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Interview mit Micaela Jary




Foto Quelle : Micaela Jary


Micala Jary wurde in Hamburg geboren, studierte in München Sprachen und arbeitete als Redakteurin und freie Journalistin, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Nach einem langjährigen Aufenthalt in Paris lebt sie heute mit ihrem Mann in München und Lugano.



Buechertitel.de: Wenn man sich die Liste der Veröffentlichungen anschaut, die von Biografien, über Jugendbuch bis Historischen Romanen reicht, könnte man sagen, dass Sie sich in jedem Genre wohl fühlen?

Micaela Jary: Nein, nicht wirklich. Das Kinderbuch habe ich damals für meine Tochter geschrieben, das tut man als schreibende Mutter halt mal, es kam ja auch keines mehr nach, weder Kind noch Buch. Historische Romane sind schon das Richtige für mich. Ich liebe die Geschichte und die Menschen, die damit verbunden sind, altes Papier und all das, was die Grundvoraussetzung für die Arbeit an einem historischen Roman sein sollte. Allerdings träume ich gerade davon, einen Krimi zu schreiben, nichts Brutales, eher etwas in Richtung Thriller mit Kultur, vielleicht klappt auch etwas in Richtung Theaterstück. Nach drei historischen Romanen in Folge muss ich ab Juli, wenn ich wieder Zeit für anderes habe, mein Gehirn ein bisschen auslüften. Nicht, dass Sie jetzt denken, ich würde keine historischen Romane mehr schreiben wollen - die nächsten Themen dafür habe ich trotz allem anderen schon im Kopf.

Buechertitel.de: Ihre drei historischen Romane sind von der Themenwahl sehr unterschiedlich. Die geheime Königin (2007) versetzt den Leser in das Frankreich des 16. Jahrhunderts. Worin geht es genau in diesem Buch?

Micaela Jary: Es spielt am Vorabend der Hugenottenkriege und handelt von dem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, aber auch der Dreiecksbeziehung zwischen König Heinrich II., seiner Frau, Katharina von Medici, und seiner einflussreichen Geliebten, Diane de Poitiers. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten. Ich habe mir die Freiheit genommen, historische Persönlichkeiten mit fiktiven Personen zu verbinden, so geht es beispielsweise um die Liebesgeschichte einer realen Figur mit einer erfundenen Protagonistin. Die Biografie des Mannes ist dabei – mit zwei Ausnahmen - fast exakt erhalten geblieben, die Frau ist ein Produkt meiner Phantasie, könnte aber genau in dieser Form gelebt haben. Im Nachwort erkläre ich diese Zusammenhänge. Ich halte dieses Spiel mit der Geschichte für legitim, denn ich schreibe ja keine Sachbücher, auch wenn ich mich so nah wie nur irgend möglich an historische Details halte.

Buechertitel.de: In Die Pastellkönigin geht es um eine ehrgeizige Frau, die sich zwischen Karriere und Lebensglück entscheiden muss. Sie wird bei einem Spiel um Macht und Intrige Zeugin des größten Börsenskandals des 18. Jahrhunderts. Ist die Handlung frei erfunden, oder beruhen Teile des Romans auf wahre Begebenheiten?

Micaela Jary: Mehr als nur Teile des Romans beruhen auf wahren Begebenheiten. Jede Person, die in der Geschichte auftaucht, hat in der beschriebenen Form tatsächlich gelebt. Auch sind die einzelnen Szenen nicht wirklich ein Produkt meiner Phantasie, sondern angelehnt an Situationen, die den genannten Personen passiert sind. Gewisse Ausschmückungen oder auch Verbindungselemente zwischen den Kapiteln habe ich natürlich erfunden. Für die Liebesgeschichte zwischen Rosalba Carriera und John Law gibt es allerdings keinen historischen Beweis, meiner Ansicht nach jedoch ein paar Indizien, doch ob das nun alles in der beschriebenen Form exakt so abgelaufen ist, kann niemand sagen. Rosalba Carrieras Tagebücher geben keinen ausreichenden Aufschluss über ihr Privatleben, und Rainer Maria Rilke vermutete, sie habe eine Liebesbeziehung zu Watteau gehabt, was aber etwas unwahrscheinlich ist, da der Männer bevorzugt haben soll.

