Buechertitel.de - Bücher Shop

Interview mit dem Autorenteam Karola Hagemann und Ilka Stitz


Fotos Quelle: Die Autorinnen Hagemann und Stitz


Hinter dem Pseudonym Malachy Hyde verbirgt sich das Autorenteam Karola Hagemann und Ilka Stitz. Die beiden Autorinnen schreiben gemeinsam Krimis aus dem alten Rom. In ihrer Silvanus - Reihe sind bereits vier Bücher entstanden.
Das Geheimnis des Mithras-Tempels erschien 2006 im Grafit Verlag unter Hagemann&Stitz. Ein neuer Name und ein neuer Akteur - Gaius Claudius Quintilianus.



Buechertitel.de: Sie beide kennen sich noch aus der Zeit am Gymnasium in Hannover. Wann entschlossen Sie sich gemeinsam an einem Buch zu arbeiten?

Stitz: Nach einer gemeinsamen Reise in die Türkei entdeckten wir unsere Liebe zu den antiken Stätten. Vor allem der Apollontempel in Didyma begeisterte uns so, dass wir uns in den folgenden zwei Jahren mit der verfügbaren Literatur beschäftigten. Danach war es nur noch ein kleiner Schritt zu sagen: jetzt wissen wir soviel darüber, haben uns so viele Gedanken über mögliche Geschehnisse rund um den Tempel gemacht, jetzt können wir auch ein Buch darüber schreiben.

Hagemann: Wir ergänzten - und ergänzen - uns auf dem Feld auch recht gut, Ilka, die Archäologie studierte, ich mit dem Studium u.a. der Geschichte, das passt hervorragend in die Antike. Und obwohl wir mit dem Schreiben erst ca. 15 Jahre nach dem Abitur begannen, in unterschiedlichen Städten studierten und leben - hatten wir immer das gemeinsame historische Interesse, tauschten Bücher und Gedanken.

Buechertitel.de: Wie muss man sich die Arbeit eines Autorenteams vorstellen? Wer ist für was zuständig?

Stitz: Vor dem Schreiben am ersten Buch ein jeder Reihe entwickelten wir die Hauptpersonen gemeinsam, statteten sie mit bestimmten Charaktereigenschaften aus, erdachten Lebensläufe für sie. Danach überlegten wir uns die eigentliche Geschichte. Im Laufe des Schreibens kommen dann natürlich noch weitere Details hinzu. Die Personen wachsen mit jedem Buch. Seither setzen wir uns zu Beginn eines jeden neuen Romans zusammen und entwickeln die Handlung gemeinsam.

Hagemann: Spezielle Zuständigkeiten hat keine von uns. Wir schreiben szenenweise, das hat den Vorteil, dass wir uns gegenseitig motivieren, weiterzumachen, dass wir Ideen diskutieren und entweder weiterverfolgen oder auch verwerfen können. Am Ende wird das Ganze natürlich noch angeglichen und überarbeitet - das ist ein gutes Stück Arbeit bei zwei Autorinnen.

Buechertitel.de: Gehen Sie immer gemeinsam auf Recherchereisen?

Stitz: Wenn es sich einrichten lässt, schon. Als wir an den Romanen arbeiteten, die in der Provinz Asia spielen, reisten wir fast jedes Jahr einmal in die Türkei. Ob Didyma, Ephesos oder Pergamon, alle Schauplätze haben wir uns in der Regel mehrmals angesehen.

Hagemann: Jetzt in der Provinz Germanien ist es natürlich einfacher. Die Colonia Ulpia Traiana, die antike Stadt neben dem heutigen Xanten, wo 'Das Geheimnis des Mithras-Tempels' spielt, besuchten wir mehrmals, bekamen hervorragende Unterstützung von den Mitarbeitern des archäologischen Parks und die Gelegenheit, die Atmosphäre richtig in uns aufzunehmen. So durften wir zum Beispiel in der rekonstruierten Herberge nächtigen. War schon toll ...

Und da das nächste Werk im antiken Köln spielen wird, haben wir natürlich mit der Recherche wenig Probleme - man sieht, wir sind träger geworden mit dem Alter ...

