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Interview mit Gina Mayer




Quelle Foto (Fotografin Sibylle Pietrek, Düsseldorf): Gina Mayer


Gina Mayer, geboren 1965 in Ellwangen, arbeitet als Werbetexterin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in der Nähe von Düsseldorf.



Buechertitel.de: Für das Interview habe ich mir Ihre Internet-Seite www.ginamayer.de angesehen. Hier stellt man schnell fest, dass Sie ein sehr humorvoller Mensch sind. Warum schreiben Sie gerade historische Romane?

Gina Mayer: Sie meinen, warum ich als humorvoller Mensch so ein dröges Zeug schreibe? Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Irgendwas zieht mich zu so fürchterlichen Themen wie Tod, Schuld und Verderben und zu strengen, ernsten Charakteren wie Theodor Fliedner oder Hermann Friedrich Kohlbrügge. Vielleicht sollte ich mal mit einem Psychologen reden.

Buechertitel.de: Auf die Frage, was wäre, wenn Sie nicht schreiben würden, antworten Sie in Ihren FAQ´s: Schlammcatcherin oder Ballerina. Mit dieser Antwort haben Sie mich ehrlich gesagt verblüfft. Das ist doch nicht Ihr Ernst?

Gina Mayer: Nein, natürlich nicht. In Wirklichkeit wäre ich viel lieber Zahnarzthelferin. Aber das klingt nicht so gut.

Buechertitel.de: Sie schreiben Jugendbücher und Bücher für Erwachsene? Was macht Ihnen mehr Spaß?

Gina Mayer: Immer das, woran ich gerade arbeite.

Buechertitel.de: Ihre beiden historischen Romane Die Protestantin und Das Medaillon erschienen im Abstand von einem Jahr. Schreiben Sie sehr schnell, oder haben Sie schon weit vorher begonnen, für Ihre Bücher zu recherchieren?

Gina Mayer: Das Medaillon war schon fertig, als Die Protestantin erschienen ist. Aber es stimmt: ich schreibe wirklich sehr schnell. Eine Journalistin hat mal über mich geschrieben, ich sei emsig. Was für ein schreckliches Wort. Aber treffend.
Bei Das Medaillon kam mir natürlich auch meine Recherche für Die Protestantin zugute. Beide Romane spielen im 19. Jahrhundert, das heißt, dass auch die Lebensumstände meiner Protagonisten dieselben sind. Sie tragen ähnliche Kleidung und essen ähnliches Essen und leiden unter den gleichen politischen und sozialen Ungerechtigkeiten.

Buechertitel.de: Die Jugendbücher erschienen auch innerhalb dieser Zeiten. Arbeiten Sie gleichzeitig an mehreren Projekten? Wie gehen Sie beim Aufbau eines Buches vor?

Gina Mayer: Nein, zwei Projekte auf einmal machen mich schwindlig. Ich bin auch immer viel zu fixiert auf ein Thema, als dass da Platz für ein zweites wäre.
Und wie gehe ich beim Aufbau eines Buches vor? Ziemlich kopflos. Ich habe eine Idee und fange einfach an zu schreiben. Manchmal verfasse ich auch irgendwann ein Exposé und schicke es an meinen Agenten. Aber danach schreibe ich in der gleichen kopflosen Weise weiter wie vorher.

Buechertitel.de: In Das Medaillon geht es um die Entdeckung der Neandertalerknochen. Erzählen Sie uns doch bitte etwas mehr über den Inhalt.

Gina Mayer: Als der Realschullehrer Johann Carl Fuhlrott 1856 in Knochenfunden aus dem Neandertal die Überreste eines Urmenschens erkannte, sorgte seine Theorie für große Aufregung - sowohl in der wissenschaftlichen Fachwelt als auch in der pietistischen Elberfelder Bevölkerung. Er zerrte sozusagen die kirchliche Schöpfungslehre auf den Prüfstand.
In meinem Roman erleben die beiden Freundinnen Rosalie und Dorothea die Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaft und Religion hautnah mit. Im Sog der allgemeinen Aufbruchstimmung träumen sie von einem selbstbestimmten Leben - und stoßen damit auf heftige Widerstände.
In einem Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, stößt die Archäologin Nora im Neandertal erneut auf Knochen - und auf ein Medaillon. Je mehr sie über das Schmuckstück und über Rosalies und Dorotheas Geheimnis herausfindet, desto enger scheint ihr persönliches Schicksal mit dem der Toten verknüpft.

Buechertitel.de: In Die Protestantin begegnet die 17-jährige Johanne Pfarrer Theodor Fliedner. Fliedner, der 1800 geboren wurde, hat sich aufopferungsvoll für die Armen und Kranken eingesetzt. Was hat Sie bewogen, ihn zu einem Protagonisten Ihres Romans zu machen?

Gina Mayer: Als ich vor sieben Jahren in eine Straße gezogen bin, die Friederike-Fliedner-Weg heißt, war mir die Namensgeberin zuerst überhaupt kein Begriff. Neugierig wie ich bin, begann ich nachzuforschen. So bin ich auf Friederike Fliedner gestoßen, auf ihren Mann Theodor Fliedner und auf die spannende Geschichte der Diakoniegründung im 19. Jahrhundert - und daraus habe ich dann meinen ersten historischen Roman gemacht.

Buechertitel.de: Können Sie sich heute noch einmal ein Leben ohne Schreiben vorstellen?

Gina Mayer: Falls mir beide Arme abfallen sollten, würde ich es vermutlich irgendwie schaffen, aufs Schreiben zu verzichten. Was ich wirklich unerträglich fände, wäre ein Leben ohne Lesen.

Buechertitel.de: Ich möchte Sie jetzt nicht verärgern, aber eines würde mich noch interessieren. Warum mögen Sie die Frage nicht, ob ein Autor vom Schreiben leben kann?

Gina Mayer: Na, hören Sie mal. Die meisten von uns leben von Stundenlöhnen, für die eine anständige Putzkraft nicht mal den Staubsauger anschalten würde. Darüber muss ich doch nicht auch noch reden!

Buechertitel.de: Ich danke Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.


Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de

Homepage von Gina Mayer: www.ginamayer.de



Veröffentlichungen von Gina Mayer:


Das Medaillon.
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453351762
ISBN-13: 978-3453351769
544 Seiten
9,95 Euro

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Die Protestantin.
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453351401
ISBN-13: 978-3453351400
672 Seiten
9,95 Euro
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Die Schattenjünger

Verlag: Sauerländer
ISBN-10: 3794170601
ISBN-13: 978-3794170609
9,90 Euro



Das Mädchen ohne Gedächtnis
Verlag: Sauerländer
ISBN-10: 3794170571
ISBN-13: 978-3794170579
162 Seiten
9,90 Euro



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