Buechertitel.de: 2001 veröffentlichten Sie ein Buch über Zarah Leander. Ihr Vater, der berühmte Filmkomponist Michael Jary schrieb gemeinsam mit dem Textdichter Bruno Balz den legendären Song „Ich weiß es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ für den Leander-Film „Die große Liebe“. Die Mischung aus Biografie und Roman trägt den Namen dieses Songs. Was bedeutete für Sie die Arbeit an dem Buch?

Micaela Jary: Es ist keine Biografie, sondern ein auf wahren Begebenheiten beruhender Roman. Für mich war dieses Buch ganz pragmatisch der Einstieg in die Belletristik. Es ist eine gute Geschichte und die habe ich aufgeschrieben, genauso, wie ich andere gute Geschichten recherchiere und schreibe. Die Tatsache, dass es sich bei dem männlichen Protagonisten um meinen Vater handelte, war nicht schwer zu verkraften. Ich bin da so professionell wie möglich rangegangen. Allerdings muss ich dazu sagen: Die Beziehung zwischen Zarah Leander und Michael Jary war kein Geheimnis, ich bin mit dieser Geschichte aufgewachsen, deshalb besitzt sie für mich keinen Sensationswert und war – auch weil meine Mutter damals noch lebte – recht einfach nachzuerzählen.

Buechertitel.de: Ich denke mal, Titel wie „Wir werden niemals auseinander geh’n“ die letzte weltbekannte Komposition Ihres Vaters werden bestimmt nur noch der älteren Generation in Erinnerung sein. Ist dies so, oder werden Sie heute auch noch von jüngeren Leuten auf das Lebenswerk Ihres Vaters angesprochen?

Micaela Jary: Mein Vater wäre im September vor zwei Jahren 100 Jahre alt geworden. Ich habe dieses Jubiläum zum Anlass genommen, so weit es mir möglich war, an seine Musik zu erinnern – und die Resonanz war enorm. Vielleicht kennt man heute den Namen nicht mehr überall, aber ein oder zwei Lieder aus seinem Repertoire sind meist sogar jüngeren Leuten geläufig. Dazu beigetragen hat sicher der Erfolg von Interpreten wie Götz Alsmann, Max Raabe & dem Palastorchester oder Nina Hagen, um nur einige zu nennen, die mit Jary-Titeln auf Tournee sind. Seit zwei Jahren gibt es unterschiedliche Jary-Revuen in Münster, Berlin und aktuell auch ein Tourneestück, das bereits für 2009 gebucht wird. Das ist toll, finde ich.

Buechertitel.de: Warum sind Sie Schriftstellerin geworden?

Micaela Jary: Ich bin das klassische, introvertierte Einzelkind, das viel gelesen und sich Geschichten ausgedacht hat, die es seinen Puppen erzählte. Der Weg zum Schreiben ist unter diesen Umständen nicht weit: Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Zunächst kritzelte ich Schulhefte voll, mit zehn Jahren bekam ich meine erste Schreibmaschine und mit dreizehn verfasste ich meinen ersten historischen Roman, der nie veröffentlicht wurde. Da der Beruf Schriftstellerin damals nicht in die Kategorie fiel, die man nach Schule und Studium ausübt, wurde ich Redakteurin. Doch Journalismus war nie mein Ziel, ich träumte immer von eigenen Büchern, ganz konkret von historischen Romanen. Im Übrigen gibt es eine verbürgte Geschichte zu meinem Werdegang: Als mein Vater mich nach meiner Geburt zum ersten Mal gesehen hat, sagte er: „Die wird mal Schriftstellerin.“

Buechertitel.de: Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?

