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Wie wird man Spionin?






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Corina Bomann wurde 1974 in Parchim geboren. Schon in jungen Jahren begann sie mit dem Schreiben und machte es im Jahr 2002 zum Beruf. Da sie eine große Leidenschaft für Geschichte hat, schreibt sie vorrangig historische Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt und arbeitet in einem kleinen Dorf in Norddeutschland.

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Wie wird man eine Spionin?

VON CORINA BOMANN

Spione bestimmten schon immer die Weltgeschichte und die Geschicke der Mächtigen. Christopher Marlowe und Mata Hari sind nur zwei bekannte Beispiele historischer Spione. James Bond turnt seit vielen Jahren über die Leinwand - ein Ende ist nicht abzusehen.
Doch wie wird man eine Spionin im 16. Jahrhundert?
Diese Frage stellte ich mir, als ich die Arbeit zu „Die Spionin" begann. Das heißt, die Frage stellte ich mir zunächst nicht, denn ursprünglich hatte ich vor, einen Roman über Sir Francis Walsingham (1532-1590) zu schreiben, eine Person, die mich schon seit einiger Zeit faszinierte. Er war der „spymaster" und Erster Sekretär von Königin Elisabeth I., ohne ihn wäre sie wohl schon recht früh vom Thron gestoßen worden.
Walsingham war eine sehr undurchsichtige Persönlichkeit. Stets trug er schwarze Kleidung, was ihm den Spitznamen „Mohr" von der Königin einbrachte. Seine Aktionen waren gut durchdacht und kühl geplant. Schon früh hatte er den Wert Elisabeths I. für England erkannt. In einer Zeit der Glaubensunruhen brachte sie den Menschen Zuversicht und sie hatte auch die nötige Stärke, um zu regieren. Doch ihre Regentschaft war bedroht, von außen wie von innen. Der spanische König Philipp II, dessen Heiratsangebot sie abgelehnt hatte, wollte England wieder katholisch sehen - und wenn möglich sogar beherrschen. Maria Stuart, die schottische Cousine Elisabeths, trachtete der Königin offen nach Leben und Thron.
„Schmerzhafte Leiden erfordern schmerzhafte Kuren", das ist einer der Aussprüche Walsinghams. Und er schreckte vor nichts zurück, um seine Königin zu schützen.
Sein Erfolg gründete auf einem Spionagenetzwerk, das schon nach kurzer Zeit ganz Europa überspannte. An jedem Königshof, ja, überspitzt gesagt, in jeder Taverne, waren seine Leute zu finden. Walsinghams Spione waren Männer und Frauen, Arme und Reiche, Bettler und Intellektuelle. Weder Geschlecht noch Stand hinderte ihn daran, fähige Leute zu erkennen und anzuwerben.
„Knowledge is never too expensive" - „Wissen ist nie zu teuer" war sein zweiter wichtiger Wahlspruch. Tatsächlich ließ er sich den Aufbau des Agentennetzwerkes und die Ausbildung seiner Spione etwas kosten.
Als er im Jahre 1590 nach langer Krankheit starb, hinterließ er seiner Witwe Ursula einen riesigen Schuldenberg. Die Königin war gegenüber ihrem treuesten Diener überaus geizig gewesen und ließ Walsingham die Ausgaben aus seiner eigenen Tasche bestreiten. Die Welt jedoch, und besonders Spanien, würde ihn wegen seiner Taten niemals vergessen. Es heißt, dass Philipp II. ein Freudenfeuer angeordnet habe, als er vom Tode Francis Walsinghams erfuhr.
Wie komme ich nun auf eine Spionin? Bei meinen Recherchen Walsingham betreffend stieß ich auf die Aussage, dass im Jahre 1587 ein englischer Spion in den Haushalt des Flottenkommandanten Alvaro de Bazan, Marques de Santa Cruz, eingeschleust wurde. Name und Geschlecht dieses Agenten waren nicht bekannt, aber es ist überliefert, dass er Walsingham wichtige Details über die spanischen Schlachtpläne mitteilte, die schließlich neben dem schlechten englischen Wetter dazu beitrugen, dass die Pläne Philipp II. scheiterten.