Buechertitel.de: Sie veröffentlichen unter dem Pseudonym Malachy Hyde. Woher der Name Hyde rührt, vermag ich noch zu vermuten. Aber ob ich da richtig liege?

Stitz: Es war der Wunsch unseres Verlages, dass wir uns ein englisch klingendes Pseudonym zulegen. Wir haben dann monatelang überlegt. Ausgehend von Stätten in der Türkei, die wir besonders mochten und der möglichen englischen Aussprache des Namens kamen wir dann von Side zu Hyde. Hyde Park, Dr. Jekyll and Mr. Hyde sind ja jedem ein Begriff.

Hagemann: Und Malachy entliehen wir dem wunderbaren Buch von Frank McCourt, 'Angela's Ashes', der Name Malachy geht so schön über die Zunge, fanden wir.

Buechertitel.de: Was erwartet den Leser bei Ihren Büchern aus der Silvanus Reihe?

Stitz: Bei unseren Romanen steht die politische Grundsituation der Zeit, in unserem Fall die der Antike, im Vordergrund. Im Fall der „Silvanus-Reihe" bildet der Machtkampf zwischen Octavianus, dem späteren Augustus, und Marcus Antonius den historischen Hintergrund. Es ist einfach interessant zu überlegen, wie sich die politische Lage auf das Leben der Menschen auswirkt, wie es ihr Leben beeinflusst und wie sie damit umgehen. Die Entwicklung von Personen, deren Verhältnis zueinander, finde ich genauso spannend wie die eigentliche Krimihandlung. Dabei ist es eine weitere Herausforderung, sich in die Antike zu versetzen und zu überlegen, welche Möglichkeiten die Menschen unterschiedlicher Herkunft in dieser Zeit hatten, und sie entsprechend agieren zu lassen.

Hagemann: Ja, und gerade die Zeit der ausgehenden römischen Republik fasziniert uns. Wir haben hier viele wunderbare Quellen, die nicht nur die politische Situation, sondern auch die persönliche, private der Menschen beleuchtet, mit Gefühlen wie Ehrgeiz, Machtstreben, aber auch enttäuschter oder erfüllter Liebe, Existenzängsten, also Emotionen, die dem heutigen Leser nicht fremd sind. Und diesen erwarten natürlich auch Verbrechen, die es in der Antike genauso gab wie heute, mit Motiven, den heutigen nicht unähnlich, an Schauplätzen in der Türkei, die noch heute sichtbar sind und in ihrer Schönheit unübertroffen.

Buechertitel.de: Woher beziehen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Stitz: Das eine entwickelt sich aus dem anderen. Bei der Recherche zu einem Buch entdecken wir immer wieder neuen Stoff. Die Ideen sind nicht das Problem, sondern die Entscheidung, was nehmen wir als nächstes.

Buechertitel.de: Könnten Sie uns kurz erzählen worum es in Das Geheimnis des Mithras-Tempels geht.

Hagemann: Ganz kurz: In dem Militärlager Vetera, neben der Stadt Colonia Ulpia Traiana gelegen, wird ein brutaler Centurio ermordet. Gaius Claudius Quintilianus, frisch aus Rom zu den Legionen gesandt und unglücklich in der kalten, unwirtlichen Provinz, ermittelt. Verdächtige gibt es viele, die geschundenen Legionäre, Räuber, windige Geschäftemacher sowie zwielichtige Magistraten in der Stadt, die Aufgabe ist nicht leicht. Zudem verliebt er sich noch in die Verlobte des Opfers ...

Buechertitel.de: Die Protagonisten ihrer beiden Reihen sind ja recht unterschiedlich, was steckt dahinter?

Stitz: Ja, tatsächlich. Bei unserer Silvanus-Reihe gibt es eigentlich einen Helden und zwei Heldinnen. Wobei unser Held eher ein Anti-Held ist, ein wenig dick und bequem, glaubt er, die Karriere fällt ihm in den Schoß. Dabei belehrt ihn das Leben - und seine ehrgeizige Ehefrau - eines besseren.

