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Tell it the „American Way“



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(Quelle Foto: Birgit Fiolka ©Christian Ermke)

Birgit Fiolka ist 1974 in Deutschland, NRW, geboren, ein Teil ihrer Familie mütterlicherseits lebt jedoch seit Jahrzehnten in den USA. Bereits im Alter von vier Jahren besuchte Birgit Fiolka das erste Mal den teils deutschstämmigen teils amerikanischstämmigen Familienkreis, die folgenden Jahre immer wieder. Beide Mentalitäten haben Birgit Fiolka seit ihrer Kindheit nachhaltig geprägt und stehen ihr nahe, so dass die Konsequenz war, dass diese sich auch auf ihre Arbeit als Autorin auswirken.

2003 gründete Birgit Fiolka mit einer Freundin die Künstlergruppe „Art of KaRa", welche sich der historisch szenischen Inszenierung des Alten Ägypten widmet.

Birgit Fiolka arbeitet als freie Autorin, Eventgestalterin und Make-Up Artist für Foto, Film und TV.


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Tell it the „American Way"

VON BIRGIT FIOLKA

Wie machen die Amerikaner das nur? Ihre Geschichten besitzen eine Leichtigkeit, welche den deutschen nur allzu oft fehlt. Beinahe fühlt es sich beim Lesen an, als hätten sie in einer ausgelassenen Stimmung die Lust am Fabulieren und Erzählen entdeckt, sich dann schwungvoll mit einem energetischen Sidekick an den Rechner gesetzt und mal eben ... aber Stop!

So einfach ist das alles nicht, denn gerade dem Leser erzählerisch Leichtigkeit über die Länge eines ganzen Romans zu vermitteln ist oftmals schwerer, als eine Tragödie zu schreiben.

Und was macht diese empfundene Leichtigkeit nun eigentlich aus?

Es ist keine Banalität, wie so oft und gerne (vielleicht auch ab und an mit etwas Neid) behauptet wird. Es ist die Art, wie der Autor seine Figuren agieren, leben und leiden lässt, es ist die Mentalität, mit der sie durch die Welt gehen und sich selbst und ihre Umwelt erleben. Es ist die Art, das Glas grundsätzlich als halbvoll zu betrachten, anstelle von halbleer.

Schön und gut - aber wie bringe ich diese Mentalität in einen Text, und wie lasse ich den Leser daran spürbar teilhaben? Und außerdem: Why on hell erzähle ich das alles eigentlich? Ich bin doch eine deutsche Autorin!

Ja, aber ich hab es trotzdem gemacht und meine beiden aktuellen Romane „Amazonentochter" und „Das Vermächtnis der Amazonen" im American Style geschrieben oder besser erzählt und dabei festgestellt, dass ich bereits während des Schreibens das Gefühl hatte, einen aufregenden Abenteuerurlaub zu erleben. Dieses Schreiberlebnis war etwas vollkommen anderes als jenes meiner vier Vorgängerromane - und ich will gar nicht behaupten, dass es besser war, vielmehr will ich sagen: „Es war wirklich etwas ganz anderes, Entertainment, ein kosmopolitischer Freiflug samt Adrenalin - es war ein Event!" Und es war vor allem die Erkenntnis darüber, dass man als Autor weder banal, noch oberflächlich werden muss noch an der Tiefe seiner Charaktere sparen muss, um Leichtigkeit in einen Text zu bringen.

Die Protagonisten dürfen lachen, in peinliche Situationen geraten und Verluste erleiden wie sterben oder hässlich sein. Sie dürfen nach einem schweren Schicksalsschlag aufstehen, sich den Sand von den Knien klopfen, mit den Schultern zucken, und wieder lachen, und an anderer Stelle dürfen sie auch einfach liegen bleiben und sterben. Sie dürfen sich entwickeln und reifen und Lebensweisheiten für sich selbst sammeln.