Wer sollte also dieser Spion sein? Ich versuchte, mich in Walsingham hineinzuversetzen - und kam zu dem Schluss, dass er gewiss eine Frau als Spionin in Santa Cruz Haushalt gewählt hätte. Eine Frau ist unauffällig, es ist außerdem auch nicht die Regel, dass Frauen kämpfen, fechten und spionieren. Außerdem hatte Maria Stuart bei ihrer Hinrichtung ihre Dienerschaft an die katholischen Könige Europas empfohlen. Was läge also näher, eine vermeintliche Dienerin Marias unter die Fittiche des spanischen Flottenadmirals zu schmuggeln?
So wurde meine Heldin Alyson Taylor geboren. Alyson ist eine fiktive Figur, doch sie steht gewissermaßen für alle Männer und Frauen im Dienst von Sir Francis Walsingham. Bei weitem nicht alle sind so gut dokumentiert wie die Intellektuellen Thomas Phelippes, Gilbert Gifford und Christopher Marlowe. Die meisten von ihnen sind, obgleich ihre Dienste ebenfalls sehr wertvoll waren, einfach vergessen worden. Oder sie mussten vergessen werden, denn ein Grundsatz der Spionage ist Geheimhaltung.
Ein Spion musste dechiffrieren und in unterschiedliche Rollen schlüpfen können, auffällig sein, das Aufbrechen von Schlössern beherrschen und im Notfall sogar kämpfen oder einfallsreich fliehen. All diese Fähigkeiten habe ich meiner Spionin Alyson gegeben. Außerdem musste sie auch auf ganz weibliche Weise verzaubern. Sie musste Kenntnisse vom Hof haben, aber auch jederzeit die Rolle der Magd annehmen können. Sie musste tanzen und sich wie eine Dame benehmen können, durfte aber gleichzeitig auch nicht vor Diebstahl oder Mord zurückschrecken. Und sie durfte auch keine Skrupel haben, jemandem „Bettgeheimnisse" zu entlocken, das heißt, ihn durch sexuelle Dienste aushorchen.
Walsingham war dafür bekannt, dass er handverlesene Spione selbst ausbildete oder durch fähige Lehrer ausbilden ließ. Einer davon war Thomas Phelippes, der die Kryptographie und Dechiffrierkunst meisterhaft beherrschte und maßgeblich am Fall Maria Stuarts beteiligt war.
Gleichzeitig waren Spione auch nicht vor Intrigen und Angriffen der Gegenseite gefeit. Noch heute rätselt man, wer der wirkliche Mörder von Christopher Marlowe war, und das Schicksal Mata Haris ist auch hinlänglich bekannt. Wer in Walsinghams Dienste trat, hatte fortan den Tod als ständigen Begleiter neben sich. Viele Spione ereilte er, manchmal schnell, manchmal langsam, aber immer furchtbar. Die Strafen für einen gefangenen Spion waren rigoros.
Die wenigen, die untertauchen konnten, verschwanden auch aus den Annalen der jeweiligen Länder.
Es gab schon immer Spione und es wird sie auch immer geben. Die Methoden, die sie anwenden, mögen sich verfeinert und technisiert haben, aber letztlich gehen sie auf einen Mann zurück, der ohne es zu wissen zum Begründer der modernen Spionage wurde: Sir Francis Walsingham.
Indem ich die Geschichte meiner Spionin Alyson erzähle, erzähle ich auch seine - und die aller Spione in elisabethanischen Diensten.

März 2009, Corina Bomann



Veröffentlichung:




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Die Spionin

Verlag: Droemer
ISBN-10: 3426638460
ISBN-13: 978-3426638460
659 Seiten
8,95 Euro



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London, 1585: Als man die Diebin Alyson in den Tower bringt, scheint ihr Schicksal besiegelt. Doch Francis Walsingham macht ihr ein unglaubliches Angebot ...
Alyson soll der Königin als Spionin dienen! Doch die Ausbildung ist hart, nicht nur, weil Walsingham jeden Fehler unnachgiebig straft. Eine Spionin darf niemandem vertrauen – und es ist ihr verboten, sich zu verlieben … Ihr abenteuerliches Leben führt Alyson in Hafenbordelle, aber auch in die Gemächer Elisabeth I.; sie sieht den Kopf Maria Stuarts fallen und muss ihr Leben riskieren. Doch das alles dient nur dazu, sie auf die größte Herausforderung vorzubereiten: In Spanien muss sie eine Möglichkeit finden, das Auslaufen jener Armada zu verhindern, die England erobern und London in Schutt und Asche legen will – die Stadt, in der auch ein ganz besonderer Mann lebt, den sie seit langem heimlich begehrt.


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