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Interview mit Lea Korte




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Quelle Foto: Lea Korte

Lea Korte, geboren 1963, wanderte nach Abschluss ihres Studiums nach Spanien aus, wo sie zuerst in Katalonien und später im Baskenland und in Valencia als Übersetzerin und Autorin lebte. Von Anfang an setzte sie sich intensiv mit der Geschichte und Kultur ihrer Wahlheimat auseinander. Zusammen mit ihrem französischen Lebensgefährten und ihren beiden Kindern lebt sie heute in Südspanien.


Buechertitel.de: Die Nonne mit dem Schwert ist Ihr erster historischer Roman. Sie haben aber bereits vorher schon einige Liebesromane unter einem anderen Pseudonym veröffentlicht. Wie kam es zu dem Genrewechsel?


Lea Korte: Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, und da ich schon immer bevorzugt historische Romane gelesen und mich sehr für Geschichte interessiert habe, lag es nahe, dass ich mich in dieses Genre einarbeite. Ich finde es faszinierend, sich das Leben eines anderen Menschen in einem anderen Zeitalter vorzustellen. Unsere Vergangenheit wird dadurch so viel lebendiger und nachvollziehbarer! Geschichtszahlen, Grenzverschiebungen, Schlachten, Siege und Niederlagen – das alles sagt uns doch erst etwas, wenn es mit dem Schicksal eines Menschen verbunden ist, der uns am Herzen liegt. Und nur so bleibt es uns auch im Gedächtnis.

Buechertitel.de: Wie lange haben Sie für die Recherchen gebraucht?


Lea Korte: Weit über ein Jahr habe ich nur gelesen, und beim Schreiben ging es parallel dazu weiter. Auf Catalina de Erauso bin ich durch einen Freund gestoßen – und war sofort begeistert. Fortan habe ich alles verschlungen, was irgendwie mit ihr und ihrer Zeit zu tun hatte. Dabei habe ich nicht nur nach den reinen Geschichtsfakten gesucht, sondern ich wollte auch wissen, wie man sich zu ihrer Zeit kleidete, wie man reiste, was man aß, wie es im Inneren einer Galeone aussah, wie es überhaupt auf so einem großen Segelschiff zuging .... Da Catalina einen großen Teil ihres Lebens im spanischen Vizekönigreich Peru verbracht hat, musste ich natürlich auch alles über dieses Land wissen. Trotzdem stieß ich auch während des Schreibens noch auf Wissenslücken: zum Beispiel fiel mir auf, dass mir gar nicht klar war, was Catalina sieht, wenn sie mit dem Schiff in Porto Bello (Zentralamerika) ankommt ... War die Küste dort zerklüftet? Gab es hohe Berge? Welches Wetter hat man dort im Winter? Wie sah der Ort im 17. Jahrhundert aus? Solche Informationen musste ich dann noch parallel zum Schreiben suchen, was den Arbeitsprozess immer wieder bremste.

Buechertitel.de: Sie schildern auch Folterarten, die zu der damaligen Zeit bei Gefangenen angewandt wurden.Bestimmt war es für Sie grauenhaft sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Lea Korte: Nein, eigentlich nicht, denn es gibt an diesem Thema zumindest eine Seite, die mich durchaus auch fasziniert, und zwar die, dass es Menschen gab (und gibt!), die selbst die schlimmsten Foltermethoden nicht zum Reden haben bringen können - weil sie treu zu ihrem Glauben standen oder ihnen nahestehende Menschen schützen wollten. Und das Rückgrat und den Mut dieser Menschen kann ich nur bewundern!


Buechertitel.de: Catalina de Erauso gelang es als Frau sich in Männerkleidern durchzuschlagen, und wenn man die Umstände betrachtet, die im 17. Jahrhundert herrschten, ist es für uns heute kaum vorstellbar, welche Stärke und Kraft es sie gekostet haben mag. Hat Sie dies besonders fasziniert, oder haben Sie in dieser Tatsache viel Spielraum für ihre schriftstellerische Phantasie gesehen?


Lea Korte: Ihr Mut hat mich schon sehr bewegt, und wenn man Catalinas Autobiografie liest, kann man feststellen, dass sie wohl sogar ein noch viel größerer „Raufbold“ als in meinem Roman war. Ihre Autobiografie diente damals allerdings nicht zuletzt auch dazu, dem König eine möglichst hohe Pension für ihre Dienste als Soldat „abzuschwatzen“ – das heißt, dass man gar nicht weiß, ob sie wirklich so „wild“ gewesen ist, wie man dort lesen kann. Ich habe mir die Frau hinter dieser Autobiografie vorgestellt und mich gefragt, ob sie wirklich so war, wie sie sich beschrieben hat – und kam zu dem Schluss, dass sie ja auch trotz allem eine zunächst sehr junge Frau und von daher sicher um einiges feinfühliger gewesen war, als sie sich dargestellt hatte. Ihre Einsamkeit, ihre Ausgeschlossenheit, ihre Verzweiflung – Dinge, von denen sie in ihrer Autobiografie nie spricht, die es aber gegeben haben muss – waren das, was mich, neben ihrem Mut, am meisten an ihrer Figur gereizt hat.