Micaela Jary: Der „geheimen Königin“ folgte ein Romanprojekt, das im 16. Jahrhundert in Italien spielt und 2009 erscheinen wird. Zurzeit schreibe ich einen historischen Roman, der wahrscheinlich sogar noch in diesem Jahr herauskommt. Mehr möchte ich dazu noch nicht sagen. Schreiben ist meine einzige Begabung, was sollte ich sonst tun? Kochen wäre eine Idee, das kann ich auch ganz gut, aber es reicht mir, wenn ich meinen Mann jeden Abend und manchmal auch Freunde wie in einem Sterne-Restaurant bewirte, zur Profi-Köchin tauge ich nicht.

Buechertitel.de: Meist werden Autoren nach Ihren Lieblingsbüchern gefragt. Ich würde gerne von Ihnen wissen, welches Buch sie absolut ablehnen?

Micaela Jary: Keine Ahnung. Bücher, die ich schlecht finde, werfe ich gnadenlos in den Müll und vergesse sie. Es gibt natürlich Bücher, die mir nicht gefallen, aber trotzdem gut sind, und die würde ich nicht absolut ablehnen. Grundsätzlich bin ich kein Fan von Brutalität, weder im Roman noch im Kino oder Fernsehen, und ich kann nichts mit Fantasy und Science Fiction anfangen, aber das ist reine Geschmackssache.

Buechertitel.de: Über welchen Bericht zu Ihren Veröffentlichungen haben Sie sich besonders gefreut?

Micaela Jary: Über eine Rezension in der „Berliner Morgenpost“, die mit dem Satz begann: „Es gibt ihn noch, den flott und überschaubar geschriebenen Unterhaltungsroman von einigem Anspruch, siehe Micaela Jarys ‚Charleston & van Gogh’.“ Das traf nämlich genau meinen Ansatz: Ich will keine literarischen Exkursionen veranstalten – und kann das womöglich auch gar nicht. Ich will einfach nur gut unterhalten, ohne platt zu sein, mit einer gewissen Liebe zum historischen wie kulturhistorischen Detail.

Buechertitel.de: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Micaela Jary: Wie jeder Autor wünsche ich mir natürlich den Knaller, das ist doch klar. Ich habe irgendwie die Vision, dass ich einmal in einen Zug oder ein Flugzeug steige und da sitzt jemand und liest ein Buch von mir. Wahrscheinlich wird mir das aber selbst mit einem Bestseller nicht widerfahren, weil die Statistik schief ist: Ich fahre fast ausschließlich mit dem Auto, da ich als ständigen Begleiter einen Hund besitze, der zu groß für Reisetaschen ist. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich Wohnungen sammeln: Eine in Venedig, eine in Paris, eine in Berlin; vor allem, einmal in Venedig zu leben, das wäre so ein Highlight, das ich mir erträume. Aber das sind natürlich zweitrangige Wünsche. Am wichtigsten ist mir, dass meine Tochter glücklich ist, mein Mann und ich zusammen alt werden und wir alle gesund bleiben und die Hochs und Tiefs des Alltags unbeschadet überstehen.

Buechertitel.de: Vielen Dank für das Interview und mögen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.
Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de.


Die Internet-Seite von Micaela Jary

Die Internet-Seite Ihres Vaters Michael Jary


Veröffentlichungen von Micaela Jary:

Die geheime Königin


Verlag: Aufbau Tb
ISBN-10: 3746622921
ISBN-13: 978-3746622927
459 Seiten
8,95 Euro


Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n. Das Leben der Zarah Leander


Verlag: Aufbau Tb
ISBN-10: 3746617510
ISBN-13: 978-3746617510
396 Seiten



Die Pastellkönigin


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-10: 3426196700
ISBN-13: 978-3426196700






Charleston & van Gogh


Verlag: Ullstein Tb
ISBN-10: 3548249760
ISBN-13: 978-3548249766






Die Figuren des Goldmachers


Verlag: Lübbe
ISBN-10: 3404126769
ISBN-13: 978-3404126767






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