Was machen amerikanische Autoren denn dann eigentlich anders als deutsche Autoren?

Gar nicht so viel, wie immer diskutiert wird. Auch deutsche Autoren arbeiten mit Humor, dem Clash of Cultures ... und es gibt auch genügend deutsche Autoren, die „fast going" oder plotlastig schreiben.

Die Antwort liegt tatsächlich wie so vieles in der Mentalität begündet.

Es ist einfach so, dass der American Style alles mit einerseits einer gewaltigen Lust an Dramatik und Größe erzählt (man könnte es vielleicht sogar manchmal als spielerischen oder positiven Größenwahn bezeichnen), andererseits aber auch mit dem neugierigen Bedürfnis möglichst viel zu erleben, zu sehen und nicht zu lange in einer Situation (sei sie nun freudig oder tragisch) zu verharren.

Kann man das nicht konkreter ausdrücken? Nein, denn die Antwort liegt einfach nicht in der Tiefgründigkeit und dem Auseinanderpflücken einzelner Stilmittel begraben. Finge ich damit an, während des Schreibens das was ich tue stilistisch zu durchdenken und in Schubladen zu packen, würde meinem Text eben jene Leichtigkeit verloren gehen, welche ich gerne erhalten möchte.

Im Endeffekt bleibt tatsächlich nur zu sagen: Man sollte sich weniger Gedanken über Stilmittel machen, während man sie anwendet und die Lust an großen Inszenierungen und am Great Entertainment entdecken - und ganz wichtig - seinen persönlichen positiven Größenwahn finden und spielerisch schreibend ausleben.

Einen konkreten Tipp gibt es aber doch noch: Es ist auf jeden Fall sinnvoll, die passende Story zum passenden Schreibstil zu entwickeln. Meine „Amazonentochter" bzw. „Das Vermächtnis der Amazonen" drängte sich geradezu für den „American Style" auf. Die vielen Kulturen, die aufeinandertreffen, die vielen Reisen, die unterschiedlichen und eigensinnigen Charaktere - die große Weltbühne, die ich hier zur Verfügung hatte forderte mich geradezu auf, zu spielen und zu erzählen und immer wieder mit der Überraschung eines jungen Menschen Neues zu entdecken.

Vielleicht ist es die Lust daran, für unterschiedliche Geschichten stilistisch immer wieder ihren eigenen Herzschlag zu finden, denn nach zwei American Style Romanen habe ich jetzt wieder Lust auf etwas Europäisch/Deutsches; ich habe Lust länger in einer Situation zu verharren, sie von allen Seiten ausgiebig zu betrachten und mich an ihrer Poesie und Sinnlichkeit, vielleicht auch einer subtilen Schwüle zu berauschen und von dieser aufgesogen zu werden. Und danach ... ja, vielleicht doch wieder etwas positiver Größenwahn ... well, I'll see, I don't mind, and get into the flow.

Birgit Fiolka im Interview filmtal Wuppertal

 

 



Veröffentlichung:

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Das Vermächtnis der Amazonen
Verlag: Lübbe
ISBN-10: 3404162927
ISBN-13: 978-3404162925
524 Seiten
8,95 Euro

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Kurzbeschreibung:

Ägypten im 13. Jh. v. Chr: Kamara, Tochter des Ägypters Pairy und der Amazone Selina, wird Zeugin eines Diebstahls. Sie wird entdeckt, gefangen genommen und kurzerhand von den Dieben als Sklavin nach Mykene verkauft. Dort erkennt Kamara, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen muss. Sie flieht, und es beginnt eine abenteuerliche Reise, die sie und ihre Gefährten nach Themiskyra führt, in die verloren geglaubte Heimat ihrer Mutter. Doch die sie verschleppt haben, wollen ihre Rückkehr nach Ägypten um jeden Preis verhindern. Kamara bleibt nur ein Ausweg - sie muss das zersprengte Volk der Amazonen noch einmal in den Kampf führen ...

 

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