: Dagmar Trodler

Dagmar Trodler, Jahrgang 1965, arbeitete als Krankenschwester und studierte außerdem Geschichte und skandinavische Philologie in Saarbrücken, Aachen und Köln. Ihre Faszination für das Eintauchen in vergangene Zeiten und fremde Welten führte zu dem Entschluss, ihren großartigen historischen Erstlingsroman zu schreiben: “Die Waldgräfin”.


Buechertitel.de: Sie haben Geschichte und skandinavische Philologie studiert. Was verbindet Sie mit Skandinavien?

Dagmar Trodler: Ursprünglich hatte ich das Studium begonnen mit dem Ziel, sehr schnell schwedisch zu lernen, um Fachbücher lesen zu können, auf die ich während meiner Recherchen zur „Waldgräfin" gestoßen war. Ein sicher ungewöhnlicher Grund, ein Studium zu beginnen.. Ich hatte damals keine Verbindungen zu Schweden. Aus dem Schwedischkurs ist mehr geworden - eine zweite Fremdsprache, Besuche in Schweden und Island, Freunde - eine tiefe Liebe zum Norden. Kultur und Natur, die Sprache und der Menschenschlag sind mir nah, ich mag den Humor und die Erdverbundenheit der Skandinavier, ich mag die Art, wie sie erzählen, wie sie musizieren. Aus der Geschichte heraus betrachtet mag ich die Art und Weise, wie man mit Obrigkeit umgeht, damals wie heute. Ihre Art, sich der Welt zu präsentieren, ist so ganz anders als wir das aus unserer urchristlich-verkirchlichten Tradition her kennen. Und ein kleines bisschen Wikingertum haben sie sich bewahrt, könnte man sagen.

Buechertitel.de: Auf Ihrer Internet-Seite www.dagmartrodler.de schreiben Sie, dass Sie die erste Kurzgeschichte mit 6 1/2 Jahren verfasst und mit 13 Jahren Ihren ersten Roman geschrieben haben. Was hat Sie faszinierte Sie sich schon so früh am Schreiben?

Dagmar Trodler: Als Kind denkt man ja nicht nach - man tut es einfach. Ich hatte immer schon Geschichten in mir, die raus wollten. Natürlich war das damals alles Kinderkram, aber Schreiben ist für mich bis heute ein Ventil.

Buechertitel.de: Erst in 2000 haben Sie sich dann erst wieder dem Schreiben zugewandt. Haben Sie damit gerechnet, dass gleich Ihre erste Veröffentlichung so erfolgreich sein würde?


Dagmar Trodler: Vorher ist mir tatsächlich nichts eingefallen - während meiner ganzen Schul- und Lehrzeit war Funkstille in meinem Kopf, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt war.
Nein, mit dem prompten Erfolg habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das Buch lag ja schon eine Weile herum, niemals hätte ich mich getraut, es loszuschicken, wenn meine berufliche Laufbahn im Krankenhaus nicht so ein abruptes, unschönes Ende gefunden hätte und etwas in meinem Leben passieren musste. Manchmal muss man einfach mal richtig mutig sein.

Buechertitel.de: Mit Ihrer Triologie um Alienor von Sassenberg, der Gräfin aus der Eifel haben Sie sich in die Herzen der Fans von historischen Romanen geschrieben. Im Mai letzten Jahres erschien der Island-Roman „Der letzte lange Sommer" der ebenso guten Kritiken erhält. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Dagmar Trodler: Ein „Erfolgsrezept" können andere immer viel besser analysieren.
Ich versuche authentisch zu sein. Ich bin überzeugt, der Leser merkt, wenn man ihm was vormacht, was nicht da ist. Mein Schreiben ist dicht am Menschen, und vielleicht ist es das, was im Kopf des Lesers bleibt, wenn er das Buch zuende gelesen hat. Vielleicht sogar, weil er sich selbst in der Geschichte gefunden hat.
Das Islandbuch ist da sehr speziell. Wer hat nicht schon mal drüber nachgedacht, den Bettel hinzuschmeißen und abzuhauen? Ich liebe dieses Buch, weil sich Alltagsapathie und Enttäuschung in Ruhe und Schönheit verwandeln. Mir gibt die Geschichte immer noch sehr viel.

Buechertitel.de: Wie sieht Ihr schriftstellerischer Arbeitstag aus?

Dagmar Trodler: Meine Bücher sind work in progress - mit Recherche ist man nie fertig, immer findet man hier noch ein Detail, dort einen Aspekt ... ich schreibe meine Bücher in einem runter und arbeite viel mit Bildern in meinem Kopf. Ist das Bild nicht komplett, kann ich es nicht aufschreiben. Autofahren wirkt da wie ein Katalysator - die Welt um mich herum bewegt sich, ich sitze ganz still und bin konzentriert (weil ich fahre), und dann kommen die Bilder. Funktioniert immer auf der Autobahn.

Buechertitel.de: Können Sie sich noch an eine Frage eines Lesers erinnern, die Sie besonders beeindruckt hat?

Dagmar Trodler: Es ist frappierend, wie genau Leute lesen. Bei einer Lesung machte mich ein Zuhörer drauf aufmerksam, daß man in einem Bach sein Spiegelbild ja nicht sehen könne.
Kürzlich habe ich vor einer 7. Klasse (Gymnasium) gelesen - das hat großen Spaß gemacht - die Fragen der Kinder waren so direkt. „Sind Sie reich?" (Nein) - „Wie schreibt man 500 Seiten?" (indem man vorher nicht drüber nachdenkt) „Fanden Sie Geschichtsunterricht früher gut?" (Nein) „Machen Sie viele Rechtschreibfehler?" (Ja)

Buechertitel.de: Welche Bücher haben in Ihrem Bücherregal einen besonderen Platz?

Dagmar Trodler: Meine botanische Sammlung ist inzwischen sehr umfangreich. In dem Regal stehen auch alle Bücher über Magie und Aberglauben. Ich bin ja medizinisch sehr interessiert und irgendwie gehört das für mich alles zusammen.
Mein Lieblingsroman ist „Der rote Ritter" von Adolf Muschg. Die Sprache in diesem Buch ist einfach umwerfend.

Buechertitel.de: Verraten Sie uns, wie Ihre Pläne aussehen?

Dagmar Trodler: Fleissig weiterschreiben. Dieses Jahr steht ein Abgabetermin an - die Geschichte wird sich im griechisch-albanischen Grenzgebiet zutragen. Mein nächstes Projekt wird mich nach Schottland führen. Eine isländische Geschichte sitzt noch im Hinterkopf, dazu müsste ich aber noch mal auf die Insel, was sich derzeit leider nicht abzeichnet. Meine journalistische Tätigkeit würde ich auch gerne weiter ausbauen.

Buechertitel.de: Recht herzlichen Dank, dass Sie sich für die Beantwortung der Fragen Zeit genommen haben. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de


Filmbeitrag über Dagmar Troder im wdr vom 22.12.2007



Veröffentlichungen von Dagmar Trodler:

Die Waldgräfin
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442364248
ISBN-13: 978-3442364244
608 Seiten
7,95 Euro



Freyas Töchter
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442361826
ISBN-13: 978-3442361823
511 Seiten
9,95 Euro



Die Tage des Raben
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442366011
ISBN-13: 978-3442366019
541 Seiten
8,95 Euro



Der letzte lange Sommer
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442366925
ISBN-13: 978-3442366927
320 Seiten
7,95 Euro



Die Rose von Salerno

Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3764501715
ISBN-13: 978-3764501716
416 Seiten
19,95 Euro


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