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Hilke Müller studierte Französisch und Russich auf Lehramt, entschied sich dann aber gegen eine Laufbahn als Gymasiallehrerin. Statt dessen begann sie zu schreiben, veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Romane und widmete sich ihrer heimlichen Leidenschaft, der Geschichte. Heute lebt sie mit ihrer Familie im Taunus und arbeitet als freie Autorin.

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Robert der Teufel

VON HILKE MÜLLER

Eine alte flämische Legende soll es sein, später fand sie Eingang in die „Deutschen Volks- und Heldensagen“ von Gustav Schwab: Die Geschichte von Robert dem Teufel. Sie ist rasch erzählt: Hubert, der Herzog der Normandie war ohne Nachkommen und schloss einen Pakt mit dem Teufel. Der versprach ihm einen Sohn, den er allerdings de m Höllenfürsten weihen musste. So wurde der junge Robert ein wilder Geselle, der weder Sünde noch Laster scheute und überall als „Robert der Teufel“ verschrien war. Bald jedoch packte den jungen Mann die Reue, er tat eine Pilgerfahrt nach Rom und der Heilige Vater erlegte ihm eine Buße auf. Er müsse sich wie ein Wahnsinniger gebärden und mit den Hunden essen – nur so könne er eines Tages von seiner Schuld erlöst werden. Sieben Jahre lebte Robert auf diese Weise am Hof des römischen Kaisers, dann wurde Rom von den Sarazenen angegriffen, Robert erhielt auf wunderbare Weise Pferd und Waffen und befreite den Kaiser von den Feinden. Zum Dank erhielt er die Tochter des Kaisers zur Ehefrau.

In Frankreich kann man die Burg von „Robert le diable“ besuchen, sie befindet sich nahe Rouen im Tal der Seine gelegen, gleich bei dem Ort Moulineaux. Der Name ist touristenträchtig – hat es ihn also tatsächlich gegeben, diesen Teufelskerl, hat er hier in dieser Burg sein wildes, ausschweifendes Leben geführt?

Keineswegs. Die Burg stammt aus dem 11. Jahrhundert und als Namensgeber verweist man vorsichtig auf Robert I, Herzog der Normandie (1027 bis 1035), den man auch „den Prächtigen“ nannte. Robert I war kein bedeutender Herrscher, seine Regierungszeit war kurz und sein Ende tragisch, bedeutend war jedoch sein einziger Sohn, den er unehelich mit Herlève (Arlette), der Tochter eines Gerbers zeugte. Der Knabe wurde Wilhelm genannt, später auch „Wilhelm, der Bastard“ - in die Geschichte ging er jedoch als „Wilhelm der Eroberer“ ein.

Aber zurück zu seinem Vater Robert I. Weshalb führt man diese seltsame Legende gerade auf ihn zurück? Roberts Vater hieß nicht Hubert sondern es war Richard II, „der Gute“. Auch hat Robert niemals die Tochter eines römischen Kaisers geheiratet, ungesicherten Berichten nach soll er Edith, eine Tochter Knuts des Großen, geehelicht haben, die er jedoch gleich nach der Hochzeit wieder verstieß. Sicher ist allerdings die Liebschaft mit Arlette, der Tochter des Gerbers Fulbert, aus der zwei Kinder entstammen: Wilhelm und Adelheid. Und doch gibt es Anknüpfungspunkte. Robert der Prächtige beschloss im achten Jahr seiner Herrschaft, eine Pilgerfahrt zu unternehmen, zwar nicht nach Rom (dort war er nur auf der Durchreise) sondern nach Jerusalem. Im Januar 1935 brach er auf mit großem Gefolge und kostbaren Geschenken, vermutlich auch mit Geld gut versehen, denn er hatte eine seiner Burgen an seine Schwester verkauft. Schon im Juni des gleichen Jahres starb Robert I an einem Fieber in Nicäa, dort wurde er Berichten zufolge in einer kleinen Kirche „Santa Maria“ beerdigt.

Ein tragisches Ende – und doch nicht so ungewöhnlich, wie man glauben möchte, denn gerade die Normannen begaben sich schon früh auf Pilgerreisen, deren Ausgang – das war jedermann bekannt – stets ungewiss war. Auch Geoffrey von der Bretagne, ein Onkel  Roberts, erlitt im Jahr 1008 das gleiche Schicksal.

Aber außer dieser Pilgerreise, die anders als in der Sage nicht glücklich endete, gibt es noch ein weiteres, düsteres Geheimnis im Leben dieses jungen Herrschers, das ihn in die Nähe der Legende bringt. Gerüchte besagen, er habe seinen Bruder ermordet, um sich des Herzogsthrones zu bemächtigen. Geklärt oder gar bewiesen wurde diese Anschuldigung nie. Tatsache ist jedoch, dass Robert der zweite Sohn des Herzogs war und deshalb nicht der Thronerbe. Kurz nach der Thronbesteigung seines älteren Bruders Richard entspann sich ein heftiger Bruderkrieg, der die herzoglichen Vasallen in zwei Lager spaltete und das Land in schlimme Not führte. Die einen kämpften für den jungen Herzog, die anderen hatten sich dem Rebellen Robert angeschlossen. Herzog Richard III behielt die Oberhand – nach einem halben Jahr musste sich Robert in Falaise verschanzen, fast alle Freunde hatten ihn verlassen und so ergab er sich dem älteren Bruder. Richard III verhielt sich großmütig, er ließ seinem jüngeren Bruder die Herrschaft über das Hiémois, zu dem auch Falaise gehört, und versöhnte sich mit ihm. Nur drei Monate später starb der junge Herzog Richard III – Berichten nach soll er bei einem Mahl in Rouen vergiftet worden sein, mit ihm starben angeblich auch einige seiner Getreuen.