Buechertitel.de: Im Nachwort erwähnen Sie, dass Sie Catalina freundliche Menschen an Ihre Seite gestellt haben. Haben die Recherchen Sie dazu bewogen, Mitleid mit Ihrer Protagonistin zu fühlen?


Lea Korte: In gewisser Weise schon. Immer nur auf der Flucht, ausgestoßen, verfolgt, keine zärtliche Berührung, nichts ... wie hält man das ein Leben lang aus? Jeder braucht doch einen Menschen, an den er sich auch einmal anlehnen kann, und auch wenn Catalina in ihrer Autobiografie nie von einem solchen Menschen gesprochen hat, bin ich mir doch sicher, dass es ihn oder sie gegeben haben muss.


Buechertitel.de: Sie haben einen sehr erfrischend natürlichen Schreibstil. Die Schilderungen riskanter und gefährlicher Situationen werden weder drastisch noch brutal dargestellt, trotzdem gelingt es Ihnen eine fesselnde Spannung aufzubauen. Haben Sie Vorbilder, die Ihren Stil geprägt haben?


Lea Korte: Ich lese unheimlich viel und das seit frühester Jugend - wer da welchen Einfluss auf mich genommen hat, kann man heute kaum mehr feststellen. Unter den neuen deutschen historischen Romanautoren schätze ich unter anderen Rebecca Gablé, auf dem internationalen Buchmarkt vor allem Marcos Aguinis und natürlich Noah Gordons Medicus.


Buechertitel.de: Ein Blick in die Buchhandlungen zeigt, dass Historische Romane momentan einem Trend unterliegen. Was ist ihrer Meinung nach der Grund für dieses enorme Interesse an diesem Genre?


Lea Korte: Vor kurzem habe ich darüber einen sehr klugen Satz gelesen; ich glaube, er war von Lion Feuchtwanger: Historische Romane erzählen mehr über die Zeit, in der sie gelesen werden, als über die Zeit, in der sie spielen. Ich denke, da ist viel Wahres dran. Die Menschen suchen nach einem Rahmen, nach Grenzen. Früher gab es die noch. Menschen, die sich entwickeln und weiterkommen wollten, mussten enorme Widerstände überwinden. Das fasziniert natürlich vor allem heute, in einer Zeit, in der – zumindest theoretisch – jedem alle Möglichkeiten offen stehen.


Buechertitel.de: Ein Buch braucht eine lange Entstehungszeit. Was empfanden Sie, als es fertig gestellt war?


Lea Korte: Wirklich fertig ist ein Buch für einen Autor wohl nie, aber irgendwann muss man es abgeben und „darf“ dann nicht mehr daran weiterarbeiten. Klar, dass dies zu einem Zeitpunkt ist, in der das Buch schon „irgendwie“ fertig ist, aber das Loslassen fällt einem trotzdem schwer. Es ist ein Kind, das man nun allein in die Welt schickt. Da hat man Angst, wie es ihm ergehen wird. Aber andererseits schreibt man natürlich, damit man gelesen wird ...


Buechertitel.de: Gibt es bereits ein neues Buchprojekt?


Lea Korte: Ja, das gibt es: mein nächster Roman spielt zur Zeit der ausgehenden Reconquista (15. Jahrhundert). Die Hauptperson ist eine junge Maurin, die zwischen die spanisch-maurischen Fronten gerät ...


Buechertitel.de: Sie leben mit Ihrer Familie schon seit mehreren Jahren in Spanien. Würden Sie sagen, dass Sie dort eine neue Heimat gefunden haben?


Lea Korte: Als ich mit 11 Jahren zum ersten Mal in Spanien war, dachte ich: hier gehöre ich hin, und so ist es auch. Ich brauche das Meer vor der Nase, den weiten Himmel über mir, das gleißende Licht - und ich genieße die größeren Freiheiten, die man hier auch im ganz normalen Alltag hat. Ich sage nicht, dass hier „alles“ besser ist. Das ist es sicher nicht. Und ich bin auch kein „Deutschlandmeckerer“. Beide Länder haben ihre schönen Seiten. Aber dieses Land passt einfach besser zu mir – oder ich zu ihm.


Buechertitel.de: Vielen Dank für das interessante Interview. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de



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Die Nonne mit dem Schwert

Lea Korte
Droemer/Knaur
ISBN: 3426633868
477 Seiten
8,95 Euro




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