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Interview mit Silke Porath


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Silke Porath, Jahrgang 1971, lebt mit Tochter und vier Männern in Spaichingen. Mit einem ist sie verheiratet, zwei sind ihre Söhne und der vierte ist kastriert. Aber das ist gut so, denn er ist ein Hund.

Silke Porath ist Mitglied bei den 42erAutoren. Ihre Geschichten wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. beim Brecht-Forum Berlin oder beim Little PEN / Museum Herzer.

Sie hat bereits mehrere Romane veröffentlich. Als nächstes erscheint mit „Nicht ohne meinen Mops“ im Gmeiner-Verlag ein total schräger WG-Roman.

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Buechertitel.de: Klostergeist heißt Dein erster Krimi, der kürzlich im Gmeiner Verlag erschienen ist. Worum geht es in diesem Buch?

Silke Porath: Pater Pius tritt nach der Morgenmesse vor die Tür der Klosterkirche – und ihm fällt ein Mann vor die Füße. Es ist der Bürgermeister der kleinen Stadt Spaichingen. Pius, von Haus aus neugierig und passionierter Tatort-Zuschauer, mischt sich in die Ermittlungen ein: er kennt die leitende Kommissarin, deren Religionslehrer er war. Der dritte im Bunde des Ermittlertrios ist ein norddeutscher Schönling. Und da prallen dann Klosterleben, dolce vita und das Böse hinter den Kulissen der Stadt aufeinander.

Buechertitel.de: Du bist privat ein sehr humorvoller Mensch und ihn Deinem Buch geht es auch nicht allzu ernst zu. Gibt es eine ganz besondere Stelle, die Du uns verraten könntest?

Silke Porath: Eine meiner Lieblingsstellen ist die, in denen einer der Hauptverdächtigen, Schuhhändler Hafen, ein Verkaufsgespräch führt. Das bekommt die Sekretärin des Bürgermeisters am Telefon mit:

„Schuhhaus Hafen, Grüß Gott“, hörte Marianne Klaiber schon nach dem ersten Tuten.

„Grüß Gott, Frau Hafen. Klaiber hier. Kann ich mit Ihrem Mann sprechen?“

„Der hat grad Kundschaft, Moment bitte!“ Marianne Klaiber hörte, wie Heidi Hafen die Hand über die Sprechmuschel legte. Das dumpfe Rascheln schien in ihrem Ohr zu knistern.

„Arthur, Aaaaarthuuuuur! Komm au mol her, do isch’s Rathaus am Abbarat!“

Wieder drang Rascheln per Telefon von der Hauptstraße ins Rathaus herüber.

„Er kommt glei, Frau Klaiber, oin Moment bloß no.“

„Danke, Frau Hafen, und einen schönen Tag wünsche ich.“

„Scho recht, Frau Klaiber, ebenso, ade.“

Marianne Klaiber zuckte zusammen, als der Hörer mit Schwung auf die Theke im Schuhladen knallte. Im Hintergrund vernahm sie Scharren, leises Poltern. Dann näherte sich die Stimme des Bürgermeister-Stellvertreters.

„Möchten Sie die Schuhe mit Karton oder ohne?“, hörte sie Arthur Hafen säuseln.

„Den Karton brauch ich nicht“, antwortete ihm eine weibliche Stimme.

„Kein Problem, Frau Weber, gell! Das sind wirklich sehr gute Schuhe. Gute Wahl, Frau Weber.“

Durch den Telefonhörer klang das schnelle Tippen auf der Tastatur der Kasse, dann ein Klingeln. Marianne Klaiber hörte, wie die Schublade aufsprang.

„Das wären dann neunundachzigfuffzig, Frau Weber. Darf ich Ihnen noch eine Pflege anbieten?“

„Bitte?“, hörte die Sekretärin und konnte sich nun ein Grinsen nicht verkneifen. Es war der immer selbe Dialog, mit dem Arthur Hafen einen Schuhkauf abschloss. Aber so, wie das ‚Bitte‘ der Kundin klang, mochte Marianne Klaiber wetten, dass der Händler bei ihr keinen Erfolg haben würde.

„Das Leder ist zwar vorimprägniert, Frau Weber, aber wenn es mal regnet oder feucht ist, dann würde ich mich darauf nicht verlassen. Wir wollen doch keine nassen Füße haben.“ Arthur Hafen schien etwas aus dem Regal hinter sich zu nesteln.

„Sehen Sie, nur vierzehnfuffzig und sie haben quasi immer neue Schuhe, die dicht sind.“

„Vierzehnfuffzig?“

Marianne Klaiber gab sich innerlich einen Punkt – diese Pflegetube würde den Laden nicht verlassen. Und richtig: „Nein, also das brauch ich nicht, das hab ich daheim.“ Tütenrascheln. Nochmals ein ‚Pling‘ der Kasse, als Arthur Hafen diese zuschob.

„Dann danke ich, Frau Weber, bis zum nächsten Mal, Frau Weber, und grüßen Sie Ihren Mann, Frau Weber.“

„Ade!“

Schritte. Das Bimmeln der Ladenglocke.

„Heidi! Heeeidiiii! Was hasch gsagt, wer am Telefon isch?“

„S’ Rathaus! Jetzt gang halt ond schwätz!“

Buechertitel.de: Klostergeist ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Co-Autor, Andreas Braun. Wie habt ihr Euch bei der Arbeit ergänzt?