Diese Angaben sind ungesichert – wir wissen nicht einmal genau, ob der junge Herzog überhaupt vergiftet wurde, denn man war zu dieser Zeit mit der Erklärung „Giftmord“ raschbei der Hand. Nutznießer dieses überraschenden Todes war allerdings ganz eindeutig der jünger Bruder Robert, der eilig den Thron bestieg und den kleinen Sohn seines Bruders in klösterliche Obhut gab. Die Gerüchte um einen Brudermord wollten jedoch nicht verstummen und werden ihm ganz sicher zu schaffen gemacht haben. Wir wissen nicht, was Robert acht Jahre später zu dieser Pilgerreise bewegt hat – ganz sicher war er, wie die meisten Normannen, ein tief religiöser Mensch, der sich vor der ewigen Verdammnis fürchtete. Doch der unglückliche Ausgang dieser Pilgerreise wird von den Zeitgenossen als Zeichen gesehen worden sein, dass Herzog Robert I keine Vergebung für seine Sünden fand.

Fast tausend Jahre sind seitdem vergangen, die Berichte über die Regierungszeit Roberts I sind spärlich, denn im Gegensatz zu der späteren, glanzvollen Epoche unter Wilhelm dem Eroberer, gilt diese Zeit als schlecht dokumentiert. Vieles ist unklar, angefangen von Roberts Geburtsjahr bis hin zu seinen Feldzügen. Vier waren es an der Zahl, nicht alle waren erfolgreich, denn es fehlte ihm an der harten Entschlusskraft, die seinen Vater und vor allem seinen Sohn Wilhelm auszeichnete. Spannend ist, dass er versucht haben soll, mit seinem Heer nach England überzusetzen – anders als seinem Sohn Wilhelm im Jahr 1066 gelang ihm diese Überfahrt jedoch nicht, widrige Winde verschlugen ihn nach Jersey.

Ein widersprüchlicher Charakter ist er sicher gewesen, seine Großzügigkeit war bekannt, er versuchte, die Vasallen mit Geschenken an sich zu binden, kümmerte sich um die Armen und Kranken, sorgte für die Opfer der Lepra und des schrecklichen „Antoniusfeuers“. Dann wieder konnte er aufbrausend und unbeherrscht sein – er zerstritt sich mit dem mächtigen Robert Evreux, seinem Onkel, der Graf von Evreux und zugleich Erzbischof von Rouen war. Herzog Robert I zog den Kürzeren in diesem Streit – der Bannfluch des Erzbischofs zwang ihn in die Knie. Glücklos war Robert auch, wenn er versuchte, die blutigen Fehden zwischen seinen Vasallen zu beenden, zu zögerlich war sein Auftreten, der brüchige Friede dauerte nicht.

Ungewöhnlich auch seine Liebe zu einer Gerbertochter, die er vermutlich kurz nach der Niederlage gegen seinen Bruder Richard in Falaise kennenlernte, als er noch Graf des Hièmois war. Die Beziehung dauerte noch während seiner Zeit als Herzog an - für die schöne Gerbertochter Arlette ein märchenhafter Aufstieg, der auch ihre Familie betraf, denn ihr Vater und zwei ihrer Brüder erhielten Zugang zum Hof in Falaise. Eine Heirat mit dem Herzog war gewiss wegen ihrer Herkunft unmöglich – Arlette wurde später Ehefrau des Adeligen Herluin de Conteville.

Nach der gescheiterten Ehe mit Edith von England – falls sie überhaupt geschlossen wurde – hat Robert der Prächtige nicht mehr geheiratet, stattdessen verlangte er kurz vor Antritt seiner Pilgerreise von seinen Vasallen, den siebenjährigen „Bastard“ Wilhelm als seinen Nachfolger zu akzeptieren. Der Tod Herzog Roberts im Heiligen Land war schlimm für den jungen Wilhelm, der nun dem mörderischen Intrigenspiel des Hofs ausgeliefert war und nur mit viel Glück überlebte.

Robert der Prächtige – ein schwer zu fassender Charakter und vielleicht gerade deshalb eine so spannende Aufgabe für die Autorin, die versucht, diese widersprüchlichen Berichte in einer Romangestalt zu vereinigen. Nachzulesen in dem historischen Roman „Die Tochter des Gerbers“, der im September bei Blanvalet herauskommt.

 

Veröffentlichung:

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Hilke Müller
Die Stunde des Gerbers
Bertelsmann Club
Bestellnummer: 107583353
18,99 Euro*
* Preis zum Zeitpunkt des Beitrages

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:

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Die junge Arlette schient das Glückskind der Gerberfamilie zu sein. Sie ist nicht nur ungewöhnlich, sondern zudem auch klug und ehrgeizig. Doch als sie von einem Adeligen vergewaltigt und schwanger wird, fällt sie tief. Sie wird als Hure verschrien und mit Verachtung gestraft. Beschämt weist Arlette den Annäherungsversuch eines jungen Ritters ab, der sie bewundert. Noch ahnt sie nicht, dass Herluin de Conteville in einigen Jahren ihr Ehemann und die große Liebe ihres Lebens sein wird. Auch wenn ihr berühmtester Sohn - Wilhelm der Eroberer - von einem anderen stammt: von Robert, dem Herzog der Normandie ...


 

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