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Unsichtlbare Spuren von Andreas Franz

Unsichtbare Spuren
Unsichtbare Spuren
Andreas Franz
Verlag: Knaur
ISBN-13: 978-3-426-63507-0
462 Seiten
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Rezension von Edelgard Kleefisch

Die 17-jährige Sabine versucht per Anhalter nach Hause zu kommen. Schnell findet sie auch Mitfahrgelegenheiten. Sie ahnt jedoch nicht, dass der freundliche Mann in der Uniform, ein gefährlicher Serientäter ist. Als ihre Leiche später gefunden wird, nehmen Kommissar Sören Henning und seine Kollegin Lisa Santos die Ermittlungen auf. Bei dem Mädchen werden DNA-Spuren gefunden, so dass der Täter daraufhin schnell überführt werden kann. Doch dieser bestreitet vehement, für die Tat verantwortlich zu sein. Erst als er sich im Gefängnis das Leben nimmt und in einem Abschiedsbrief seine Unschuld weiterhin beteuert, glaubt Henning, wirklich den falschen Mann hinter Gitter gebracht zu haben. Von Schuldgefühlen zerfressen zieht sich der Kriminalbeamte immer mehr zurück, bis 5 Jahre später wieder ein totes Mädchen gefunden wird. Es scheint der gleiche Täter zu sein, der seine Opfer wahllos auszusucht und sein Verlangen Menschen zu töten wird immer größer. Sören Henning macht bei seinen Recherchen eine beängstigende Entdeckung. Er muss den Täter unbedingt fassen. Als Leiter der Sonderkommission, setzt er alles daran gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen voranzutreiben – da nimmt der Täter Kontakt zu ihm auf, aber warum? Er lässt sich auf das undurchsichtiges Spiel des Mörders ein.

Unsichtbare Spuren ist ein Krimi, der den Leser von der ersten bis zu letzten Seite zu fesseln weiß. Andreas Franz gelingt es, ein sehr überzeugendes Täterprofil darzustellen. Der Autor, der zu den besten deutschen Kriminalautoren zählt, versucht die Wesenzüge des Täters genau zu ergründen, Verhaltensweisen eines kaltblütigen Mörders so aufzuzeigen, ohne dabei zu viel wert auf die Schilderung detailreicher Mordszenen zu legen und trotzdem Betroffenheit auszulösen. Der Serientäter, wird von dem Autor als ein sehr intelligenter Mann beschrieben, seine Entartung nimmt durch ein gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter seinen Lauf. Psychologisches Feingefühl sind Voraussetzungen um einen guten Thriller zu schreiben. Dieses Talent besitzt Andreas Franz ohne Zweifel. Die Grundlage des Romans beruht auf einem wahren Geschehen. Zwar wurde der Täter stark verändert dargestellt, um Ähnlichkeiten auszuschließen, doch alleine die Tatsache, dass es sich so ähnlich zugetragen haben kann, lässt den Leser erschaudern.
Fazit: Ein packender und anspruchsvoller Thriller mit psychologischem Tiefgang.
Homepage des Autors:
http://www.andreas-franz.org/

Biographie:

Andreas Franz
Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg geboren. Er arbeitete als Übersetzer für Englisch und Französisch und war einige Jahre als Schlagzeuger tätig. Seine große Leidenschaft ist aber von jeher das Schreiben. Andreas Franz ist verheiratet und hat fünf Kinder. Großen Erfolg hat er mit seinen Kriminalromanen um Julia Durant und Staatsanwältin Elvira Klein und den Offenbacher Kommissar Peter Brandt.



Leseprobe


Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Droemer/Knaur.

www.droemer-knaur.de
SONNTAG, 17.30 UHR

»Ich habe Sabine nicht umgebracht«, beteuerte Georg Nissen zum wiederholten Male und schüttelte den Kopf. Schweiß hatte sich auf seiner Stirn, in den Handflächen und unter den Achseln seines Hemdes gebildet, auf dem sich zwei große Flecken abzeichneten. Seit über zwei Stunden wurde er abwechselnd von Sören Henning und Lisa Santos verhört, wobei die Fragen zunehmend schärfer wurden. Henning, der allmählich ungeduldig wurde, stützte sich auf den Tisch, während Lisa Santos an dieWand gelehnt dastand, die Arme über der Brust verschränkt und die Vernehmung aufmerksam verfolgte. Besonders aber beobachtete sie die Reaktionen von Georg Nissen auf die Fragen, seine Mimik, seine Gestik, wie er sprach.

»Herr Nissen, Sie haben vor sechzehn Jahren schon einmal eine Frau vergewaltigt und sind dafür verurteilt worden. Was Sie in der Zwischenzeit getrieben haben, entzieht sich unserer Kenntnis, aber eines wissen wir, Sie hatten Geschlechtsverkehr mit Sabine Körner. Ich wiederhole mich ungern, aber der Todeszeitpunkt wurde auf die Zeit zwischen halb sieben und acht Uhr am Freitagmorgen festgelegt. Wie lange wollen Sie eigentlich noch leugnen, wo doch alles gegen Sie spricht? Sie haben sie mitgenommen, Sie haben sie gevögelt und sich dann wie ein Stück Dreck ihrer entledigt. Und Sie sind mit einer Brutalität und Grausamkeit vorgegangen, wie ich es in meiner Dienstzeit bisher nicht erlebt habe.«

