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Interview mit Sabine Wassermann

 

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Foto Quelle: Sabine Wassermann

Sabine Wassermann wurde 1965 in Simmern geboren. In Frankfurt am Main studierte sie Kunst, u. a. auch an der Städelschule. Heute lebt sie als Malerin und Schriftstellerin in Bad Kreuznach, wo sie 2001 den Förderpreis für Kunst und Kultur erhielt. Ihr Buch Das Zeichen des Ketzers erschien August 2008 im Rowohlt Verlag.


Buechertitel.de: Frau Wassermann, Sie sind Malerin, wie kamen Sie zum Schreiben von historischen Romanen?

Sabine Wassermann: Ich bin seit jeher Fan trojanischer Sagen, vor allem von Homers Ilias, und habe mich danach gesehnt, dass mal ein dicker historischer Roman erscheinen würde, der diese Geschichte nacherzählt. Das passierte aber nicht. Oder wenn, dann aus trojanischer Sicht, was nichts anderes hieß, als dass mein Lieblingsheld Achilleus schlecht dabei wegkam. Also dachte ich irgendwann, versuche ich es selbst und eben ganz so, wie ich es gerne hätte. Zwar hätte es bei diesem einen Buch bleiben sollen, aber als ich merkte, wie viel Freude das Schreiben macht, habe ich weitergemacht.

Buechertitel.de: Sie bewegen sich aber auch in anderen Genres?

Sabine Wassermann: Ja, Fantasy. Aber so groß sehe ich den Unterschied da nicht; die Erzählweise, die Sprache, die Figuren, das ist dem historischen Roman doch sehr ähnlich. Auch die erfundenen Welten sind historisch angehaucht. Und in meiner Geschichte vom Gläsernen Tor habe ich mit der Schilderung des wilhelminischen Berlin ja den historischen Roman mit eingeflochten.

Buechertitel.de: Wie entstand die Idee zu Das Zeichen des Ketzers?

Sabine Wassermann: Ich habe mich gefragt, welche Geschichte hinter der Konstanzer Hafenfigur, der „Imperia“, steckt. Das Konstanzer Konzil – das war für mich eigentlich Neuland. Ich habe mich zunächst nicht damit beschäftigt, denn ein Roman über eine Hure schwebte mir nicht vor, ich wollte mal wieder einen männlichen Helden haben, und das heißt bei mir fast immer: Es muss ein Kämpfer sein. Trotzdem ließ mich die Imperia nicht los, und als ich die Geschichte von ihr und einem verliebten Mönch in Balzacs „Tolldreisten Geschichten“ entdeckte und gedanklich meinen Kämpfer, einen Söldner, dazugesellte, hatte ich plötzlich meinen Roman. Dass Johannes Hus dann so stark das Leben des Söldners und des Mönches (der in meinem Buch überhaupt nicht in Imperia verliebt ist, im Gegenteil) beeinflusst, kam bei den ersten Recherchen heraus. Das Buch erzählt ja eigentlich die Geschichte seines Daseins, zumindest die letzten Monate.

Buechertitel.de: Wie gingen Sie bei der Planung dieses Buches vor? Welchen Raum nahm die Recherche ein?

Sabine Wassermann: Einen immens großen. Das Spätmittelalter war mir bis dato weitgehend fremd, und auch wenn ich glaube, gewissenhaft recherchiert zu haben, habe ich das Gefühl, fünf Romane schreiben zu können und trotzdem wenig darüber zu wissen. Es ist eben ein weites Feld. Ich habe Berge von Büchern durchgeackert. Hinzu kam die spezielle Geschichte des Johannes Hus. Allein die Frage, in welchen unterschiedlichen Quartieren bzw. Gefängnissen er in seiner Zeit in Konstanz einsaß und wie sie jeweils aussahen, hat mich graue Haare gekostet. Ständig musste ich die Szenen deswegen umschreiben, und umfassend herausbekommen habe ich es dann auch erst vor Ort. Aber das allein sind auch nur die äußerlichen Beigaben. Wichtig war die Frage der Denkweise: seiner, die der Menschen, die ihn anfeindeten, die auf seiner Seite waren. Sich ihnen allen anzunähern, in sie zu schlüpfen, eine Brücke zum heutigen Leser zu bauen, das war das Wesentliche.

Buechertitel.de: Was empfinden Sie, wenn ein Schreibprojekt abgeschlossen ist?

Sabine Wassermann: Einerseits Freude, wieder einmal einen riesigen Berg erkommen zu haben. Staunen darüber, dass ich so etwas hinkriege. Andererseits ist es jedes Mal traurig, die liebgewonnenen Figuren gehen zu lassen. Wieder in die reale Welt zurückkehren zu müssen. So ein Schreibprojekt, gerade in der Endphase, ist ja auch ein hervorragender Grund, prokrastinieren zu dürfen, was die weniger angenehmen Dinge des Lebens betrifft. Und dann hat man plötzlich keinen Grund mehr …

Buechertitel.de: Lesen Sie selbst gerne Bücher? Haben Sie Vorbilder?

Sabine Wassermann: Ich lese eigentlich immer irgendeinen Roman, bevorzugt Historisches, und finde es schade, nicht so viel lesen zu können, wie ich gerne würde. Vorbilder in dem Sinne, dass ich gerne genau so schreiben können würde, habe ich nicht. Aber es gibt natürlich Kollegen, die mich mit ihrem Können sehr beeindrucken – bei der einen ist es die psychologische Tiefe der Figuren, bei dem andern die Sprachgewalt, woanders die Spannung. Ich versuche mir da schon Scheibchen abzuschneiden. Bei Charlotte Lyne,  Katerina Timm, Andreas Eschbach und vielen anderen.

Buechertitel.de: Verraten Sie uns, worum es in Ihrem neuesten Projekt geht?

Sabine Wassermann: Es ist wieder ein historischer Roman, der in Deutschland um 1500 spielt. Aber so früh traue ich mich nie, Näheres zu verraten.

Buechertitel.de: Ich bedanke mich recht herzlich für die Beantwortung der Fragen und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Sabine Wassermann: Ich bedanke mich ebenfalls, es hat mich sehr gefreut!

Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de.

Zur Internetseite von Sabine Wassermann

 

Veröffentlichungen:


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Die Teufelsmalerin

Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499244918
ISBN-13: 978-3499244919
336 Seiten
8,90 Euro
Die Teufelsmalerin bei amazon.de bestellen


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Das Zeichen des Ketzers
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499247178
ISBN-13: 978-3499247170
544 Seiten
9,95 Euro
Das Zeichen des Ketzers bei amazon.de bestellen


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