Silke Porath: Es war entsetzlich anstrengend – für unsere Lachmuskeln. Andreas ist mein bester Freund und wir haben die Geschichte aus einer Weinlaune heraus entwickelt. Als wir gemerkt haben, dass die Figuren immer mehr Raum einnehmen und wir beginnen wollten, das aufzuschreiben, haben wir erst einen roten Faden festgelegt und dann alles häppchenweise in einzelne Szenen unterteilt. Da hat dann jeder die geschrieben, die ihm am meisten zugesagt haben.

Ich bin eher der schludrige Typ, Andreas hat sehr auf Logik geachtet und auf Details. Ich wiederum hab aufs Gaspedal gedrückt.

Buechertitel.de: Wie kamst Du zum Schreiben?

Silke Porath: Ich hab mir als Kind immer vorgestellt, was Heide und der Geißenpeter noch an Abenteuern erleben könnten. Irgendwie hatte ich schon immer Geschichten m Kopf. Sie aufzuschreiben habe ich 1998 nach der Geburt meiner Tochter begonnen. Mir war entsetzlich langweilig, als ich auf einmal nicht mehr jeden Tag in die PR-Agentur gehen durfte. Mit der ersten Geschichte war ich angefixt und seitdem komme ich einfach nichtmehr von der Schreiberei los.

Buechertitel.de: Beruflich hast Du einige Stationen durch. Ist die Schriftstellerei nun eine Endstation?

Silke Porath: Als Endstation empfinde ich das nicht – eher als angekommen sein. Ich schreibe fürs Leben gern und ehrlich gesagt kann ich auch nichts anderes. Im Brotberuf bin ich Redakteurin – also auch ein Schreiberling. Aber es wäre schon ein Traum, vom Romanschreiben allein leben zu können.

Buechertitel.de: Wie schaffst Du es bei 3 Kindern noch Zeit zum Schreiben zu finden?

Silke Porath: Keine Ahnung! Vielleicht gelingt es, weil ich das Schreiben an ganz vielen Tagen als einen Job wie jeden anderen auch betrachte. Mit festen Zeiten am Vormittag, einem Tagespensum… aber natürlich ist es der schönste Job auf der ganzen Welt! Ich kann überall sein, wo ich will, alle Leute treffen, die ich mag… okay, auf dem Papier, aber im echten Leben hat das Schreiben den Vorteil, dass ich von zu Hause aus arbeiten kann und mein eigener Chef bin. (Leider gebe ich mir selbst zu wenig Urlaub).

Buechertitel.de: Wie alt sind Deine Kinder?

Silke Porath: Meine Tochter ist zwölf und meine Söhne acht und zwei Jahre alt.

Buechertitel.de: Würdest  Du Deine Kinder zum Schreiben ermuntern?

Silke Porath: Unbedingt! Nicht nur meine Kinder – jeden Mensch. Es gibt einfach nichts schöneres, spannenderes, befriedigenderes, als seine eigenen Gedanken zu Papier zu bringen. Das ist Meditation, Urlaub, Massage und eine Fangopackung auf einmal, und das völlig kostenfrei. Kinder sind sehr viel unbefangener beim Schreiben als Erwachsene. Wir haben die Schule, in der beim Deutschunterricht so viel Kreativität und Spaß am Fabulieren kaputt gemacht wird, schon hinter uns.

Buechertitel.de: Hast Du einen Lieblingsautor?

Silke Porath: Ich habe vor ein paar Jahren die amerikanischen Autoren für mich entdeckt. Mein Idol ist John Fante. Keiner schreibt mit einem dermaßen geilen Sound. Ganz anders, aber nicht weniger ergreifend, ist Fanny Flagg. Diese beiden liebe ich sehr – aber ich lese alles, was mir in die Finger kommt. Es gibt so viele hervorragende Autoren und am liebsten sind mir die, die mir ein Buch für meine Sammlung signierter Bücher live und persönlich unterschreiben.

Buechertitel.de: Gibt es schon neue Projekte?

Silke Porath: Ja, juhuuu! Andreas und ich arbeiten gerade an Band zwei, „Klosterbräu“ ist der Titel. Und dann erscheint im Juli im Gmeiner-Verlag mein WG-Roman „Nicht ohne meinen Mops“, eine total schräge Story. Dazu schreibe ich schnellstmöglich auch eine Fortsetzung, dann steht ein weiteres Gemeinschaftsprojekt mit Kollegin Ulrike Renk in den Verlagsstartlöchern. Und zwei historische Projekte. Bis 2013 brauch ich keinen Urlaub planen… was mich freut wie Bolle!

Buechertitel.de: Danke für dieses Interview.

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de. 

 

 

Veröffentlichung:

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Klostergeist: Pater Pius ermittelt
Silke Porath, Andreas Braun
Verlag: Gmeiner
ISBN-10: 3839211247
ISBN-13: 978-3839211243
277 Seiten
9,90 Euro*

Preis zum Zeitpunkt des Interviews

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:

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oder hier:

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Pater Pius, Superior des Spaichinger Konvents, feiert mit seinen Brüdern die Morgenmesse auf dem Dreifaltigkeitsberg. Als die Mönche in den kühlen Novembermorgen hinaustreten, fällt ein Mensch vom Klosterturm, direkt vor Pius’ Füße: Es ist Hans-Jürgen Engel, der Bürgermeister der kleinen Stadt.

Kommissarin Verena Hälble aus Rottweil und ihr Kollege Thorben Fischer leiten die Ermittlungen. Als dem neugierigen Pater Pius beim Trauergespräch mit der Witwe „zufällig“ ein Kontoauszug in die Tasche seiner Kutte flattert, mischt auch er sich ein …

 

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