Nissen fuhr sich verzweifelt durchs Haar und verschränkte schließlich die Hände im Nacken, den Kopf gesenkt. »Das stimmt alles nicht, ich habe sie nicht umgebracht, ich könnte so was überhaupt nicht. Verdammt noch mal, ich habe ja schon zugegeben, mit ihr geschlafen zu haben, aber ich habe sie bei Ahrensberg an der B 76 wieder abgesetzt und bin zu rück nach Eckernförde gefahren, weil ich meinen Koffer vergessen hatte. Wie oft soll ich das noch sagen?! Prüfen Sie das doch nach. Woher soll ich denn wissen, wer sie danach mitgenommen hat.«

»Niemand, weil Sie der Letzte waren, der sie lebend gesehen hat. Es gibt keinen anderen, schon gar nicht diesen ominösen großen Unbekannten. Sagen Sie uns nur, wie sich alles abgespielt hat. Hat sie sich gewehrt, oder hat sie mehr Geld verlangt, als sie bereit waren ihr zu geben? War es so?«, sagte Henning hart und stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und sah Nissen durchdringend an. »Nein, nein, nein!«, schrie Nissen und sprang auf. »Ich habe ihr zweihundert Mark gegeben, damit sie mit mir schläft. Ich weiß, ich weiß, das war ein Fehler, aber sie war … Verdammt, sie hat mich einfach angetörnt. Sie wollte nach Flensburg zu einer Freundin, weil sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten hat. Ich konnte sie aber nicht nach Flensburg bringen, weil ich nach Eckernförde gleich einen Termin in Böklund hatte.«

»Setzen Sie sich wieder«, herrschte Henning ihn an. »Wieso fahren Sie nach Böklund über Schleswig? Gibt es keinen kürzeren Weg? Für mich ist das ein ziemlicher Umweg.«

»Nein, es gibt keinen schnelleren Weg als über Schleswig. Man kann natürlich auch die Fähre bei Missunde nehmen, aber das dauert. Ich habe es nicht getan, ich habe Sabine nicht umgebracht!«

Henning griff sich ans Kinn und sah Nissen an. »Seltsam, wir haben bei ihr kein Geld gefunden, nicht einen Pfennig. Dafür haben wir aber einen Regenschirm gefunden, der Ihnen gehört …«

»Auch das habe ich Ihnen doch schon ausführlich erklärt …«

»Ja, ja, die alte Geschichte, dass Sie Mitleid mit ihr hatten und ihr den Regenschirm schenkten. Mir bricht es fast das Herz.«

Henning ging zu Santos und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Daraufhin löste sie sich von der Wand und setzte das Verhör fort.

»Herr Nissen, wie ist Ihre Ehe? Glücklich?«, fragte sie. Nissen sah Santos erschöpft und hilfesuchend an und antwortete nach einer Weile: »Was spielt das für eine Rolle? Für Sie bin ich doch sowieso der Täter. Sie haben meine DNA, Sie wissen, dass ich Sabine mitgenommen und mit ihr geschlafen habe, und Sie meinen auch zu wissen, dass ich sie umgebracht habe. Was sollen also diese Fragen noch?«

»Von Ahrensberg beziehungsweise Louisenlund bis nach Haddeby sind es morgens um die von Ihnen angegebene Zeit maximal zehn Minuten. Und es war noch dunkel, sodass Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen konnten, von niemandem gesehen zu werden. Warum haben Sie es getan? Erleichtern Sie doch endlich Ihr Gewissen …«

»Halten Sie den Mund! Ich habe ein reines Gewissen, da gibt es nichts zu erleichtern. Das ist alles ein verdammter Zufall, nichts als ein großer, gottverdammter Zufall. Aber einmal Verbrecher, immer Verbrecher, was? So denkt ihr Bullen doch, oder?«

»Beweisen Sie uns Ihre Unschuld, und Sie können als freier Mann dieses Gebäude verlassen«, sagte Henning kalt und hart, mit einer Spur Zynismus in der Stimme, denn er wusste, Nissen würde nichts vorbringen können, das ihn entlastete.

»Wie soll ich Ihnen meine Unschuld beweisen? Sie haben sich doch schon alles so zurechtgelegt, dass ich da gar nicht mehr rauskomme. Und das nur, weil ich Sabine mitgenommen und mit ihr eine schnelle Nummer geschoben habe. Ist das ein Verbrechen?«

»Nein, aber der Mord. Was für ein Gefühl ist das, wenn man einem jungen Mädchen immer und immer wieder einen Pflasterstein ins Gesicht schlägt, bis dieses Gesicht nicht mehr zu erkennen ist? Oder wie ist das, wenn man diesem Mädchen am Ende noch die Augen aussticht? Ist das ein zusätzlicher Kick, noch ein Orgasmus obendrauf?«, fragte Henning noch einen Tick zynischer und deutete auf die Fotos der Toten, die er bewusst vor Nissen ausgebreitet hatte. »Hm, wie ist das?

Schauen Sie sich noch mal an, was Sie angerichtet haben! Hier, hübsches Gesicht, was?!«

Georg Nissen atmete tief durch und erwiderte: »Egal, was ich sage, Sie glauben mir sowieso nicht. Ich möchte mit meinem Anwalt sprechen.«

»Der ist noch nicht aufgetaucht. Leider«, sagte Henning kalt lächelnd. »Und es stimmt, ich glaube Ihnen nicht. Ich glaube nämlich nicht an diese berühmten Zufälle. Es ist dumm gelaufen für Sie, Sie hätten alles, zumindest fast alles mit ihr machen dürfen, nur das mit dem Umbringen, das war ein saudummer Fehler.«

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