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Interview mit Sabine Ebert





Foto Quelle: Droemer/Knaur (Copyright FinePic, München/Helmut Henkensiefken)


Sabine Ebert wurde in Aschersleben geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Sie hat Lateinamerika- und Sprachwissenschaften in Rostock studiert und arbeitet als freie Journalistin in Freiberg - dort, wo auch ihre Romane spielen.



Buechertitel.de:
Sie waren primär Sachbuchautorin und haben sich mit Das Geheimnis der Hebamme erstmals im Genre des historischen Romans versucht. Wie entstand Ihr Wunsch, einen historischen Roman zu schreiben?

Sabine Ebert: Die Geschichte der Siedlerzüge und der ersten Silberfunde im Erzgebirge sind hier in meiner Wahlheimat Freiberg allgegenwärtig. Und irgendwann dachte ich: Was für ein packender Stoff für einen Roman! Verdienstvolle Sachliteratur mit Fußnoten und Quellenverzeichnis gibt es in beträchtlicher Menge. Aber ich wollte mit Emotionen und packenden Figuren nacherlebbar machen, wie viel Mut die Menschen damals aufbringen mussten, um ins Ungewisse aufzubrechen und ein neues Leben aufzubauen.

Buechertitel.de: Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Sie fünf Jahre an ihrem ersten Roman gearbeitet haben. Ist es nicht unheimlich schwierig, bei so einem langen Zeitraum sich in die Handlung zu vertiefen und weiter auszubauen?

Sabine Ebert: Ich habe das Buch ja neben meiner eigentlichen Arbeit als Journalistin geschrieben und brauchte auch viel Zeit für die Recherchen. Beim zweiten Buch ging es schon etwas schneller, da hatte ich Vorlauf. Aber letztlich gerät man immer tiefer ins Mittelalter, je länger sich man damit befasst. Diese fünf Jahre waren schon wichtig und nötig. Ich lerne jeden Tag dazu.

Buechertitel.de: Es war ursprünglich geplant, dass Ihr neues Buch Die Spur der Hebamme erst im Januar 2008 erscheinen sollte. Jetzt überraschen Sie uns mit der Mitteilung, dass die Buchpremiere aufgrund der starken Nachfrage bereits für November 2007 vorgesehen ist. Wie werten Sie persönlich diesen Erfolg?

Sabine Ebert: Besseres kann einem Autor doch nicht geschehen, als dass Leser und Buchhändler nach der Fortsetzung drängen! Ich bin immer wieder erfreut, bewegt und nach wie vor ein bisschen überrascht von der großen Sympathie, mit der dieses Buch aufgenommen wurde.

Buechertitel.de: Warum haben Sie gerade die Figur einer Hebamme als Protagonistin gewählt?

Sabine Ebert: Ich wollte die Geschichte der Siedlerzüge und der Silberfunde unbedingt aus der Perspektive der kleinen Leute erzählen. Doch ein Siedler oder ein Bergmann wäre nach der Ankunft nicht mehr aus dem Dorf heraus gekommen. Meine Hebamme kann ich, weil sie gut in ihrem Beruf ist, auch zum Meißner Markgrafen und in dessen Gefolge sogar zum Hoftag Barbarossas schicken, was der Geschichte noch eine andere Dimension verleiht. So kann ich erzählen, welche großen politischen Umwälzungen sich zu jener Zeit im Kaiserreich Barbarossas vollzogen. Und Marthe ist durch ihre Arbeit auch besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Die weisen Frauen als Konkurrenz der Bader und Ärzte – das ist ein Nebenstrang, der mir sehr am Herzen liegt.

Buechertitel.de: Sie arbeiten als freie Journalistin für Presse Funk und Fernsehen. Ist es da nicht sehr anstrengend für Sie auch noch an Ihren Büchern zu arbeiten? Wie viele Stunden schreiben Sie täglich?

Sabine Ebert: Die Arbeit am ersten und zweiten Band war schon ein Kraftakt. Das geht nicht so nebenbei zwischen zwei Presseterminen. Wirtlich schreiben konnte ich daran nur im Urlaub, am Wochenende oder wenn ich mir ein, zwei Wochen „freigeschaufelt“ hatte, um mich an einen stillen Platz zurückzuziehen. Jetzt habe ich mehr Zeit für die Bücher. Aber ich teile mir die Arbeit immer noch so ein, dass mich zwei, drei Wochen am Stück schreibe, meistens an einem ruhigen Ort, wo ich mich ganz ins Mittelalter versenken kann. Ich beginne morgens so gegen neun, und wenn es richtig fließt, schreibe ich auch mal bis zehn oder elf Uhr abends. Nach solchen zwei oder drei Wochen ist der Kopf aber erst einmal leer, und ich brauche eine Atempause, um mir geistigen Vorlauf zu verschaffen und das Geschriebene am Blatt zu redigieren. Das sind dann die Phasen, wo ich alles Liegengebliebene erledige, zu Lesungen reise und ab und an noch journalistisch arbeite.

Buechertitel.de: Ihnen haben viele Historiker hilfreich zur Seite gestanden. Wie entwickelt sich solch eine Zusammenarbeit?

Sabine Ebert: Viele in der regionalgeschichtlichen Forschung Tätige kenne ich ja durch die journalistische Arbeit seit Jahren, einige zählen zu meinem engen Freundes- und Bekanntenkreis. Mehrere Auswärtige äußerten sich nach der Lektüre des ersten Bandes anerkennend, so dass neue, wertvolle Kontakte entstanden. Aber letztlich habe ich bei den Recherchen nicht nur mit Historikern gesprochen, sondern unter anderem auch mit Bergbauexperten, Geowissenschaftlern, Numismatikern und sogar Schwertkämpfern. Ohne ihre Bereitschaft und Geduld wäre das Buch längst nicht so detailreich geworden.

Buechertitel.de: Historische Romane werden bevorzugt von Frauen geschrieben. Woran glauben Sie liegt das?
Sabine Ebert: Keine Ahnung. Man sollte schließlich meinen, dass eher Männer dieses Genre bevorzugen – schließlich strotzt die Vergangenheit von starken Männern und nicht zuletzt auch von Gewalttätigkeiten.

Buechertitel.de: Welche Vorbilder haben Sie?

Sabine Ebert: Unter den Autoren historischer Romane Ken Follet und Rebecca Gablé. Ansonsten gibt es eine lange Liste meiner Lieblingsautoren quer durch beinahe alle Genres – von Sjöwall/ Wahlöö bis hin zu Sergej Lukianenko.

Buechertitel.de: Ich danke Ihnen, dass sich für dieses Interview Zeit genommen haben und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de





Hebamme
Das Geheimnis der Hebamme
Sabine Ebert
Droemer/Knaur
ISBN: 3426634120
653 Seiten
8,95 Euro



Die Spur der Hebamme
Sabine Ebert
Droemer/Knaur
656 Seiten
ISBN: 3426636956
8,95 Euro


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