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Stachelbeerjahre
Inge Bart-Grözinger
Verlag: Thienemann 
ISBN-10: 3522200810
ISBN-13: 978-3522200813
352 Seiten
16,90 Euro*

 

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Rezension von Gina Mayer

"Stachelbeerjahre" spielt in den Nachkriegsjahren, die Handlung beginnt im Jahr 1946 und endet - ziemlich blutig - 1962. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Marianne, dem „Kuckuck“. Ihre Mutter – das findet Marianne kurz nach ihrer Einschulung heraus – hat sich nämlich mit einem französischen Besatzungssoldaten eingelassen, nachdem ihr Mann im Krieg gefallen ist. Marianne, das Franzosenkind, wohnt mit Mutter und der älteren Schwester bei den Schwiegereltern der Mutter, die nun plötzlich nicht mehr Mariannes Großeltern sind.

Vieles in diesem Buch hat mich an Ulla Hahns „Das verborgene Wort“ erinnert, von dem ich begeistert war. Wie Ulla Hahns Hildegard ist auch Marianne begabt und klug und erkämpft sich schließlich den Weg aufs Gymnasium. Die Spießigkeit und Enge der Nachkriegszeit, die Not und das abscheuliche Essen, die Verachtung der Nachbarn und die Bosheit der anderen Kinder, all das schildert Inge Barth-Grözinger sehr eindrücklich und mit sprachlicher Virtuosität. Wenn es um die Vermittlung der Zeitgeschichte geht, wird der Ton für meinen Geschmack manchmal zu oberlehrerhaft, aber das mögen andere anders empfinden.

Für mich kam der Bruch auf den letzten dreißig Seiten, da taucht plötzlich Enzo auf, der erste italienische Gastarbeiter im Dorf. Und Enzo wirbelt die Familie durcheinander, er schläft gleichzeitig mit der Mutter und der älteren Schwester und scheint auch für Marianne etwas zu empfinden. Die Frauen, selbst die Großmutter, verlieren völlig den Kopf und dann passiert ein Mord (damit verrate ich nicht zu viel, weil das nämlich schon auf dem Klappentext steht).

Enzo war leider auch für mich zu viel. Dieses fleischgewordene Italienerklischee, tanzend, singend, verführend, natürlich ein Hallodri, aber immer gut gelaunt. Ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass er „O sole mio“ anstimmt, aber das hat er sich dann doch verkniffen. Schade, weil der tolle Roman solche Stereotype sonst konsequent vermeidet. Außer Enzo ist keiner der Charaktere eindimensional gezeichnet. Keiner ist nur Opfer oder nur Täter. Und alle verbergen sie etwas: der liebe Großvater verhaut die Kaninchen, der bewunderte Deutschlehrer war ein begeisterter Nazi, die Flittchenmutter sucht verzweifelt nach der großen Liebe.

Mein Tipp: Lesen – und die letzten Seiten einfach weglassen. Es lohnt sich, wirklich!

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