Das Geheimnis des Mithras-Tempels spielt nun in der Kaiserzeit an der Rheingrenze. Da bot sich an, die Konfrontation eines adeligen jungen Mannes mit dem unwirtlichen Germanien und seinen mehr oder weniger romanisierten Bewohnern zu thematisieren. Im Gegensatz zu Silvanus ist unser Held Quintilianus sehr bestrebt, sich durch gute Leistung verdient zu machen und wieder nach Rom beordert zu werden.

Buechertitel.de: Wird es einmal ein Einzelprojekt von Ihnen geben?

Hagemann: Auszuschließen ist das sicher nicht. Wenn eine von uns sich zum Beispiel in eine andere Zeit begeben möchte und die andere nicht mit will, warum nicht?

Buechertitel.de: Gibt es bei Ihnen schon einmal Meinungsverschiedenheiten und wie gehen Sie damit um?

Hagemann: Ach ja, natürlich, aber wir sind abgeklärter geworden. Am Anfang kämpften wir um jeden Absatz, den die andere herausstreichen wollte, um jedes Komma, um jeden Punkt. (Nun, ich übertreibe ein wenig, aber Ilka zum Beispiel liebt kurze Sätze und Punkte, ich hingegen Nebensätze und Kommata.) Inzwischen aber gibt es über solche Dinge kaum noch Streit, auch lernten wir schnell, dass Streichungen einem Manuskript zuweilen sehr nutzen.

Stitz: Mittlerweile fragen wir uns bei Meinungsverschiedenheit immer als erstes: brauchen wir das Wort überhaupt? Meist stellen wir fest, dass der Text gewinnt, lässt man es weg. Na gut, manchmal fällt uns diese Möglichkeit vor Enthusiasmus auch erst als letztes ein... Und an manchen Stellen hängt viel Herzblut, das respektieren wir dann auch.

Buechertitel.de: Haben Sie neben der Faszination für Geschichte noch andere Gemeinsamkeiten?

Hagemann: Sicher, als alte Freundinnen tauschen wir uns über vieles aus, Bücher, Beruf, Politik, Menschen. Und wir sind Mitglieder sowohl im Syndikat wie bei Quo Vadis, das eine die Vereinigung der krimischreibenden Zunft, die andere die der Autoren historischer Romane. Und wir lieben Katzen.

Stitz: Schließlich sind wir schon zusammen zur Schule gegangen, da können wir auf eine lange gemeinsame Zeit zurückblicken. Und genau wie bei unseren Büchern gehen uns auch beim Gespräch die Themen nicht aus.

Buechertitel.de: Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?Hagemann: Ja, wie oben schon kurz erwähnt, wird Quintilianus in Köln tätig werden. Viel mehr verraten wir jetzt noch nicht, nur, dass der Konflikt beziehungsweise die Kooperation von Römern und Germanen ein Thema sein wird.

Stitz: Und Köln bietet wegen des derzeitigen U-Bahnbaus gerade jetzt interessante neue Erkenntnisse.

Buechertitel.de: Ich danke Ihnen recht herzlich für das Interview und wünschen Ihnen beiden weiterhin viel Erfolg.

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de.

Zur Internet-Seite von Malachy Hyde

Veröffentlichungen:

Unter Hagemann & Stitz:

Das Geheimnis des Mithras-Tempels


Verlag: Grafit
ISBN-10: 3894256036
ISBN-13: 978-3894256036
382 Seiten
11,00 Euro

Unter Malachy Hyde:

Gewinne der Götter Gunst


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-10: 342663368X
ISBN-13: 978-3426633687
491 Seiten
9,95 Euro


Wisse, dass du sterblich bist


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-10: 3426633612
ISBN-13: 978-3426633618
539 Seiten
7,95 Euro




Eines jeden Kreuz


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-10: 3426618974
ISBN-13: 978-3426618974
524 Seiten
8,90 Euro




Tod und Spiele


Verlag: Droemer Knaur
ISBN-10: 3426631156
ISBN-13: 978-3426631157
Vergriffen


Ihr Kommentar

Suche

Benutzerdefinierte Suche