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Sinnliche Fluchten


 
Jasmin Leheta, geboren 1962, beschäftigt sich privat wie beruflich am liebsten mit den Irrungen und Wirrungen des Zwischenmenschlichen. Seit 1989 arbeitet sie als Kolumnistin, Autorin und Redakteurin für Print- und TV-Medien. Ihre größte Leidenschaft gilt den Themen Liebe, Erotik und Partnerschaft und ... dem Kochen. Am liebsten ist es ihr, wenn sich alles miteinander verbinden lässt. Seit über 5 Jahren veranstaltet sie deshalb einen kulinarischen Salon,  bei dem sie neue Rezepte und Kochbücher ausprobiert, die sie dann auch rezensiert, aber auch viele Inspirationen für ihre Erzählungen sammelt.


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Sinnliche Fluchten


VON JASMIN LEHETA

Endlich ist mein neuer Kurzgeschichtenband fertig und ich muss sagen: Es ist manchmal ganz schön schwer, erotisch inspiriert zu sein.

Wenn ich nicht gerade aus einem heißen Traum aufwache und so geistesgegenwärtig bin, die verschwommenen Impressionen sofort zu Papier zu bringen, brauche ich nach den alltäglichen Verrichtungen wie Küchenputz oder Wäschewaschen immer erst mal irgendeinen Anstoß, um mich in eine lustvolle Schwingung zu versetzen. Einfach an den Schreibtisch setzen bringt da gar nichts. Manchmal tippe ich ununterbrochen nur ein einziges Wort wie Jack Nicholson in SHINING (für mich die schlimmste Szene des ganzen Films). Oder ich lege vor lauter Verzweiflung Patiencen - wären Bube, Dame, König Pin-Ups, wäre das vielleicht noch eine brauchbare Inspirationsquelle... Aber wo ist denn eigentlich der beste Ort, um sich warme Gedanken zu machen? Ein Büro jedenfalls verströmt Wüste-Gobi-Atmosphäre. Und vom Sofa aus Pornos zu gucken hat auf mich die - für einen Erotikautor ziemlich ruinöse - „Nie wieder Sex"-Wirkung. Talk-, Psycho- oder Gerichtsshows sind gänzlich kontraproduktiv, ich hab´s ausprobiert. Danach sendete mein Hirn nur noch Testbilder. Eine öffentliche Sauna vielleicht? Neeeneee, was ich da zu sehen kriege, ist so anregend wie eine liegengebliebene Leberkässemmel. Ich sag´ nur buschiges Achselhaar, klimpernde Intim-Piercings oder ausgeleierte Tattoos mit Adiletten.
Ja, zuweilen spielt die Inspiration Verstecken mit mir, aber inzwischen habe ich einen guten Spürsinn entwickelt, sie in den unmöglichsten Orten, Geschehnissen und Dingen aufzustöbern. Manchmal reicht ein banaler Blick ins Schaufenster eines Dessousladens, tolle Filme helfen immer, solange sie keine erotischen Szenen enthalten. Bei traumhaften Bildern und klugen Dialogen wachsen meiner Fantasie riesige Schwingen. Letzte Woche brachte mich ein knisterndes Kaminfeuer zum Träumen, dann lieferte mir eine aberwitzige Zeitungsnotiz eine neue Geschichte. Immer und immer wieder regt ein saftiges Stück Prinzregententorte meine Sinne an und gestern brauchte ich mich nur an den Herd zu stellen und schon brodelte auch die Ideenküche im Kopf.
Ich befürchte, dass viele denken, erotische Geschichten entstünden grundsätzlich im Bett. Ihnen diese Illusion zu nehmen, tut mir gar nicht leid. Mein Schlafzimmer ist genau der Ort, den ich auf gar keinen Fall als Inspirationsquelle hinzuziehen möchte. Intimes heißt doch so, weil es nichts in der Öffentlichkeit zu suchen hat. Hätte ich denn sonst je ein Dilemma?

Ach, könnten wir doch nur Zeitreisen... dann würde ich noch heute eine Reise in die Antike buchen, in der „Muse" ein anerkannter Beruf wie jeder andere war. Die olympischen Spiele finden immer noch statt, Schausteller und fahrendes Volk gibt es auch noch, aber wo sind denn die Musen geblieben? Wo bleibt die Muse, die mich küsst? Die meine schöpferischen Launen erträgt, weil ich so ein genialer Künstler bin (was zu diskutieren wäre...), und mir und meiner Kunstfertigkeit treu ergeben dient.
Selbst wenn sie bei ihr die erste Geige spielen, sind sogar emanzipierte Männer leider nur selten bereit, sich der Genialität ihrer Partnerin zu widmen. Die Muse scheint definitiv weiblich zu sein.
Für viele Künstler sind ihre Frauen begabtester Ideenlieferant, schärfster Kritiker, pflichtbewusstester Lektor, hingebungsvollstes Modell, größter Fan, ambitioniertester Agent. Ständig lese ich Biografien von Malern, Komponisten, Filmemachern, Schriftstellern, denen Frauen den Rücken frei gehalten haben - Dalí hatte Gala, Hitchcock hatte Alma, Picasso einen ganzen Musen-Harem und Christo und Jeanne-Claude sind sozusagen siamesische Zwillinge -, die sich vollkommen der Genialität ihrer Männer verschrieben haben, aber wir, wir haben immer nur Objekte der Begierde, die uns unglücklich inspirieren. Die berühmtesten und produktivsten Schriftstellerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen (Dorothy Parker, Edith Piaf, Marilyn Monroe und und und) hatten durch die Bank Pech in der Liebe. Macht also nur Leid Frauen kreativ? Sind Musen stutenbissige Miststücke?



Veröffentlichung:
Sinnliche Fluchten
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453545230
ISBN-13: 978-3453545236
220 Seiten
7,95 Euro



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Klappentext:

"Sie schloss die Augen wieder. Jede Faser ihres Körpers wartete gespannt auf seinen nächsten Zug. An beiden Hüften führte er seine Hände in den Bund ihres Slips ein und streifte das kleine Stück Stoff Zentimeter für Zentimeter über ihre gestiefelten Beine nach unten. Sie wollte alles mit sich geschehen lassen, aber nichts selbst steuern müssen."

Sinnliche Fluchten in eine Welt, in der nichts zählt als das pure Vergnügen? Hier sind sie.

Ob geheime Fantasien, die man nur dem Tagebuch anvertraut, ob Busfahrten, die zum aufregenden Erlebnis werden, oder Schuhe, die eine ganz neue Bedeutung bekommen - wieder präsentiert Jasmin Leheta neue erotische Highlights in ihren außergewöhnlichen und außergewöhnlich sinnlichen Erzählungen. Ideenreich, fantasievoll und immer mit einem Twist: erotische Erzählungen, wie sie nur selten zu finden sind.

Weitere Veröffentlichungen:
Seidene Küsse


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